Schildkröte im Wartezimmer der Teddy-Klinik

In der Kindertageseinrichtung Kinderpark in Kirchende bietet Mutter Verena Stahl eine Teddy-Sprechstunde an. Sebastian ist mit seiner Schildkröte gekommen, Jolina ist die Sprechstundenhilfe.
In der Kindertageseinrichtung Kinderpark in Kirchende bietet Mutter Verena Stahl eine Teddy-Sprechstunde an. Sebastian ist mit seiner Schildkröte gekommen, Jolina ist die Sprechstundenhilfe.
Foto: WP
Apothekerin Verena Stahl hat im Kinderpark Kirchende eine Teddy-Klinik eingerichtet, um Kindern die Angst vorm Arztbesuch zu nehmen.

Herdecke..  Die Schildkröte ist so still wie ihr Besitzer. Und das, obwohl gerade ihr gebrochenes Bein behandelt wird. Sebastian streichelt dem grünen Kuscheltier über den Kopf und schaut stumm zu, wie die Ärztin der Teddy-Klinik einen Verband um das Schildkrötenbein wickelt. Eigentlich ist Verena Stahl Apothekerin, doch im Kinderpark am ­Kirchender Dorfweg, eine Betreuungseinrichtung, die von einer Elterninitiative getragen wird, spielt sie die Ärztin.

Die Angst nehmen

„Wir wollen Kindern die Angst vor einem Arztbesuch nehmen“, sagt Verena Stahl, die die Idee zur Teddy-Klinik aus ihrem Studium mitgebracht hat. Und weil sich in der Tageseinrichtung, die versteckt in einem von der Straße kaum sichtbaren Haus liegt, die Eltern mit Aktivitäten einbringen können und sollen, hat sie in einem kleinen Raum kurzerhand eine Praxis für Kuscheltiere eingerichtet. Und da geht es richtig professionell zu. Eine Arzthelferin – in diesem Fall ist es die sechsjährige Jolina – holt den Patienten samt Besitzer aus der Gruppe. Während der Behandlung reicht das Vorschulkind Verbandsmaterial an, hilft beim Wiegen und Messen. „Ich baue ganz bewusst auch Elemente ein, die die Kinder von Arztbesuch kennen“, sagt Verena Stahl, deren Sohn auch den Kindergarten besucht.

Doch auch Neues wird präsentiert, etwas, das einem tatsächlich kranken Kind vielleicht sogar ein wenig Angst machen könnte. „Das Inhaliergerät faucht wie ein Drache“, erklärt die Teddy-Ärztin und zeigt Sebastian die Maske, mit der man den Wasserdampf inhalieren kann. Patient ist in diesem Fall die Schildkröte, über deren Nase die Maske perfekt passt. Aus der Distanz lässt sich die Prozedur gut beobachten, Sebastian ist interessiert und versucht, den Wasserdampf zu berühren. Braucht er selbst irgendwann einmal eine solche Behandlung, kennt er den Vorgang bereits.

„Die Kinder nehmen als Teddy-Mama oder Papa eine andere Rolle ein“, so die Erfahrung von Verena Stahl. Statt verschüchtert zu sein, angesichts von weißem Kittel und medizinischen Geräten, würden sie unbefangen in die Situation gehen. „Und sie sind sehr kreativ, wenn es um die Krankheiten ihrer Tiere und Puppen geht“, hat sich die Apothekerin im Arztkittel viele Krankengeschichten anhören müssen. Da war der Bär, der vom Baum gefallen war, der Hase mit Husten und Flooki, das Schmusetierchen von Sebastian, das sich eine Zecke eingefangen hatte.

Die Eltern mit in die pädagogische Arbeit der Einrichtung einzubeziehen, ist Kinderpark-Leiterin Helga Wilms wichtig. „Für uns ist das eine Bereicherung“, sagt sie. Und für die Kinder sei es ein Unterschied, ob eine Erzieherin als Ärztin auftrete oder eine Person, mit der die Kinder sonst nicht so viel Kontakt hätten. „Dadurch, dass es Mütter und Väter sind, die die Angebote machen, sind es aber auch keine ganz fremden Personen“, sagt Wilms. Das helfe, das Eis schnell zu brechen.

Ausflug in den Wald

Einmal im Jahr soll nun eine Teddy-Sprechstunde stattfinden. Auf die nächste Aktion müssen die 17 Jungen und Mädchen in der Kita aber nicht so lange warten. Denn schon bald geht es in den Wald. Ein Vater, der Jäger ist, hat eingeladen.

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