Sargmanufaktur aus Albringhausen gewinnt Preis

Susanne Schlenga
Bei der Wahl des schönsten Sarges konnte sich das Modell „Seelenrelief“ aus massiver Eiche durchsetzen. Für die Herstellung des jüngsten Manufakturprodukts des Familienunternehmens Eckhardt aus Wetter wählt der Geschäftsführer persönlich das Holz beim regionalen Lieferanten aus. Prokuristin Isabel Eckhardt und Betriebsmeister Roland Reinelt freuen sich über die Auszeichnung.
Bei der Wahl des schönsten Sarges konnte sich das Modell „Seelenrelief“ aus massiver Eiche durchsetzen. Für die Herstellung des jüngsten Manufakturprodukts des Familienunternehmens Eckhardt aus Wetter wählt der Geschäftsführer persönlich das Holz beim regionalen Lieferanten aus. Prokuristin Isabel Eckhardt und Betriebsmeister Roland Reinelt freuen sich über die Auszeichnung.
Foto: WP
Firma Eckhardt aus Wetter überzeugt bundesweit mit dem Modell „Seelenrelief“. Im Tod soll es so individuell sein wie im Leben.

Wetter. Was hat ein Sarg mit dem Leben zu tun? Sehr viel, wenn man sich nicht für das Standard-Modell in Eiche rustikal entscheidet. Dann kann ein Sarg den Weg des Lebens, den der Tote genommen hat, nacherzählen, kann Vorlieben und Leidenschaften symbolisieren oder die Ecken und Kanten, die der Verstorbene hatte, sichtbar machen. Wie das Modell „Seelenrelief“, das jetzt mit dem unabhängigen Branchenpreis Bestattungen.de-Award ausgezeichnet wurde. Entworfen hat ihn die Sargmanufaktur Eckhardt, die zwischen Wiesen und Wäldern in Albringhausen einen bundesweit beachteten Beitrag zur Bestattungskultur leistet.

Gegenpol zur Entsorgungsmentalität

Und den Begriff Kultur hat hier durchaus seinen Platz, denn in dem Wengeraner Unternehmen geht es nicht allein um das technische Produkt, es steht eine Philosophie hinter dem Designprozess. „Wir wollen einen Gegenpol zur Entsorgungsmentalität setzen“, sagt Isabel Eckhardt, die als Prokuristin für die dritte Generation in dem Familienbetrieb steht. Es gebe ein wachsendes Bedürfnis, den Verstorbenen individuell und gleichzeitig würdevolle zu bestatten. Seit Mitte der 1990er Jahre gehören darum auch Designersärge zum Portfolio des Betriebes.

Vor allem der Trend zur Feuerbestattung macht den Sargbauern zu schaffen. „Viele Menschen glauben, zu dieser Bestattungsform müsse man einen speziellen Sarg wählen“, sagt Isabel Eckhardt. Dabei eigne sich beinahe jeder Sarg für die Verbrennung und vor allem komme es doch auf den Abschied vor der Kremierung an. „Da sollte man doch mit einem Sarg einem Menschen und seinem Leben gerecht werden“, sagt die 34-Jährige. Für sie sei es wichtig, den geliebten Menschen noch einmal „in die Mitte zu nehmen“, in einer Trauerfeier in der Kirche oder auch aufgebahrt zu Hause. „In unserer Totenkultur fehlt dieses Abschied nehmen vielfach“, bedauert Isabel Eckhardt. Und der „Sarg ist der individuelle Begleiter für einen Menschen auf seiner letzten Reise.“

Baum-Jahresringe

Ein solch individuelles Modell ist der Sarg „Seelenrelief“. Bei diesem Modell „werden die weichen Baum-Jahresringe sorgsam heraus gebürstet. Die Jahresringe spiegeln das Leben mit seinen Höhen und Tiefen, Einschnitten und Sonnenstunden wieder. So spiegeln sich in dem mit Spalthölzern belegten Sargoberteil die verschiedenen Lebensphasen wieder“, heißt es auf www.bestattungen.de zu dem Siegersarg 2015.

Mit Isabel Eckhardt ist die dritte Generation in dem Betrieb an der Wacholderstraße aktiv. Ihr Urgroßvater hat als Möbeltischler begonnen, der Großvater nahm den Sargbau hinzu. Inzwischen ist die Firma Eckhardt spezialisiert, Vater Siegfried steht mit 66 Jahren noch an der Spitze des Unternehmens und entwirft viele der eigenen Modell. Aber auch Künstler und Designer arbeiten für den Familienbetrieb. Und manchmal kommen die Kunden auch selbst und lassen ihren Sarg nach den eigenen Vorstellungen anfertigen. Als ein Teil des Lebens. Und vielleicht auch als ein Gruß an die, die zurückbleiben.