RWE will Wahrzeichen wie Buchstaben und Rohre abreißen

Das RWE-Firmenschild auf dem Schieberhaus am Oberbecken macht keinen guten Eindruck, wie dieses aktuelle Bild aus dem Februar 2015 beweist.
Das RWE-Firmenschild auf dem Schieberhaus am Oberbecken macht keinen guten Eindruck, wie dieses aktuelle Bild aus dem Februar 2015 beweist.
Foto: www.blossey.eu
Trotz Denkmal-Eintragungen will RWE den Schriftzug, die oberirdischen Rohre und das Krafthaus am Ufer des Hengsteysees nicht mehr instand halten.

Herdecke..  Herdecker und Spaziergänger am Hengsteysee könnten die markanten Anlagen des Koepchenwerks mit geschlossenen Augen beschreiben: Unterhalb des Speicherbeckens thronen meterhohe RWE-Buchstaben, darunter führen zwei Doppelrohre den Berg hinunter zum langgezogenen Gebäude am Flussufer. Diese alten Anlagen will der Energiekonzern nun abreißen lassen – obwohl sie unter Denkmalschutz stehen.

Ein bisschen erinnern die drei Buchstaben mitten im Ardeygebirge schon an Hollywood. Ob es ein filmreifes Theater um den Abbruch des Schieberhauses am Oberbecken mit dem Schriftzug RWE, der oberirdischen Druckrohrleitungen sowie des Krafthauses am Ufer des Hengsteysees geben wird, muss sich zeigen. Die Stadt jedenfalls will auf das Thema in der heutigen Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planen und Verkehr hinweisen. In der Vorlage heißt es: „Die Verwaltung möchte sich mit aller Macht dafür einsetzen, das denkmalgeschützte Koepchenwerk zu erhalten.“ Wohl gemerkt in einem entsprechend guten Zustand, wie Sprecher Dennis Osberg ergänzt: „Das prägnante Erscheinungsbild ist ja auch überörtlich bekannt.“

Unterirdische Leitungen

Dabei machen derzeit etwa die drei Buchstaben, die von der Autobahn A1 gut zu erkennen sind, einen verwahrlosten Eindruck. RWE selbst nennt sie auf den eigenen Internetseiten ein „Wahrzeichen der Region“. Früher waren sie sogar beleuchtet, bis Diebe die Scheinwerfer stahlen. Die genannten Gebäude und Rohre werden seit der offiziellen Stilllegung der Altanlage im Jahr 1994 nicht mehr benötigt, da 1989 das Pumpspeicherwerk mit einem neuen Druckstollen in Betrieb genommen wurde. Die Leitungen zum Werk verlaufen seither unterirdisch.

Der Haken an der Sache: Das Schieberhaus mit Buchstaben, Rohre und Ufergebäude stehen seit dem 11. Juni 1986 in der Denkmalliste. Daher hat die untere Denkmalbehörde der Stadt Herdecke das Westfälische Amt für Denkmalpflege in Münster um Unterstützung und Hilfestellung gebeten. Bevor genauere Einschätzungen aus dessen Rechtsabteilung kommen, verweist LWL-Pressesprecher Markus Fischer auf drei Gründe, wieso ein Bauwerk aus der Denkmalliste herausgenommen werden kann: Untergang oder Vernichtung (etwa durch einen Brand), übergeordnetes öffentliches Interesse oder dem Eigentümer ist der Erhalt aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr zuzumuten. „Das muss er aber genau belegen“, so Fischer.

Kostendruck beim Energieversorger

Genau diese Kostenproblematik führt RWE an. In dem kürzlich an die Stadt gestellten Antrag begründet der Energieversorger den Rückbau mit „finanziellen Aufwendungen sowohl zur Sicherung des aktuellen Zustandes als auch mit erheblichen Sanierungs- und Instandhaltungskosten für die Zukunft.“ Eine sinnvolle Nachnutzung oder Veräußerung sei ausgeschlossen.

Auf Anfrage nennt RWE-Sprecher André Bauguitte 2,5 Millionen Euro, die das Unternehmen in den letzten rund 20 Jahren für Instandsetzungsarbeiten an den nicht mehr benötigten Gebäuden wegen Witterungs- und Altersschäden bereit stellte. „Um langfristig den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Anlage zu gewährleisten und angesichts der schwierigen Lage, in der sich RWE Power auch durch den Rückgang der Einsatzzeiten für das Pumpspeicherkraftwerk befindet, sind die finanziellen Anstrengungen nicht mehr zu vertreten“, meint Bauguitte.

 
 

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