RWE will Radfahrer über neue Schilder vor Schienen warnen

Steffen Gerber
Sturzgefahr am Ufer in Hagen und Herdecke: RWE will an der Brücke Hengsteysee wegen alter Schienen neue Warnschilder aufstellen.
Sturzgefahr am Ufer in Hagen und Herdecke: RWE will an der Brücke Hengsteysee wegen alter Schienen neue Warnschilder aufstellen.
Foto: WP
  • Gleise werden 2018 für Transporte benötigt
  • Appell an Radfahrer, ihr Gefährt zu schieben
  • Reaktionen von Lesern auch bezüglich Ruhrtalradweg

Herdecke/Hagen.  Viel Resonanz gab es zur Berichterstattung über die Gefahr für Radfahrer, die auf dem Ruhrtalradweg über die Brücke am Hengsteysee fahren. Beim Passieren der Stadtgrenze war Anfang August ein 55-Jähriger schwer gestürzt, weil er mit seinem Rad in die Gleise geraten war. Dies war in der jüngeren Vergangenheit nicht der einzige „schienenbedingte Unfall“.

Der Hagener Horst Mühlsiegl erzählte, dass er im Oktober 2014 in den Gleisen am Hengstey-Parkplatz die Kontrolle über sein Rad verloren und sich ein komplizierte Fraktur am Ellenbogen zugezogen habe. „Der Notarzt sagte mir damals, dass es in jener Woche drei Stürze wegen der Schienen gegeben habe. Seither weiß ich, dass auf Hagener Seite Schilder gerade für Ortsunkundige fehlen, die die Gefahr anzeigen.“ Heidrun Bartsch wiederum bemängelt, dass manche Warnschilder auf der Herdecker Seite falsch angebracht seien. „Die müssten deutlich sichtbarer vor und nicht hinter den Gefahrenstellen zu sehen sein.“ Und Jörg-Peter Zöllner vergleicht die Situation mit jener am Jakob in Wengern, wo die steile Rampe zugunsten erhöhter Verkehrssicherheit auf dem Ruhrtalradweg etwas entschärft wurde.

Drei neue Hinweistafeln in Auftrag

Auf all dies will nun auch RWE als Eigentümerin der Hengsteysee-Brücke reagieren. „Es sind neue Schilder bestellt, die gehen gerade in Produktion und stehen bald auf Hagener Seite“, erklärt Konzernsprecherin Stephanie Möller. Zur Frage, ob die Gleise an beiden Ufern nicht ganz abgebaut werden können, sagt sie: „Das geht nicht, denn für die Hauptrevision 2018 am Koepchenwerk brauchen wir die Schienen wieder für Transporte – wie zuletzt 2007.“ Der Wunsch, wie auf den 150 Metern vor dem Schiffswinkel Gummi in die Gleise einzufüllen und so die Gefahren zu minimieren, sei verständlich, aber auch sehr kostspielig. 11 000 Euro investierte RWE 2013 in Abstimmung mit der Stadt Herdecke.

Die Verwaltung in Hagen würde alles begrüßen, was die Verkehrssicherheit erhöht. „Die Problematik ist auch bei uns bekannt. Auch wir überlegen, wie wir da womöglich gemeinsam Abhilfe schaffen können“, so Thomas Bleicher aus dem Büro des Oberbürgermeisters. „Wir sind gesprächsbereit, von RWE sind Ideen und Maßnahmen zur Verbesserung stets willkommen.“ Auch bei den interkommunalen Gesprächen zur Aufwertung des Freizeitgebiets Ruhrseen soll das Thema Schienen auftauchen.

Vorerst bleibt es also bei der Vorschrift, das Rad über die Brücke zu schieben (was nur wenige befolgen). Das mindert die Qualität des Ruhrtalradwegs. Der erhielt kürzlich wieder vier von fünf möglichen Sternen als Auszeichnung vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Harald Spiering vom Regionalverband Ruhr verwies im Frühjahr 2016 bei der Entschärfung der steilen Rampe in Wengern darauf, dass solche Zertifizierungen regelmäßig erneuert werden und sich die Bestimmungen verschärft haben. „Auf einem Vier-Sterne-Radweg oder auch überhaupt auf einem zertifizierten Radweg darf es keine angeordnete Schiebestelle geben.“

150 Meter Rad schieben

Eine solche ist aber die 150 Meter lange Hengsteysee-Brücke, die die Ruhr-Tourismus GmbH ein „Nadelöhr für den Ruhrtalradweg“ nennt. Zwecks Entschärfung habe es „im konstruktiven Austausch mit den zuständigen Kommunen schon mehrfach Beratungen gegeben; leider bisher ohne ein geeignetes Ergebnis. Daher müssen und können wir derzeit mit den vor Ort installierten Warnschildern und der Schranke leben“, schreibt Sarah Thönnessen von Ruhr-Tourismus. Der Austausch mit den Kommunen gehe weiter.

„Aus Sicherheitsgründen appellieren wir an alle Radfahrer, die entsprechenden Hinweise zum Absteigen bzw. Schieben zu befolgen“, meint Thönnessen. Nach der kritischen Befahrung für das Vier-Sterne-Zertifikat kam der unabhängige Deutsche Fahrradclub zu dem Ergebnis, dass die Hengsteysee-Brücke „eine akzeptable, weil kurze Schiebe-Strecke“ sei“.