Reise in eine Welt ohne Regeln

Peter Pan und Kapitän Hook in „Pan - finding Neverland"..                                                 Foto: Christian Papesch
Peter Pan und Kapitän Hook in „Pan - finding Neverland".. Foto: Christian Papesch
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Wetter.. Die Säbel rasseln. Wie der Schlag einer unsichtbaren Pauke hallen Fußtritte durch den vollbesetzten Saal. Mit angstverzerrtem Blick weicht der Pirat vor dem Jungen zurück und hebt abwehrend den linken Arm, an dessen Ende ein blanker Haken prangt. Als sein Widersacher zum finalen Stich ausholt, stößt er einen gellenden Schrei aus. Einen Schrei, der den Namen des Jungen nennt.

Und vielleicht zieht in dem Moment, als er diesen Namen in die Finsternis hinausschreit, noch einmal sein ganzes Leben an ihm vorbei. Vielleicht erinnert sich der fiese Pirat an Indianerprinzessinnen, an Feen und fliegende Kinder in weißen Nachthemden. An tickende Uhren und Hände-fressende Krokodile. Und an einen verlorenen Jungen, der den Unterschied zwischen Küssen und Fingerhüten noch immer nicht ganz verstanden hat: „Peter Pan!“

Es ist eine der berühmtesten Kindergeschichte der Welt, die das Koffertheater Wetter - unter der Regie von Tine Hamm-Huckenbeck - derzeit mit großer Begeisterung und Hingabe in der Lichtburg erzählt. Die Geschichte eines Jungen, der sich weigert, erwachsen zu werden. Eines alten Piraten, der es verabscheut, erwachsen zu sein. Und einer Liebe, die niemals erwachsen werden kann.

Am zweiten Stern rechts und dann immer geradeaus bis zum Morgen. Dort liegt das Nimmerland. Jener Ort zwischen Schlafen und Wachen, an den Peter Pan (Kristopher Köhler) und seine Fee Tinkerbell (Ramona Köhler) Wendy (Janina Weber) und ihre beiden Geschwister bringen. Hier erleben die Kinder - gemeinsam mit der Indianerprinzessin Tigerlilly und den verlorenen Jungen - viele Abenteuer.

Es ist eine Welt ohne Regeln und Verpflichtungen. Eine Welt, in der man fliegen lernt, gegen Piraten wie den fiesen Kapitän Hook (Niklas Peternek) kämpft – und niemals erwachsen wird.

Junge Mimen lernten
Theaterfechten

Doch am Ende muss sich Wendy entscheiden. Für ihre Eltern, die am offenen Fenster noch immer auf ihre drei Kinder warten. Für ein Leben, in dem sie selbst Mutter werden und Verantwortung übernehmen kann. Oder für Peter Pan.

Das besondere an „Pan – finding Neverland“: Neben den Darstellern des Koffertheaters stehen viele jugendliche Schauspieler zwischen 12 und 18 Jahren auf der Bühne. Unter Leitung von Ramona und Kristopher Köhler hatte man bereits im März in Workshops begonnen, Kinder und Jugendliche für das Mitwirken zu begeistern.

Erfahrene Theaterdozenten brachten den jungen Mimen innerhalb eines halben Jahres die Grundsätze des Bühnenbilddesigns, der Schauspielerei sowie des Bühnenkampfes und Theaterfechtens bei.

„Die Arbeit hat sich unheimlich gelohnt“, freute sich Lichtburg-Chef Christian Müller-Espey am Ende der ausverkauften Premiere am Samstagabend. Und vermutlich werden die vielen jungen Zuschauer, die „Pan– finding Neverland“ am Wochenende gesehen haben, in 20 Jahren auch ihren Kindern noch die Geschichte von Pan und Tinker Bell erzählen. „Denn schließlich werden alle Kinder einmal erwachsen. Außer einem: Peter Pan.“ Aufführungstermine im Internet unter www.pan2010.de.

 
 

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