Rauchmelder sehen statt hören

Für Menschen, die schlecht oder gar nicht hören können: Rauchmelder, die im Ernstfall blinken. Foto: WAZ-Fotopool
Für Menschen, die schlecht oder gar nicht hören können: Rauchmelder, die im Ernstfall blinken. Foto: WAZ-Fotopool
Foto: WAZ FotoPool

Wetter/Herdecke. Anlässlich der zum 1. Januar 2013 vorgesehenen Rauchmelderpflicht in NRW schlug Elke Nieland jetzt Alarm. Die Herdeckerin ist hörgeschädigt und sorgt sich um die zahlreichen anderen hörgeschädigten Menschen, die keinen Rauchmelder besitzen oder diesen gar nicht erst hören. Elke Nieland schämt sich schon lange nicht mehr für ihr Handicap: „Ich befürchte aber, dass es vielen immer noch ungenehm ist, vor sich selbst und anderen dazu zu stehen.“ Deswegen daure es auch seine Zeit, bis entsprechende Hilfsmittel angeschafft würden, weiß die 68-Jährige.

Optische Signale und Vibrationen zeigen Gefahr an

Dazu zählen beispielsweise spezielle Kopfhörer, Telefone oder eben auch Rauchmelder. „Möglichkeiten sind zur Genüge vorhanden“, versichert Markus Stein von „Hörgeräte Steneberg“ in Wetter, „nur die Wahrnehmung muss verlagert werden.“ Anstelle der akustischen Hinweise, sind es dann optische Signale oder Vibrationsimpulse, die auf eine Gefahr aufmerksam machen. Statt eines einzelnen Gerätes können vernetzte Rauchmelder eingesetzt werden, die über Funk Verbindung zu einem Empfangsgerät aufnehmen oder dort einen weiteren Alarm auslösen. Dieser erfolgt wiederum über Signale, die auch hörgeschädigte Menschen wahrnehmen können.

Ein Rauchmelder im Fluroder eine vernetzte Anlage

„Es sollte zumindest im Flur ein Rauchmelder vorhanden sein, aber je nach Größe der Wohnung und individuellem Gefährdungspotenzial ist die Anbringung vernetzter Funk-Rauchmelder in mehreren Räumen der Wohnung sinnvoll“, weiß Michael Hubert vom Forschungsintitut Technoligie und Behinderung in Grundschöttel. Hörgeschädigte Menschen die, wie Elke Nieland, bereits über eine Lichtsignalanlage zum Beispiel für die Haustürklingel oder das Telefon verfügen, benötigen dann nur noch den passenden Rauchmelder.

„Meinen normalen Rauchmelder höre ich einfach nicht“, so Elke Nieland, „erst eine Freundin hat mich auf das ständige Piepen angesprochen“. Da waren glücklicherweise nur die Batterien leer, doch bei der Probe für den Ernstfall, konnte die Rentnerin die Alarmgeräusche nicht hören.

Dass viele Hörgeschädigten-Haushalte noch immer nicht über einen Rauchmelder verfügen, kann aber auch an den enormen Preisen liegen, die eine Anschaffung mit sich bringt. Tatsächlich belaufen sich die Kosten für drahtlose Signalanlagen auf etwa 100 Euro pro Gerät.

„Alles, was mit hören zu tun hat, ist teuer“, erklärt Elke Nieland. Und das vor allem dann, wenn die Krankenkassen nicht zahlen.
„Rauchmelder für Hörgeschädigte werden von den Krankenkassen nicht übernommen“, bestätigt ein Mitarbeiter der Barmer GEK aus Wetter, der ungenannt bleiben möchte. Die offizielle Begründung folgt auf dem Fuße: Rauchmelder dienen nicht zur Verbesserung des Gesundheitszustandes und sind keine Hilfsmittel für den Alltag.

Für Normalverbraucher kostet die Anschaffung eines Rauchmelders durchschnittlich zwischen fünf und 20 Euro. Für Hörgeschädigte fallen hingegen fünf bis 25 Mal höhere Beträge an.

 
 

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