Publikum im Dörken-Saal tobt

Die Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung präsentiert in Herdecke Meister von Morgen. Der 28-jährige Dmitry Masleev ist einer von ihnen.
Die Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung präsentiert in Herdecke Meister von Morgen. Der 28-jährige Dmitry Masleev ist einer von ihnen.
Foto: Veranstalter
  • Dmitry Masleev leistet im Meister-von-Morgen-Konzert überragendes
  • Interpretationsgabe des Pianisten überzeugt
  • Publikum fordert zwei Zugaben

Herdecke.  Wie schon so oft, hatte das Riesenpublikum im Werner-Richard-Saal am Sonntagabend das Gefühl, mit Dmitry Masleev (Meister von Morgen) einen Non-plus-ultra-Pianisten zu erleben. Blond und schmal, wesentlich jünger als 28 Jahre wirkend und völlig ohne Allüren, entfesselte er in ruhiger Gelassenheit eine Tastenschlacht, die ihresgleichen sucht. Er hatte seine Musik so verinnerlicht, dass er schwierigste Passagen oft mit geschlossenen Augen spielte.

Nach Herzenslust

Dabei fing alles so harmlos an. Vier einsätzige Sonaten von Scarlatti 1685-1757) leiteten das Konzert ein. Die Sonate h-Moll K 27 überraschte den Freund historischer Genauigkeit mit viel Pedal und mit leichten Tempoverzögerungen deutlich in die Zeit der Romantik gerückt. Vielleicht hätte sich der Komponist ja sogar über den Einsatz neuer Technik gefreut.

Bei der rasend schnellen Sonate d-Moll K 1 dagegen fiel stilgerecht das Pedal aus, da sonst im quirligen Non-stop-Drive die Themen von Klangschleiern überlagert worden wären. Bei Beethovens Sonate Nr.26 Es-Dur op. 81a „Les Adieux“ tobte sich der junge Musiker nach Herzenslust aus. Die langsame Einleitung, von Beethoven selbst mit „Le-be wohl“ als Gruß zur Abreise des Erzherzogs Rudolf von Österreich überschrieb, ging in ein temperamentvolles, vielleicht auf ein fröhliches Wiedersehen abgestimmtes Allegro über, in dem es schon von schnellen Akkordsprüngen wimmelte. Schade, dass im Programm die Überschriften zum Andante espressivo „Abwesenheit“ und zum Vivacissimamente „Das Wiedersehen“ nicht angegeben waren. Dank der großartigen Interpretationsgabe des Pianisten hörte man aber schon in der Molltonart des langsamen Satzes Abschiedsschmerz sowie Verzweiflung in turbulenten Abschnitten.

Der überaus temperamentvolle Schluss-Satz feierte die Rückkehr des Freundes mit springenden Akkorden, rasendem Laufwerk und kecken flotten Motiven. Prokofieff (1891-1953) ging, was unglaubliche Virtuosität betrifft, in seiner Sonate Nr. 2 d-Moll op.14 noch diverse Schritte weiter. Brutale Akkordwürfe, abrupte Stimmungsveränderungen, schlussähnliche Bruchstücke und urplötzlicher Übergang zu lieblichen, aber nicht ernst gemeinten Phasen, die unverhofft wieder ins Trotzige abglitten, rasendes Laufwerk und markante Rhythmik rüttelten die Zuhörer auf. Rachmaninoff (1873-1943) arbeitete in seiner Elegie Es-Dur op. 3 Nr. 1 romantische Elemente ein, bevor es auch hier zu einem gewaltigen akkordischen Aufruhr kam. Zum Schluss kehrte die Schwermut des Anfangs zurück. In der „Polka de W. R.“ über ein Thema seine Vaters klang russische Folklore mit.

Zwei Zugaben

Der „Totentanz“ von Liszt begann mit düsteren Tonschritten im Bass; in rasendem Laufwerk die Tastatur hinauf und hinunter suchte man dem Schicksal zu entkommen. Immer wieder spielte der Bass die Hauptrolle; liebliche Motive deuteten die Erinnerung an schöne Zeiten an, wurden aber schnell wieder von düsteren Akkorden vertrieben. Das Publikum tobte. Nach zwei Zugaben verabschiedete sich der junge Mann, scheinbar frisch und ohne Anzeichen von Erschöpfung.

 
 

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