„Piraten“ wollen Ruhrtal entern

Elisabeth Semme
Seit 2009 aktiv: die Piraten Christian Gebel aus Herdecke (li.) und Patrick Rückheim aus Wetter. Foto: Elisabeth Semme
Seit 2009 aktiv: die Piraten Christian Gebel aus Herdecke (li.) und Patrick Rückheim aus Wetter. Foto: Elisabeth Semme
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Wetter/Herdecke. „Ich wollte Politik machen, ging zu einem Stammtisch der Piraten und wurde ernst genommen. Nach einem Monat habe ich schon Plakate gekleistert.“ Das war 2009. Bis dahin war der Wetteraner Patrick Rückheim (22) auf der Suche nach einer politischen Heimat. Bei den etablierten Parteien fühlte sich der Design-Student nicht wohl, stand eher als Zaungast am Rande ihrer Treffen. „Die waren nicht so offen“, erinnert er sich, „und vor allem fehlte mir der Augenkontakt.“

Inzwischen hilft er ebenso wie der Herdecker Pirat Christian Gebel (36) dabei mit, für die Piraten im Kreis eine Basis zu schaffen. Nach ihrem Einzug ins Berliner Parlament ist die Partei in aller Munde, bewegt sich im politischen Alltagsleben. Landesverbände in NRW gibt es bereits, flächendeckende Kreisverbände noch nicht. Bei kommenden Wahlen aber wollen die Piraten auf jeden Fall auch den EN-Kreis entern und auf in den Städten kandidieren. Zwei Stammtische gibt es in der Region: in Gevelsberg und in Witten.

„Pirat wird man nichtdurch Mitgliedschaft“

„Pirat wird man nicht durch Mitgliedschaft, sondern durch Mitmachen und Überzeugung“, sagt Christian Gebel. Der Grafik-Designer, der als Dozent bei einem Schulungsunternehmen arbeitet, ist ebenfalls seit 2009 bei den Piraten und Kreisvorsitzender in Dortmund. Politisch interessiert sei er auch schon davor gewesen. „Aber jetzt ist mir vieles zu wichtig, weil viele Dinge zu falsch laufen und man wirklich etwas bewirken kann, wenn man sich bewegt“, sagt Gebel. Vor zwei Jahren, so Gebel, habe die Skepsis der Bürger gegenüber den Piraten noch überwogen: „Wir wurden für eine Spaßpartei gehalten. Seitdem wir aber bei sechs bis acht Prozent bei Wahlen stehen, interessieren sich die Leute für uns.“

Aber wofür stehen die Piraten, was sind ihre Ziele? Christian Gebel und Patrick Rückheim nennen die wichtigsten: Freiheit und Datenschutz, Basisdemokratie und bedingungsloses Grundeinkommen, freie Bildung und freier Zugang zu Informationen. Vieles von dem, das weiß Christian Gebel, wollten dereinst auch die Grünen: „Aber sie hatten die technischen Mittel nicht. Unser Werkzeug ist das Internet. Und für diejenigen, die keinen Zugang dazu haben, bieten wir Veranstaltungen an.“

Die Piraten wollen mehr Transparenz schaffen, indem sie Bürger an ihren politischen Lern- und Entscheidungsprozessen teilhaben lassen. Wollen der Politikverdrossenheit junger Leute so etwas entgegen setzen wie Redlichkeit und Glaubwürdigkeit. Die Piraten kommen aber nicht nur bei Jungen an, betont Gebel: Das Durchschnittsalter der Mitglieder sei in den letzten Monaten stark angestiegen.