Wetter

Pflege-Methoden vor Gericht auf dem Prüfstand

Sylvia Mönnig
Foto: Agentur SchirmerHartmannTheobald
Unsachgemäße Pflege soll bei zwei Bewohnerinnen der Seniorenwohngemeinschaft Grundschöttel Druckgeschwüre verursacht haben. Die Leiterin vor dem Gericht muss sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Wetter.  . Unsachgemäße Pflege soll bei zwei Bewohnerinnen der Seniorenwohngemeinschaft Grundschöttel Druckgeschwüre vierten Grades verursacht haben. Seit gestern muss sich die Leiterin der Einrichtung vor dem Amtsgericht in Wetter verantworten. Der 57-Jährigen wird fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Sie ist sich allerdings keiner Schuld bewusst.

Im Jahr 2011 wurden zwei Bewohnerinnen der Einrichtung mit Auflagengeschwüren, in der Fachsprache auch Dekubitus genannt, in Krankenhäuser eingeliefert und mussten sich operativen Eingriffen unterziehen. Diese Wundliegegeschwüre, so zumindest die gestrige Einschätzung des medizinischen Sachverständigen, resultieren stets aus einem Pflegefehler. Eine konsequente Prophylaxe - die richtige Lagerung und Mobilisierung des Betroffenen - verhindere einen Dekubitus.

Hausarzt hinzugezogen

Die angeklagte Heimleiterin ist davon überzeugt, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat. In beiden Fällen habe sie den behandelnden Hausarzt hinzugezogen. „Ich handle immer nach dem Rat der Ärzte.“

In einem Fall habe die Bewohnerin das Auflagegeschwür im Übrigen bereits aus der Reha mitgebracht. Mehrfach täglich hätten sie das Dekubitus-Pflaster gewechselt. Als sich der Zustand trotzdem verschlimmert habe, habe sie darauf gedrängt, die ältere Dame ins Krankenhaus zu bringen. Deren Schwiegertochter habe das jedoch abgelehnt. Als die Frau dann auch noch Fieber bekommen habe, so die Heimleiterin, habe sie gesagt: „So, jetzt ist Feierabend.“ Das könne sie nicht mehr verantworten.

Die Familie der älteren Dame schildert das anders. Sie sei im Glauben gelassen worden, der Zustand habe sich verbessert. „Ich habe nie gesagt, dass ich nicht will, dass sie ins Krankenhaus kommt“, sagte die Schwiegertochter aus. Sie sei wütend und entsetzt gewesen, als sie von dem Ausmaß des Dekubitus erfahren habe.

Konträr dazu die Haltung des Neffen und Betreuers der anderen, mittlerweile verstorbenen Bewohnerin: Er ist nach wie vor der Meinung, dass die Mitarbeiter in der Einrichtung alles im Griff hatten, auch als sich der Zustand seiner Tante verschlechterte. „Sie war dort bestens aufgehoben.“

Ähnlich formuliert es der behandelnde Arzt: „Ich glaube nicht, dass da etwas falsch gemacht wurde.“ Die Patientin habe sich in einem schwierigen Pflegezustand befunden. Das sei eine schwierige Aufgabe. „Sobald sie lag, hat sie recht schnell rote Flecken entwickelt.“ Und: „Ich hatte nicht den Eindruck, dass da etwas versäumt wurde.“

Das Verfahren wird Ende Mai mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt.