Öffentliches Internet für Herdecke über Freifunk-Variante

Dieses Freifunk-Logo ist schon in einigen Städten zu sehen.
Dieses Freifunk-Logo ist schon in einigen Städten zu sehen.
Foto: Funke Foto Services
Die SPD Herdecke will in Kürze einen Antrag für öffentliches Internet nach dem Freifunk-Prinzip stellen. Die Verwaltung will noch Rechtsfragen klären.

Herdecke..  Freier Internet-Zugang im Zentrum: Dieses Thema beschäftigt weiterhin die Stadt Herdecke und auch die SPD. Nach einigen Vorüberlegungen zeichnet sich ab, dass anstelle eines öffentlichen Wlan-Netzes über eine Firma die Freifunk-Variante mit vielen Routern von mehreren Beteiligten den Vorzug erhalten könnte.

Im Frühjahr dieses Jahres hatte die Verwaltung einen Vertreter der Dokom21 in den Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus eingeladen, um ein Konzept zu einer möglichen Umsetzung eines öffentlich zugänglichen Wlan-Netzes über einen Provider in der Herdecker Innenstadt vorzustellen. „Nach ersten Gesprächen mit dem Anbieter erscheint jedoch eine kostenneutrale Realisierung unwahrscheinlich“, sagte kürzlich Osita Uchegbu vom Amt für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus.

Idee breitet sich immer mehr aus

Also fiel der Blick auf das Konzept des sogenannten Freifunks, das sich – wie berichtet – immer weiter ausbreitet. Dabei stellen Privat- und Geschäftsleute ihre jeweiligen Wlan-Kapazitäten zur freien Nutzung zur Verfügung. Je größer die Zahl freiwilliger Teilnehmer, desto besser die flächendeckende Abdeckung. Hierfür wird in oder an den Privatimmobilien ein Router aufgestellt, der laut Stadtverwaltung in der Regel über den Verein Freifunk Rheinland zum Selbstkostenpreis bezogen werden kann. Der Anschluss des Routers sowie die anschließende technische Betreuung erfolge gewöhnlich durch Mitglieder des Vereins. „Die Geschwindigkeit beim eigenen privaten Surfen verringert sich nicht, da dem öffentlichen Netz immer nur jene Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden, die selbst nicht beansprucht werden“, so Uchegbu. Demnach können Mitnutzer nicht auf fremde Daten zugreifen.

Während die Freifunk-Befürworter vor allem die unbeschränkte und unkomplizierte Nutzung des Netzes betonen, sehen Experten aber nach wie vor eine große Rechtsunsicherheit bei dieser Variante.

Um einen Überblick über die aktuelle Rechtslage der öffentlichen Internet-Nutzung zu geben, will die EN-Agentur die hiesigen Verwaltungen Ende Oktober zu einer Informationsveranstaltung einladen.

Nächste Sitzung am 19. November

Die Herdecker SPD hat sich schon vor diesem Termin positioniert. In der nächsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Tourismus am 19. November sollen die Fraktionen beschließen, an zentralen Orten der Stadt ein offenes Wlan-Netz nach dem Freifunk-Prinzip aufzubauen und dabei mit den hiesigen Ansprechpartnern (etwa dem Freifunk-Verein Ennepe-Ruhr) zusammenzuarbeiten.

Die Verwaltung soll nach dem Willen der SPD das Freifunk-Projekt ideell unterstützen. Dazu werde die Stadt verpflichtet, an ihren Gebäuden, in denen ohnehin ein Internetanschluss vorhanden ist, Freifunk-Router zu installieren. Schulgebäude seien hiervon ausgenommen. Darüber hinaus soll die Verwaltung aufgefordert werden, den Kontakt zu ansässigen Einzelhändlern, Hotels und Gastronomen zu suchen und diese zu bitten, mindestens einen Router ohne Internetanschluss (Repeater) zu betreiben, idealerweise sogar einen Freifunk-Router mit Internetanschluss.

Die SPD beantrage auch die Prüfung, welche städtischen Flüchtlingsheime bereits über einen Internetanschluss verfügen und welche jährlichen Kosten für die Bereitstellung eines Internetanschlusses mit mindestens 6 Mbit/Sekunde in den übrigen Unterkünften entstehen würden. Weiter soll geprüft werden, ob etwa auf den Fahrplananzeigetafeln am Bahnhof Freifunk-Router installiert werden können, wie es etwa in Wuppertal umgesetzt werde.

In der Antragsbegründung führt die SPD auf, dass diese kostengünstige Idee die Infrastruktur verbessere und die Aufenthaltsqualität von Besuchern erhöhe. Das sei auch aus tourismuspolitischer Sicht ein wichtiges Anliegen. Freifunk-Netze seien bundesweit das am weitesten verbreitete Beispiel einer nicht kommerziellen Initiative für den öffentlichen Zugang zum Internet. Diese „Selbstmach-Netze“ werden von den Beteiligten in Eigenregie aufgebaut: Die handelsüblichen „Access Points“ benötigen demnach lediglich einen Stromanschluss. „Mit Hilfe von Freifunk ist es trotz angespannter Haushaltslage möglich, ein flächendeckendes Netzwerk in Herdecke zu schaffen“, so die SPD mit Blick auf die einfache Technik und geringe Kosten (einen Router gebe es je nach Modell für 20 bis 250 Euro). Auch das Risiko der sogenannten Störerhaftung werde für die Stadt bei dieser Umsetzung ausgeschlossen, obendrein habe der Landtag NRW die Förderung dieser Idee bewilligt.

 
 

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