Neuling im Politikbetrieb hat Freude am Gestalten

Wetter..  Eher links verortet war er schon immer. Ein SPD-Parteibuch besitzt Wolfgang Cornelsen aber erst seit knapp vier Jahren. Obwohl verhältnismäßig frisch in Partei und Politik, ist der 49-Jährige im Mai in den Rat der Stadt gewählt worden. Die Schnupperphase ist vorbei, sagt Cornelsen nach den ersten Monaten Ratsarbeit und freut sich, „dass die Politik spätestens mit der Haushaltsverabschiedung für 2015 so richtig in Gang gekommen ist.“

Vor 17 Jahren ist er von Volmarstein nach Albringhausen gezogen. Alle drei Kinder spielten Fußball beim TuS Esborn, er selbst kickt in der Altherrenmannschaft. Irgendwann war er Jugendleiter und als solcher Architekt der Jugendspielgemeinschaft mit dem TuS Wengern. Da hat er gemerkt, dass ihm „Gestalten ungeheuer viel Spaß macht.“ Und weil er als Sportvertreter auch Berührung zu den Politikern im Ort hatte, konnte er diese näher kennenlernen. Wohl gefühlt hat er sich vor allem bei der SPD, imponiert hat ihm besonders Frank Hasenberg – im Hauptberuf Bürgermeister von Wetter und nebenbei Vorsitzender der SPD in Esborn.

Im Lokalen gilt „Diktat der Vernunft“

Vernünftig und an der Sache orientiert gehe der erste Bürger der Stadt Wetter seine Aufgaben in Rat und Rathaus an – ganz so, wie Wolfgang Cornelsen selbst Kommunalpolitik versteht: „Von Dogmen befreit. Hier gilt das Diktat der Vernunft.“

Die Zeit für Kommunalpolitik ist nicht leicht, hat der Ratsnovize schnell gelernt. Die Stadtkasse ist leer. Statt Wohltaten zu verteilen, muss auch er in Zukunft bestimmt unangenehme Wahrheiten verkünden. Das ist eine Belastung, aber auch eine Herausforderung. Der Zwang, „ständig kreativ zu denken, Menschen ins Boot zu holen, Leute an die Riemen zu kriegen“, hat für ihn etwas Konstruktives: So lässt sich im Umgang mit anderen Menschen gestalten, verändern. Ganz so wie es beim Zusammenlegen der Jugendspielabteilungen war. Ältere Mitglieder sahen in dem anderen Verein anfangs immer noch den Derby-Gegner von vor gar nicht langer Zeit. „Mittlerweile gibt es schon eine regelrechte Vereinsidentifikation bei der Spielgemeinschaft.“

Die Last der Verantwortung

Die Politik kostet Zeit. Die Vereinsarbeit schon lange. Und da ist ja auch noch sein Beruf. Wolfgang Cornelsen ist Textilkaufmann und handelt mit „Stoffen für die Damen“. Textilhersteller wie Steilmann sind seine Geschäftspartner. Aber: Cornelsen ist selbstständig und von daher Herr seiner Zeit, jedenfalls mehr als ein gewöhnlicher Angestellter.

Wenn er von der Belastung spricht, die sein Ratsmandat spürbar mit sich gebracht hat, denkt Wolfgang Cornelsen aber nicht an den Druck der Termine, die sich schon mal eine ganze Woche lang Abend für Abend jagen können. Es ist eher das Gefühl der Verantwortung, das aus dem Wissen beispielsweise um die Finanzlage der Stadt erwächst.

Auch hier findet er wieder einen Vorteil: Politik zu machen, heißt für ihn auch, „bewusster dabei zu sein“. Wer die Fakten kennt, kann nach sinnvollen Lösungen suchen. Und er kann sie nach außen vertreten. Auch wenn Freunde und Bekannte immer mal wieder sagen, dass jetzt nicht von Politik die Rede sein soll, sind gerade sie es, die dann doch damit anfangen. Da kann Cornelsen gleich schon mal testen, wie überzeugend seine Argumente sind – oder bei den Mitbürgern aufmerksam zuhören.

EURE FAVORITEN