Mutter freut sich mit der Erzbischöfin

„Dass ich das in meinem hohen Alter noch erleben darf“: Marianne Zöllner (89) aus Herdecke freut sich für ihre Tochter.
„Dass ich das in meinem hohen Alter noch erleben darf“: Marianne Zöllner (89) aus Herdecke freut sich für ihre Tochter.
Foto: WP
Mittags um halb eins rief die neu gewählte Erzbischöfin von Schweden, Antje Jackelen, daheim bei ihrer Mutter in Herdecke an, um das Wahlergebnis mitzuteilen. Seitdem hat Marianne Zöllner (89) schon viele liebe Anrufe und sogar Blumen bekommen.

Herdecke..  „Ist das Ihre Tochter, die jetzt Erzbischöfin von Schweden ist?“ Immer wieder ist Marianne Zöllner in den letzten Tagen diese Frage gestellt worden. „Es weiß eben nicht jeder, dass Antjes Mädchenname Zöllner ist“, sagt die Mutter von Antje Jackelén, die am Dienstag an die Spitze der schwedischen Kirche gewählt wurde. „Zwischen 10 und 11 Uhr war die Wahl, und um 12.30 Uhr hat Antje mich sofort angerufen und gesagt: Mutti, ich hab’ 55,9 Prozent“, erzählt die 89-jährige Herdeckerin und schaut auf eines der vielen Fotos, die vor ihr auf einem Tischchen stehen: „Es ist so schade, dass mein Mann das nicht mehr erleben kann.“

Werner Zöllner war selbst ein engagierter Kirchenmann in der evangelischen Kirchengemeinde. Bei vielen Herdeckern unvergessen geblieben ist nicht nur sein unermüdlicher Einsatz für die Stiftskirche als Mitbegründer des Kirchbauvereins. „Er wäre stolz“, weiß Marianne Zöllner. Dass sie selbst sich von Herzen für ihre Tochter freut, bedarf wohl keiner Erwähnung. „Viele Leute haben es irgendwo gelesen oder im Radio gehört und mich dann angerufen und gratuliert. Einige haben sogar Blumen gebracht.“ Zu ihnen gehört auch Hubert Brozy, der ehemalige Leiter des wetterschen Gymnasiums, an dem ihre Tochter Antje Abitur gemacht hat: „Der hat sich auch sehr für Antje gefreut.“

„Ach, ich muss ihnen noch eine nette Geschichte erzählen“, sprudelt es aus Marianne Zöllner heraus. Am Dienstag sei sie, wie jeden Morgen um sieben Uhr, zum Schwimmen im Bleichsteinbad gewesen. „Da habe ich mit den anderen aus meiner Truppe über die Wahl gesprochen, und der Bademeister hat das irgendwie mitbekommen. Er hat sich erkundigt, was für eine Wahl das ist und meinte dann zu mir: Ich drücke ganz fest die Daumen.“ Doch damit nicht genug: Nachmittags um drei Uhr rief Alexander Krüger bei Marianne Zöllner an, um nachzufragen, wie denn die Wahl ausgegangen sei. „Ist das nicht nett?“, strahlt die 89-Jährige, „wo findet man sowas noch? Ich habe mich jedenfalls sehr darüber gefreut.“ Immer wieder muss sie kurz innehalten; zu überwältigend sind die Emotionen: „Ich habe schon so viel geweint vor Freude.“

Und wann gibt es endlich ein nächstes Wiedersehen mit der Tochter? „Erst Weihnachten, denn ich diesem Jahr fahre ich nach Schweden. Mein Mann und ich haben immer im Wechsel bei unserer Tochter in Schweden und unserem Sohn hier in Herdecke gefeiert, und das habe ich auch beibehalten“, erzählt die Herdeckerin. Dann holt sie ein dickes Album hervor, das ihr Mann Werner noch zu Lebzeiten angelegt hat - Fotos, Zeitungsartikel, Menükarten und viele andere Erinnerungsstücke dokumentieren den außergewöhnlichen Werdegang ihrer Tochter Antje. „Und jetzt ist sie Erzbischöfin“, sagt die 89-Jährige und schüttelt den Kopf: „Dass ich das noch erleben darf in meinem hohen Alter.“

 
 

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