Musik harmoniert bestens mit der Lesung von Jana Crämer

Lesung mit Musik: Im Jugendzentrum Wetter las nach der Begrüßung durch Anne-Kathrin Forke Jana Crämer aus ihrem Buch "Das Mädchen aus der ersten Reihe" vor, die Musik kam von Batomae
Lesung mit Musik: Im Jugendzentrum Wetter las nach der Begrüßung durch Anne-Kathrin Forke Jana Crämer aus ihrem Buch "Das Mädchen aus der ersten Reihe" vor, die Musik kam von Batomae
Foto: WP
Gelungenes Heimspiel für Jana Crämer: Auch dank der Musik von David Müller alias Batomae kam die Lesung im Jugendzentrum Wetter gut an.

Wetter..  Zu einem abwechslungsreichen Abend gehören per se verschiedene Aspekte. Richtig rund wird eine Veranstaltung, wenn die Elemente miteinander korrespondieren. So wie jetzt bei der musikalischen Lesung im Jugendzentrum Wetter: Bei ihrem Heimspiel trägt Jana Crämer Auszüge aus ihrem Debüt-Buch „Das Mädchen aus der 1. Reihe“ vor. David Müller alias Batomae, ihr bester Freund und Bassist der Band Luxuslärm (deren Managerin Crämer ist), untermalt dies mit zwei Musikern. Texte, Gesang und Klang bildeten eine Einheit. Die Zuschauerinnen, die bisweilen sogar aus Mainz anreisten, klatschen und singen bisweilen lautstark mit.

München, Berlin, Hamburg, Jena, Wetter. Die Musik-Lesung entwickelt sich zum Erfolgsprojekt, sowohl das hiesige Jugendzentrum als auch die Gaststätte Friedrich am See am kommenden Freitag melden ausverkauft.

Das Erfolgsrezept? Zwei Antworten: Da wären zunächst die autobiografischen Schilderungen Crämers, die über ihre Romanfigur Lea von Essstörungen, Übergewicht und damit verbundenen Problemen einer fast erwachsenen jungen Frau erzählt. Und dann sind da noch drei Musiker, die ihr Handwerk verstehen und die dank Müllers schöner Gesangsstimme die Texte perfekt ergänzen. Geht es im Buch um einen Disco-Tanz, spielt das Trio den Klassiker „Maniac“. Wobei neben Cover-Songs auch Deutsch-Pop-Lieder von Batomaes Debüt-EP „Unvergleichlich“ ertönen. Müßig zu erwähnen, dass diese auch mit dem Buchinhalt in Relation stehen, geht es doch auch darin um Toleranz, Selbstzweifel und -bewusstsein.

„Frustriert betrachte ich mich im Spiegel, das Shirt ist viel zu eng.“ So beginnt Jana Crämer die Lesung, in der die verunsicherte Hauptfigur Lea in den Wochen vor der Abiturfeier mit ihrem Dicksein hadert. Die Autorin, die seit 2010 in Wetter lebt, stellt kontrastierend auch die beste Freundin Jule (perfekte Figur, knackiger Hintern) sowie Erzfeindinnen mit tiefen Ausschnitten vor. Dann ist da noch Leas Schwarm Ben, der einfühlsame Sänger und Bassist einer Band. Nicht zufällig gehen Crämers Blicke auf der Bühne oft hinüber zu Müller, der ihren Worten teils Taten folgen lässt. Ist beim Buchmusiker von wuscheligen Haaren die Rede, macht der echte Sänger seine Frisur strubbelig.

Fast zweieinhalb Stunden, unterbrochen von 15 Minuten Pause, interagieren die Akteure auf der Bühne. Es gibt lustige Episoden zur Trinktechnik mit Strohhalmen, amüsante Kapitel (etwa als Lea ihre große Liebe Ben versehentlich auf der Männertoilette kennenlernt) sowie Analogien zwischen Fiktion und Realität. Die Romanfiguren reisen der Band hinterher, im Publikum sitzen Mädels mit gleicher Mission. In Erinnerung bleibt aber vor allem die schonungslose Erzählung einer übergewichtigen Heranwachsenden mit Ekelgefühlen vor sich selbst. Selbst als diese im Bett von Ben landet, hat sie reichlich Unannehmlichkeiten zu überstehen.

Bezug zu Aktionstagen Sucht

Zur Begrüßung im Jugendzentrum hatte Anne-Kathrin Forke von der Stadt Wetter auf die laufenden Aktionstage Sucht hingewiesen. Dabei geht es um verantwortungsvolle Handynutzung. Mit dem Spruch „Weniger Technik, mehr Liebe“ von Batomae und einem Selfie zum Abschluss bauten die Akteure auch diesen Aspekt in den abwechslungsreichen Abend ein.

 

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