Mittel gegen Weindiebstahl aller Art

Walter Methler zeigt im Henriette-Davidis-Museum in Wengern eine Vorrichtung gegen Weindiebstahl im Haus.
Walter Methler zeigt im Henriette-Davidis-Museum in Wengern eine Vorrichtung gegen Weindiebstahl im Haus.
Foto: WP
Der Industriepionier Friedrich Harkort schrieb gegen Schwund bei Bahntransporten an. Jetzt stehen seltene Schriften von ihm im Henriette Davidis-Museum in Wetter-Wengern

Wengern..  Begegnet sind sich Henriette Davidis und Friedrich Harkort nie. Jedensfalls gibt es keinen Hinweis darauf, obwohl sie Zeitgenossen waren. Und doch haben jetzt Schriften des Indsutriepioniers Harkort in das Museum für die Kochpionierin Davidis Eingang gefunden. Es sind ganz besondere Schriften, wie Walter Methler, Gründer des Davidis-Museums, erkundet hat.

Zehn Seiten, 20 Seiten, 16 Seiten. Ungleich lang sind die drei Aufsätze, die Methler jetzt von einem Antiquar in Konstanz erstanden hat. Gemeinsames Thema der Drucke von 1869: „Die Revision des Eisenbahngesetzes von 1838“. Friedrich Harkort, geboren in Haspe mit einer Wirkungsstätte in Wetter, war Mitglied des Reichstages und wollte mit der Materialsammlung einen Antrag unterfüttern.

Schon früh hat Friedrich Harkort die Bedeutung der Eisenbahn für den Fortgang der Industrialisierung erkannt, weiß Walter Methler. Und kann das jetzt an Beispielen erläutern. So ist in einem der Manuskripte die Rede von einem Handelshaus in Witten, das 267 Sack Roggen auf die Bahnreise geschickt hatte und nur eine Eingangsbestätigung für 132 Säcke erhielt. Die anschließende Beschwerde hatte einzig zur Folge, dass das Bahnunternehmen auf der Forderung für den Transport von 267 Säcken bestand.

Bereicherung für Bücherei

Auch bei einem anderen Beispiel aus der Feder von Friedrich Harkort kann Walter Methler schmunzeln. Harkort prangert einmal mehr an, dass die Ware unterwegs Beine bekommt. Dieses Mal geht es um Weine. Der genaue Beobachter Friedrich Harkort schreibt: „In den Fässern findet man unter den Reifen kleine Bohrlöcher, wodurch sich durstige Kehlen gelabt haben und demnach mit Holznägeln wieder verstopft haben; ob dies die Mäuse tun, kann ich nicht sagen.“ Wenn das auch nach einer ganz anderen Zeit des Güterverkehrs klingt, wirken andere Sätze Harkorts wie ein aktueller Kommentar. „Das Volk ist nicht der Eisenbahn wegen da sondern umgekehrt“, stellt der Eisenbah- und Industriepionier klar. Und wer weiß, dass sich die Bahn für einen Börsengang schick macht, sollte sich Harkorts Kommentar aus der Mitte des vorvorigen Jahrhunderts vor Augen halten: „Das System, einen Theil der Eisenbahnen durch den Staat zu betreiben, hat sich vollkommen bewährt in unserem Lande.“

Es ist kein Zufall, dass ein Archivar in Konstanz mit den Schriften von Friedrich Harkort dienen konnte. Eine dünne Bleistiftschrift verrät den ursprünglichen Eigentümer. Es handelt sich um den Freiherrn von Stotzingen, wohnhaft in Konstanz zu Zeiten von Friedrich Harkort und wie dieser ein Parlamentarier. „Eine wunderschöne Bereicherung für die Bibliotheca Fabriciana“, freut sich Walter Methler. Im Herbst soll die Bibliothek im Geburtshaus von Henriette Davidis eröffnet werden. Zwei Schwerpunkte soll die Büchersammlung haben: Einen rund um Henriette Davidis und das Kochen. Und: Schriften über Wetter oder von Wetteranern.

Dann kämen Henriette Davids und Friedrich Harkort, die sich bislang vielleicht nur dem Namen nach kannten, sogar unter einem Dach zusammen. Sogar dauerhaft.

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