Mit neuem Blick auf alten Wegen

Wolfgang Perschau kann Spannendes zur Geschichte des Mäuseturms erzählen.Foto: Theo Schmettkamp
Wolfgang Perschau kann Spannendes zur Geschichte des Mäuseturms erzählen.Foto: Theo Schmettkamp
Foto: WR Schmettkamp

Herdecke.  Jeder, der öfter am Seeufer unterwegs ist, ist schon mal am Mäuseturm im Hengsteysee vorbeigekommen. Trotzdem wissen die wenigsten Wanderer, Radfahrer und Skater etwas über die Geschichte des kleinen Türmchens.

Auch Wolfgang Perschau aus Herdecke hat sich lange kaum Gedanken um das einsame Türmchen gegenüber des Seeschlösschens gemacht. „Im Alltag nimmt man Vieles nicht mehr so aufmerksam wahr“, weiß er. Irgendwann habe er sich gefragt, warum da jemand so einen Turm gebaut hat. Bei seiner Recherche stieß er auf ein interessantes Stück Heimatgeschichte.

„Eigentlich war der Turm früher Teil einer Brücke“, erklärt Wofgang Perschau und zieht ein altes Schwarzweißbild aus der Tasche. Es ist das Motiv einer Postkarte, etwa aus dem Jahr 1900. Damals gab es noch keinen See, nur die Ruhr verlief zwischen Seeschlösschen und dem Mäuseturm. Über das Flussbett hinweg spannte sich eine schmale Fußgängerbrücke. „Die Brücke hat Wilhelm Funcke bauen lassen“, weiß Perschau.

Wilhelm Funcke war der Großvater der kürzlich verstorbenen FDP-Politikerin Liselotte Funcke aus Hagen. Im Jahr 1895 kaufte er das Rittergut Niederhofen auf der Hagener Ruhrseite. Das Gut war schon damals nur noch eine Ruine, deshalb baute Funcke etwa 700 Meter ruhraufwärts auf Herdecker Seite ein neues Wohnhaus. Diese Villa ist unter den Namen Seeschlösschen, Funckenburg oder auch Villa Niederhofen bekannt und steht noch heute. „Der Baustil des Gebäudes erinnert ans Mittelalter“, findet Wolfgang Perschau. „Funcke hatte wohl eine Schwäche für mittelalterliche Burgen.“ Diese Vorliebe zeigt sich auch an der Bauart des Mäuseturms. „Früher hatte der sogar Burgzinnen“, weiß Perschau. Ursprünglich war der Turm mit einem weiteren Gebäude verbunden. „Darin wohnte“, so Perschau, „der Kutscher der Funckes.“

Aber wofür brauchte Wilhelm Funcke die Brücke und einen Kutscher auf der anderen Ruhrseite? Die Antwort verrät der Spitzname des Gutsherren: Wilhelm Funcke wurde auch „Schruwen Willem“ genannt, denn er war Schraubenfabrikant und hatte eine Fabrik in der Nähe des Hagener Bahnhofs. „Damit er die möglichst schnell erreichen konnte, hat er die Brücke und den Mäuseturm mit Wagenremise bauen lassen“, so Perschau.

Ruine versank in den Fluten

Nachdem Funckes Erben die Ländereien 1919 an den Ruhrverband verkauft hatten, wurde 1929 der See angestaut und Funckes Privatstraße sowie die Ruine von Niederhoff versanken in den Fluten. „Die restlichen Gebäude am Mäuseturm wurden bestimmt abgerissen und die Steine woanders verbaut“, vermutet Perschau. „Aber die Ruine Niederhoff kann man auf Luftbildern noch sehen“, weiß er. „Die liegt auf Höhe des Koepchenwerks unter der Wasseroberfläche.“

 
 

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