Martina Schweitzer hofft auf Titel als WP-Schützenkönigin

Martina Schweizer (links) hat Spaß am Schießen. Ihr Hofstaat begleitet sie zu anderen Vereinen
Martina Schweizer (links) hat Spaß am Schießen. Ihr Hofstaat begleitet sie zu anderen Vereinen
Foto: Verein
  • Im Schützenverein Wengern-Oberwengern viele Freunde gefunden
  • 54-Jährige freut sich über Ausgleich zu stressigem Beruf
  • Erste Abstimmungsrunde bis 6. Oktober

Wetter.  Praktisch und bunt gekleidet betritt sie das Vereinsheim, die Schützenkönigin Martina Schweitzer. So gar nicht königlich verschwindet sie zunächst hinter der Theke – Getränke für den Hofstaat mischen. Das Schützenheim ist einfach gehalten, wie eine gut bürgerliche Gaststätte. Bis auf Schweizer sind die meisten Schützen, die um den Tresen sitzen, ältere Männer. Zur Begrüßung klopfen sie sich schwungvoll auf die Schultern. Doch der erste Eindruck täuscht. Je später der Abend, desto jünger die Sportschützen. Vor allem junge Frauen kommen.

Einige davon hat Martina Schweitzer selbst rekrutiert, Freundinnen von ihr. Sie begrüßen Schweitzer zuerst, herzen sich lachend. Alle kennen sie hier.

Martina Schweitzer hat Spaß am Schießen. Das können nicht immer alle nachvollziehen, denen sie davon erzählt. Auch sie selbst gehörte zu den Skeptikern – bis sie durch ihren Mann zum Schützenverein Wengern-Oberwengern fand. Statt auf Waffennarren traf sie auf „Persönlichkeit, Menschlichkeit, eine große Familie“. Hatte sie anfangs noch Angst vor Waffen, so probierte sie hier das Schießen aus, wurde angelernt: Theorie, Sicherheit, Praxis. „Da guckt keiner schief, wenn man neu ist. Ich war kein Außenseiter, sondern gleich dabei.“

Dabei und mittendrin ist sie jetzt seit bereits sieben Jahren. Fast jeden Dienstag und Freitag kommt sie dafür aus ihrem Wohnort Witten oder wahlweise von der Arbeit in Bochum, um am Training teilzunehmen. Für Schweitzer ist die Waffe ein Sportgerät geworden, mit dem sie an Ligawettkämpfen teilnimmt. Mit dem Ziel, zu gewinnen. Vielleicht sogar einmal eine Landesmeisterschaft.

Doch das Schießen ist für Schweitzer auch eine Möglichkeit, um abzuschalten, „geistig runterzukommen“. Tagsüber arbeitet die 54-Jährige als Anästhesieschwester – ein stressiger Beruf.

Das Training am Abend ist für sie hauptsächlich „eine Achtsamkeitsübung. Ganz im Hier und Jetzt sein.“ Kopf und Körper müssen im Einklang sein, sagt Schweitzer, wenn man treffen will. Zuvor war sie im Kanusport tätig, als Steuerfrau fuhr sie Drachenboot. Auch aus gesundheitlichen Gründen entschloss sie sich, den Schießsport weiterzuverfolgen, ein Hobby, das man bis ins späte Alter ausführen kann.

Noch ein anderer Aspekt ist Schweitzer wichtig: die Traditionen. Davon gibt es unter Schützen ziemlich viele. Nicht zuletzt das Königsschießen, bei dem Schweitzer im. August buchstäblich den Vogel abgeschossen hat. Gefolgt wurde das von ihrer Inthronisierung, der Wahl des Prinzgemahls – mit Francesco Faro wählte sie den stellvertretender Sportleiter aus –, des Adjutantenpaares und des Hofstaats. Dieser, insgesamt circa 15 Personen, wird die frisch gebackene Königin auf Schützenfesten begleiten. Die Herren in Uniform, die Damen im langen Kleid, festlich ausgestattet. Schweitzer genießt es, „den Verein zu repräsentieren, seine Menschlichkeit, die große Familie, das Vereinsheim, das Gelände“.

Nachwuchs fehlt

Ein bisschen Werbung muss sein, denn auch bei den Schützen fehlt es an Nachwuchs. Wenn ältere Mitglieder in Zukunft vielleicht nicht mehr am Vereinsleben teilnehmen könnten und Jugendliche andere Prioritäten hätten, fürchtet Schweitzer, dass Traditionen verloren gehen. Daher will der Verein seine Mitglieder viel ins Drumherum mit einbeziehen, das Vereinsleben bunt gestalten. Und so attraktiv bleiben.

Dabei kann es nicht schaden, zusätzliche Unterstützung durch die Teilnahme an der Wahl zur WP-Schützenkönigin zu erhalten. Dabei sind alle Schützenvereine der Region eingeladen, sich zu präsentieren. Martina Schweitzer stellt sich zu Wahl. Und die ersten Stimmen hat sie schon.

 
 

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