Mann trainiert im Fitness-Studio in Wetter im Muskel-Shirt - Rauswurf

Elisabeth Semme
Trainieren im Muskel-Shirt, wie es dieser Bodybuilder bei der Fitnessmesse in Köln präsentierte, ist im FSW-Sports-Studio in Wetter nicht erlaubt: Wegen Verstoßes gegen diese „Kleiderordnung“ musste ein Kunde jetzt gehen.
Trainieren im Muskel-Shirt, wie es dieser Bodybuilder bei der Fitnessmesse in Köln präsentierte, ist im FSW-Sports-Studio in Wetter nicht erlaubt: Wegen Verstoßes gegen diese „Kleiderordnung“ musste ein Kunde jetzt gehen.
Foto: dpa
Eine Kleiderordnung gibt es in Wetter und Herdecke nur in einem einzigen Fitness-Studio. Weil ein Mann im neuen Fitness-Center FSW Sports nur im Muskel-Shirt trainierte, wurde er vom Chef vor die Tür gesetzt. Bei Frauen dagegen wird die knappe Kleidung geduldet, das "sähe attraktiver aus".

Wetter/Herdecke. Bei Temperaturen über 30 Grad fließt in Fitness-Studios ganz besonders viel Schweiß für die Traumfigur. Also raus aus dem T-Shirt und rein ins ärmellose Hemdchen. Muskel-Shirt statt Polohemd ist angesagt. Oder schreiben die Betreiber ihren Kunden vor, was sie beim Training tragen dürfen und was nicht? Wegen eines Vorfalls haben wir uns in Sachen „Kleiderordnung“ einmal in den sechs heimischen Gesundheits- und Fitness-Studios umgehört.

„Bei uns können die Kunden anziehen, was sie möchten. Natürlich muss es im Rahmen bleiben, das heißt: nackte Oberkörper - egal ob Mann oder Frau - gehen nicht“, sagt Matthias Fröschke vom Fitness- und Gesundheitszentrum Body Art in Wengern. Mit Trägern von Muskel-Shirts habe er keine Probleme, wenn die Handtücher zum Drauflegen groß genug seien („da lege ich Wert drauf“). Fröschke zeigt Verständnis für die jungen Gäste, besonders für die bis Mitte 20-Jährigen, die gerne sehen wollen, wie ihre Muskeln wachsen.

Nur keine Straßenschuhe und Gürtel

Auch im Studio von Dirk und Sabine Messingfeld in Wetters Kaiserstraße gibt es keine Kleidervorschriften. „Ob Jogginghose oder Muskel-Shirt, das ist uns egal“, lacht Sabine Messingfeld. „Ich kann doch keinem vorschreiben, was er tragen soll. Das ist bei uns im Studio überhaupt kein Thema. Männer kommen in Radlerhosen und Tank-Tops oder auch in Muskel-Shirts. Wenn Frauen so rumlaufen, sagt ja auch keiner was“, so die Wetteranerin. Nur Straßenschuhe oder Straßenkleidung hätten im Studio nichts zu suchen; denn mit Gürteln oder Nieten an Hosen könnten die Bänke leicht beschädigt werden.

Sportschuhe sind auch im Studio Frauenfitness Wetter Voraussetzung fürs Training. Ansonsten gibt es ebenfalls keine Vorschriften in punkto Kleidung. Allerdings gilt bei großer Hitze: Trainiert wird nur mit Handtuch. „Jeder kann anziehen, was er mag.“

Das gilt auch im Vital Aktiv Club am Zweibrücker Hof in Herdecke. Zu aufreizende Kleidung sei noch nie ein Thema gewesen, so Mitarbeiter Frank Goth. Das könne aber auch am Kundenstamm mit einem Altersschnitt von jenseits der 50 liegen. „Wohlfühlen ist angesagt“ im Sport & Spa Gesundheitswerk im Herdecker Quartier Ruhraue. Dazu gehöre auch, dass Kunden tragen können, was sie mögen.

Mehr Toleranz bei Frauen

Anders sieht es dagegen im neuen Fitness-Center FSW Sports an der Ruhrstraße in Wetter aus. Dort ist das Tragen von Muskel-Shirts grundsätzlich nicht erlaubt. Obwohl: „Bei Frauen tolerieren wir es ein bisschen“, sagt Betreiber Udo Pietruck. Weil ein Kunde sich nicht daran gehalten hatte, setzte Pietruck ihn kurzerhand vor die Tür.

„Das T-Shirt war so weit ausgeschnitten, dass man von der Seite den Bauch gesehen hat. Zudem zog der Kunde es hoch und meinte, damit fühle er sich luftig und frei. Dann schaute er einem Mann auf den Hintern. Der Kunde hat sich hinterher bei mir beschwert“, so Pietruck. Mehrmals hätten er und andere Mitarbeiter den Kunden freundlich aufgefordert, aber er sei dann erneut im ärmellosen Trägerhemd aufgetaucht.

Kunden müssen sich an die AGBs halten

„Er wollte provozieren und tut es weiterhin“, ist Pietruck überzeugt. Deswegen habe er ihn des Studios verwiesen. Lebensgefährtin Melanie Mücke dazu: „Die Kunden lesen und unterschreiben die AGBs. Und daran müssen sie sich halten.“ Sie bedauere, dass der Kunde immer wieder den Konflikt gesucht habe. Detlef Winkel indes sieht die Situation differenzierter: „Wenn Muskel-Shirts verboten sind, was ist dann mit den Damen, die Spaghetti-Tops anhaben?“ Eine Antwort darauf habe ihm der Studio-Betreiber selbst gegeben: „Er sagte, bei Frauen sähe das attraktiver aus.“

Winkel, der sich gemeinsam mit seinem Mann in dem neuen Studio angemeldet hatte, fragt: „Warum werde ich gemaßregelt und Frauen mit tief ausgeschnittenen Shirts nicht?“ Provokant verhalten habe er sich beim Training überhaupt nicht; und ein vernünftiges Gespräch habe weder mit Udo Pietruck noch mit dessen Lebensgefährtin stattgefunden.

„Will einfach nur Sport machen“

Nach der ersten „Abmahnung“ habe er vorletzte Woche mit einem „normalen Turnhemd“ zum Sport gehen wollen, sei aber sofort gefragt worden: „Willst Du mich provozieren?“ Udo Pietruck habe ihm den Zutritt zum Studio verwehrt, woraufhin Winkel und sein Partner kündigten.

Am Ausgang habe Pietruck ihn mit den Worten: „Geh, sonst helfe ich Dir“ bedroht. „Ich bin knapp 60 und will einfach nur Sport machen“, versteht Winkel das Verhalten des Studio-Chefs nicht. „Ich glaube, er wollte uns einfach nur loswerden.“ Unterm Strich ist das Verhalten des Studio-Betreibers in seinen Augen „sexistisch und diskriminierend“.