Luxus-Auktion in der Villa Pegau - Glanz und Glamour zu verkaufen

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Luxus-Auktion in der leerstehenden Villa Pegau in Wetter: Im herrschaftlichen Anwesen werden Gegenstände aus Villenauflösungen verkauft. Die Aktion zieht das Publikum zum Auftakt magisch an. Anwesen blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Wetter.. Man nehme eine leer stehende herrschaftliche Villa, bestücke sie mit hochwertigen Möbeln, erleuchte sie mit Kristalllüstern, verteile edles Silber auf den Tischen und schmücke die Wände mit teuren Lithographien berühmter Maler. Schalte weiter eine Anzeige in der Zeitung und lade zum Verkauf aus Villenauflösungen ein. Das funktioniert prächtig. Auktionator Peter Lindenfeld weiß das. „Heute ist erst der Anfang“, sagt der 55-Jährige, „warten Sie ab, was hier morgen los ist.“

Am frühen Freitagnachmittag strömt das Publikum in die Villa Pegau an der Kaiserstraße. Wenige sind aus Wetter. Dortmund, Essen, Düsseldorf verraten die Kennzeichen. Ehepaare und Freundinnen ab 50 Jahre aufwärts sind in der Mehrzahl. Vornehm gewandet inspizieren sie das Inventar. Von 50 Euro für die Porzellanfigur bis zu 20 000 Euro für die feine Ledergarnitur dürfen ausgegeben werden.

Wer will, kann nebenbei auch die Villa kaufen

Wer will, kann, so ganz nebenbei, auch das Haus kaufen. 1,6 Millionen Euro soll die Unternehmervilla im Stil norddeutscher Renaissance kosten: Wohnfläche 1200 Quadratmeter, 19 Zimmer, 3000 Quadratmeter Garten. „Die ersten Interessenten haben sich gemeldet“, sagt Lindenfeld. Wer sein Auftraggeber ist, verrät er nicht - aus Gründen der Seriosität.

Lindenfeld lächelt. Er ist ein Verkäufer mit Charme und im Gewusel auf den Gängen und in den Räumen ein gefragter Mann. Nicht das große Ganze ist von Interesse, nein, die edlen Kleinigkeiten interessieren. Was kostet der Sekretär? 7900 Euro. Die Bronzestatue auf der Terrasse? 9800 Euro. In der Regel ist der erste Preis nur ein Richtwert. „Feilschen ist des Publikum liebstes Kind“, weiß der Auktionator. Kein Problem für ihn. „Wer macht das nicht gerne?“

Das betuchte Klientel schätzt die Anonymität

Nur schauen wollen Simone Nehring und Hans-Joachim Schmutzler. Sie wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft. „Endlich haben wir die Chance, uns das Haus einmal von innen anzusehen. Wir sind überrascht, wie gut alles erhalten ist.“ Etwas erstehen? „Mal sehen.“

Das denken sich Carmen Dresel und Andrea Kreitzler auch. Die Schwestern gehören zu den wenigen, die ihren Namen in der Zeitung lesen wollen. Das feine und augenscheinlich betuchte Klientel schätzt die Anonymität. Das Duo macht die Runde, schaut sich Bilder und Lüster an, denkt über die Preise nach. Überzogen. Zu teuer. Vielleicht später einen zweiten Versuch starten. Keine schlechte Idee. Lindenfeld: „Am Ende muss die Gesamtsumme stimmen.“

Villa hat eine wechselhafte Geschichte

Die wechselhafte Geschichte der Villa ist nicht sein Thema. Bis 1989 war sie Offizierskasino der Briten, später logierte hier die Großfamilie einer mobilen ethnischen Minderheit und auch eine Partnervermittlung versuchte ihr Glück.

Wie die Redaktion am Abend erfährt, ist ein Frankfurter Goldschmied, der nicht genannt werden will, seit zwei Jahren Besitzer der Villa. Sein Wunsch ist es, „das Haus mit einem tragfähigen Konzept, das dem Anwesen entspricht, zu vermieten“. Man nehme eine leer stehende Villa . . .

 
 

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