Leser staunen über Stahlverarbeitung bei von Schaewen

In der Halle entlang der Ruhrstraße befindet sich die mechanische Zerspanung beziehungsweise die Dreherei. Auch fertige Produkte liegen hier abholbereit für Kunden.
In der Halle entlang der Ruhrstraße befindet sich die mechanische Zerspanung beziehungsweise die Dreherei. Auch fertige Produkte liegen hier abholbereit für Kunden.
Foto: Steffen Gerber
Ruhrpott 2.0: Das mittelständische Unternehmen van Schaewen verarbeitet in Wetter Stahl. Zwei Leser-Gruppen erhielten nun auf der 5. Station der diesjährigen Sommertouren einen Einblick in die Produktion. Vor allem die gewaltige Schmiedepresse beeindruckte.

Wetter..  Das Ruhrgebiet und Stahl gehören zusammen. Sagt man. Und wer an einer Werksführung bei der von Schaewen AG in Wetter teilnimmt, registriert die Aktualität dieses Klischees. Auf dem großen Gelände an der Ruhrstraße kümmern sich etwa 75 Mitarbeiter in alten Demag-Hallen um die Stahlproduktion. Nicht mehr so wie früher, sondern mit modernen Maschinen. Davon konnten sich am Mittwoch auf der fünften Station der diesjährigen Sommertouren zwei Leser-Gruppen überzeugen. Sie erlebten, wie tonnenschweres Material fast babyleicht verarbeitet wird.

Der Höhepunkt des 90-minütigen Rundgangs führt die 40 Besucher in Halle 3 über eine Treppe zu einer Plattform mit guter Aussicht auf die Produktion. Die beeindruckende und einige Millionen Euro teure Schmiedepresse liegt den Lesern quasi zu Füßen. Stapler und Kransysteme fahren glutheiße Bauteile mit einem Gewicht von bis zu 33 Tonnen heran. „Und hier wirken dann 3000 Tonnen Presskraft auf den Stahl, den wir auf einer Länge von bis zu 13 Metern bearbeiten können“, erläutert Patrick Schwarz. „Im Werk in Wetter liegt der Fokus auf der Produktion von Schmiedeteilen.“

Alles aus einer Hand

Der Marketingleiter bei von Schaewen führt mit Marcus Huber (verantwortlich für das Gebäude-Management) die Gäste herum und warnt gleich zu Beginn: „Bitte nichts anfassen, hier wird Material auf mehrere hundert Grad erhitzt, das könnte schwerste Verbrennungen nach sich ziehen.“ Schwarz will Einblicke ermöglichen, wie bei von Schaewen die Wertschöpfungskette aus einer Hand abläuft, wie verschiedene Sorten Stahl nach der Anlieferung für die Kunden umgeformt und zum Abtransport vorbereitet werden. „Sie können feststellen, dass wir es hier mit schweren, massiven und großen Teilen zu tun haben.“

Mehrere Beweise liegen draußen vor dem Verwaltungsgebäude. Das Gewicht eines eckig geformten Rohblocks: zwölf Tonnen. „Vorteil dieser polygonalen Schnittform: Durch die größere Oberfläche kann der Stahl schneller Wärme aufnehmen, das spart Kosten“, erklärt Schwarz, dass die Blöcke weltweit eingekauft und zum Teil als „Warmtransport“ mit mehreren Grad etwa aus Holland („Österreich wäre zu weit, in der Zeit erkaltet das Material“) zur Weiterverarbeitung gebracht werden. „Am meisten Energie wird verbraucht, wenn man von null hochheizen muss.“

Zum Schmieden geht es auf mehr als 1200 Grad hoch, ehe der Stahl wärmebehandelt wird. Dieser soll generell kundenorientiert aufbereitet werden. „Es geht auch mal darum, die Struktur zu verändern, sprich zu verbessern.“ Zur Wärmebehandlung gehört auch die Vergütung. Hierbei kommt es darauf an, dass das Bauteil erhitzt, schlagartig in einem Becken mit 135 000 Litern Polymerlösung abgeschreckt und anschließend wieder moderat erhitzt wird. „Hört man nach dem Abschrecken auf, wird das Material hart aber spröde. Härten möchte man nicht, vergüten schon“, so Schwarz. Insgesamt zehn Öfen stehen in einer der zwölf durchnummerierten Hallen. Jene entlang der Ruhrstraße, der Ort für die mechanische Zerspanung bzw. Dreherei, beherbergt auch fertige Produkte.

Kein Schmied für Wetter gefunden

Bei dem Rundgang, der auch ins Prüflabor führt und die Messung mechanischer Stahlwerte (Reißfestigkeit, Dehnbarkeit, etc.) veranschaulicht, werden auch Probleme deutlich. Vor dem Besuch der Lehrwerkstatt berichtet Schwarz, dass sich der Fachkräftemangel bemerkbar mache. „Für das nun beginnende Ausbildungsjahr konnten wir in Wetter keinen Schmied anstellen.“ Daher habe von Schaewen vor Jahren hier Millionen investiert, damit die jungen Leute zwecks späterer Übernahme Einblicke etwa in manuelle und computergesteuerte Maschinenführung bekommen.

Insgesamt spüre auch der Familienbetrieb die schwierige Marktlage in der Stahlbranche. Schwarz relativiert aber abschließend mit Blick auf ordentlich laufende Geschäfte in Deutschland und Europa: „Wir haben genug Aufträge und gut zu tun, können uns also in dem umkämpften Markt behaupten.“

 
 

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