Lehrstunden im Bad ersetzen Badeverbot für die Ruhr

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Nach dem tragischen Tod eines Grundschülers in der Ruhr: Aufklärung hat stärkeres Gewicht bekommen, sagt die Stadt Wetter.

Wetter..  Es war ein tragisches Ereignis im Sommer 2013 in Wetter. Ein Achtjähriger ertrank in der Ruhr. Ein knappes Jahr später stritt der Rat über den richtigen Weg zu mehr Sicherheit am Fluss. Für ein zusätzlich von der Stadt verhängtes Badeverbot fehlte die Mehrheit. Gewünscht wurde stattdessen mehr „aufklären, warnen, informieren“. Die Frage liegt nahe: Hat es diese Kampagne eigentlich gegeben?

Aktuelle Abfrage beruhigt

Ja, sagt Sabine Sabel vom Fachbereich Schule und Sport. Die Schulen erteilen Schwimmunterricht, ein Teil des Unterrichts sind die Baderegeln: Wo darf ins Wasser gestiegen werden, wo ist es gefährlich und zu unterlassen? „Auch Selbstrettungsregeln werden abgefragt, sogar schon beim Seepferdchen für die Jüngsten“, sagt Sabine Sabel. In den Pflegschaftsversammlungen seien auch die Eltern angesprochen worden, „das Wasser als eine mögliche Gefahr anzusehen.“

Obwohl das große Bad in Oberwengern noch einige Zeit geschlossen bleibt, findet Schwimmunterricht statt. Jetzt macht das Lehrschwimmbecken an der Köhlerwaldstraße seinem Namen alle Ehre: Die Vormittage sind komplett ausgebucht, seit auch noch Jungen und Mädchen der Grundschule an der Bergstraße und der katholischen Grundschule den Weg nach Volmarstein zum Schwimmunterricht antreten.

Einen richtigen Beschluss für eine Informations-Offensive hat der Rat im Mai letzten Jahres nicht gefasst. Und die Fachverwaltung sieht den Ball zunächst einmal bei den Schulen liegen. Jedes Kind ist schulpflichtig. Wer hier ansetzt, erreicht alle Jungen und Mädchen. Und die Schulen geben ja Schwimmunterricht. Sie geben ihn sogar anders als vor dem schlimmen Unglück im Juli 2013. Davon hat sich Sabine Sabel bei einer aktuellen Abfrage überzeugt.

Klar hat es auch vorher schon Schwimmstunden gegeben, weiß Margot Wiese, Fachbereichsleiterin für die Jugend und das Soziale. Aber nach dem Todesfall „gibt es eine höhere Sensibilität“, ist sie überzeugt, „die Gefahren werden mit mehr Deutlichkeit beschrieben, die Eltern stärker einbezogen.“ Die Aufklärung beim Schwimmunterricht habe einfach ein anderes Gewicht bekommen.

Eltern sind mit in der Pflicht

Die Schulen haben ihren Auftrag und erfüllen ihn, heißt es bei der Stadt. „Aber auch die Eltern tragen Verantwortung und müssen diese ernst nehmen“, so Margot Wiese. Eltern müssen die Warnungen der Schule verstärken, und sie dürfen nicht mit schlechtem Beispiel voran gehen. Manche tun es dennoch, wie schon kurz nach dem Tod des Grundschülers zu sehen war: Ungerührt wurde der Fluss weiter als Badeanstalt gebraucht, trotz der vielen Berichte und des generellen Badeverbots für die Ruhr.

Natürlich macht Schwimmen auch Spaß, weiß Sabine Sabel. „Aber man muss sich der Gefahr bewusst sein.“ Das kann die allgemeine Gefahr beim Baden sein, das kann aber auch die besondere von Strömungen unter der Oberfläche scheinbar ruhig dahin plätschernder Flüsse sein.

Der Weg über die Schulen und die Kinder sei da schon der richtige, ist Margot Wiese überzeugt. „Bei den Kleinen müssen wir anfangen“, so die Strategie. Bei einem Müllprojekt vor ein paar Jahren sei das wunderbar zu sehen gewesen: Was die Kinder da alles den Erwachsenen, die keine Einsicht zeigen wollten, gesagt haben...

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