Kreisarchivarin sichtet, sortiert und gewichtet

Die neue Kreisarchivarin Dr. Dagmar Hemmie.
Die neue Kreisarchivarin Dr. Dagmar Hemmie.
Foto: WP
Die Bibliothekarin und Historikerin Dr. Dagmar Hemmie leitet das erste Kreisarchiv des Ennepe-Ruhr-Kreises. Eine komplexe Aufgabe.

Wetter.  Das Mittelalter ist ihr berufliches Steckenpferd: Dr. Dagmar Hemmie promovierte zum Thema „Spätmittelalterliche Prostituierte im Hanse-Raum“ und arbeitete bis September letzten Jahres im Archiv der Stadt Lübeck, das zu den bedeutendsten seiner Art mit Schwerpunkt Mittelalter gehört. Die Bibliothekarin und Historikerin leitet nun das erste Kreisarchiv des Ennepe-Ruhr-Kreises, das Anfang des Jahres im Gebäude der ehemaligen Turnhalle Theodor-Heuss-Straße eröffnet wurde.

Für Dr. Dietrich Thier, Leiter des Kreisarchivs und des Archivs der Stadt Wetter, war die Bibliothekarin und Historikerin aus Norddeutschland erste Wahl. Weil sie alle Grundvoraussetzungen erfülle, „und weil mich das Thema der Doktorarbeit interessierte“. Thier erläutert: „Das ist ein Frauen- und Mittelalterthema, bei dem die Quellenlage sehr diffus ist. Sich damit seriös auseinanderzusetzen, ist anspruchsvoll. Wer das kann, der ist auch geeignet, ein Archiv zu führen.“

Zur Zeit ist Dagmar Hemmie mit dem Aufbau des Kreisarchivs beschäftigt. Zum Hintergrund: Von den 1920er Jahren bis in die 1990er Jahre hinein hat die Kreisverwaltung des EN-Kreises ihre Akten ans Staatsarchiv Münster abgegeben. Der Aktenberg von insgesamt 1,6 Tonnen wurde letzte Woche nach Wetter geholt. Dazu gehören beispielsweise Unterlagen aus dem Kreisflüchtlingsamt und dem Kreisausgleichsamt vom Ende der 1940er Jahre. „So etwas ist auch für Familienforscher interessant“, weiß Dagmar Hemmie. Weitere Themenfelder bzw. Bestände sind Gewerbeaufsicht oder Heimaufsicht, amtsärztliche Gutachten und Bebauungspläne – die Akten darüber aus nahezu einem ganzen Jahrhundert wird sie nun ebenso wie alles, was jetzt und in Zukunft in der Kreisverwaltung an Schriftstücken anfällt, archivieren.

Große Verantwortung

Dabei sind ihre Aufgaben vielfältig: Sie sichtet, sortiert und entscheidet letztendlich gemeinsam mit Dietrich Thier, was überhaupt archivwürdig ist. „Wir bewerten und gewichten formal und inhaltlich. Und wir werfen auch weg“, sagt Dietrich Thier. „Das ist eine große Verantwortung, deswegen wird die Entscheidung auch von zwei Personen getroffen. Dagmar Hemmie ergänzt: „Das ist ganz wichtig; denn man darf nichts von rechtlicher Relevanz vernichten.“

Weitere wichtigere Teile der Arbeit sind das Digitalisieren etwa von Plänen (u.a. Bebauungsplänen) und das Säubern von Akten oder Büchern an der mikrobiologischen Werkbank. „Dort wird beim Bürsten oder Abreiben der Akten die Luft eingesaugt, und alle Sporen und Schadstoffe werden herausgefiltert“, erklärt Thier. 15 000 Akten warten nun noch darauf, in Kartons verpackt und in Regale gelegt zu werden. 2,2 Kilometer Rollregale sind in der ehemaligen Turnhalle dem Kreisarchiv vorbehalten, das Archiv der Stadt Wetter füllt 2,6 Kilometer Rollregale.

 
 

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