Koffertheater demaskiert Eltern in „Der Gott des Gemetzels“

Gruppenfoto des Ensembles vom Stück „Der Gott des Gemetzels“: Regisseurin Denise Förster (2.v.r.) bedankt sich bei ihrem Team um (von links) Merlin Schöke (Technik), Niklas Peternek (Alain), Janina Weber (Annette), Marc Gruss (Regieassistent), Sabine Gruß (Véronique) und Heiko Gleichmann (Michel).
Gruppenfoto des Ensembles vom Stück „Der Gott des Gemetzels“: Regisseurin Denise Förster (2.v.r.) bedankt sich bei ihrem Team um (von links) Merlin Schöke (Technik), Niklas Peternek (Alain), Janina Weber (Annette), Marc Gruss (Regieassistent), Sabine Gruß (Véronique) und Heiko Gleichmann (Michel).
Foto: Jana Peuckert
Die Premiere des Stücks „Der Gott des Gemetzels“ in der Lichtburg kam gut an: Das Koffertheater überzeugte die Zuschauer mit Witz und Mimik.

Wetter..  Lang anhaltender Applaus, anerkennende Pfiffe, Bravo-Rufe – mit ihrer Premiere des Stücks „Der Gott des Gemetzels“ konnte das Koffertheater in der Lichtburg auf ganzer Linie überzeugen. Das Publikum zeigte sich begeistert.

In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre, zwischen antiken Masken, jeder Menge Kunstliteratur und einer sehr weiblichen Afrikaskulptur treffen sich Véronique und Michel Houillé mit ihren Besuchern Annette und Alain Reille zum verbalen Schlagabtausch. Grund ist ein Streit zwischen den Söhnen der Elternpaare. Ferdinand Reille hat Bruno Houillé mit einem Stock attackiert und ihm zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Die Eltern wollen nun in Ruhe über den Vorfall sprechen und beraten, was zu tun ist.

Zunächst läuft das Treffen kultiviert ab, der Umgangston ist höflich. Doch schnell nimmt die Diskussion Tempo auf. Der Streit der Jungen scheint kaum noch eine Rolle zu spielen. Vielmehr rücken Themen wie Menschenrechte, Ehe und Bandenmitgliedschaften in den Fokus.

Die Darsteller überzeugen dabei nicht nur mit viel Wortwitz. Durch Mimik und Gestik verstehen sie es, ihren Figuren einen individuellen Charakter zu verleihen.

So hängt Niklas Peternek als Rechtsanwalt Alain Reille ständig am Handy, schlingt den von den Gastgebern kredenzten Clafoutis-Kuchen geradezu herunter und versucht, der Diskussion mit starren Blicken zu entgehen. Sehr realistisch spielt Janina Weber die Rolle, der sich zwischendurch übergebenden und hysterisch werdenden Annette Reille.

Ihnen gegenüber gibt Sabine Gruß die von sich überzeugte Menschenrechtlerin, Autorin und Kunst liebende Véronique Houillé. Ehemann Michel wird von Heiko Gleichmann gespielt, der sich erst sehr höflich gibt und sich nicht traut, seiner Frau zu widersprechen. Auch seiner Mutter gegenüber, die immer wieder anruft, präsentiert er sich als besorgter Sohn.

Doch die Stimmung ändert sich mehr und mehr, die Fassaden bröckeln. Halten die Paare zu Beginn des Stücks noch zusammen, tun sich im Laufe der Handlung immer mehr persönliche Abgründe auf. Schließlich sind sich die Männer einig, dass Mann besser dran ist ohne Kind und Ehe. Auch die Frauen schließen sich zusammen, machen sich über ihre Gatten lustig. Was den Streit der Jungen betrifft, scheinen die Paare in einer Sackgasse gelandet zu sein. Jeder Elternteil verteidigt den eigenen Sprössling.

Den Darstellern gelingt es schon nach kurzer Zeit, das Publikum in den Bann zu ziehen und für jede Menge Lacher zu sorgen. Unter anderem, als Michel plötzlich als Mörder hingestellt wird. Schließlich hat er Knusperinchen, den Hamster seiner neunjährigen Tochter, einfach samt Schachtel in den Rinnstein gesetzt. „Er war so nachtaktiv. Ich dachte, er fühlt sich dort wohl“, verteidigt sich Michel. Doch der Hamster sei erstarrt. Er scheint wohl weder Haus- noch Wildtier zu sein. Retten habe er den Hamster jedoch nicht können: „Ich kann diese ganze Gattung nicht anfassen.“ Auch als Michel zum Fön greift, um den wertvollen, von Annette beschmutzten Katalog von van Gogh und später Alains Handy zu trocknen, bricht im Publikum Gelächter aus. Immer wieder wird der Zuschauer von unvorhergesehenen, sehr impulsiven Aktionen überrascht, was dem Stück eine gewisse Spannung verleiht.

Zudem erfährt das Publikum ganz nebenbei noch den Unterschied zwischen einer Druck- und einer Zugtoilettenspülung und wird in die großen Backgeheimnisse von Véronique eingeweiht. Am Ende des Stücks klingelt – mal wieder – das Telefon der Houillés. Dieses Mal ist es jedoch nicht Michels Mutter...

Zufrieden nach Nervosität

War Regisseurin Denise Förster vor der Premiere noch sehr nervös, zeigte sie sich nach der Aufführung erleichtert: „Ich bin total zufrieden. Alle haben noch eine ordentliche Schippe draufgelegt. So kann es weiter gehen.“

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