Knetehaufen bleibt länger in Hagen

Hagen..  Der viel diskutierte gelb-blaue Knete-Haufen des Berliner Künstlers Reiner Maria Matysik wird Ende September noch einmal in Hagen gezeigt. Allerdings wird die Skulptur „Les fleurs sont males“ (Die Blumen sind krank) nicht wie in der Hagenring-Galerie nur durchs Fenster zu betrachten sein, sondern in einem eigens dafür hergerichteten Raum im Haus der Ruhrkohle an der Gerichtsstraße gezeigt.

Die Installation wird Teil der Pre-Open-Space-Ausstellung der „Kooperative K“. Diese Schau bildet den Auftakt einer Reihe, an der ab 2016 jeweils acht internationale Künstler und Schaffende aus der Region beteiligt sind.

Die Diskussionen rund um das Matysik-Werk, von dem sich Hagenring-Ausstellungsleiter Uwe Will „verarscht“ fühlt, hat man in der Künstlergemeinschaft verfolgt. „Wir wollen keine Gegenveranstaltung“, so Dietmar Schneider von der „Kooperative K“, selbst freischaffender Künstler, der sich noch gar keine Gedanken gemacht hat, „ob mir das Werk gefällt oder nicht. Wir haben uns aber überlegt, dass es keinen Sinn macht, so eine Installation hinter verschlossenen Türen zu zeigen“. Unter der Voraussetzung, dass der Künstler selbst zu einem Gespräch bereits sei, habe man beschlossen, die Skulptur in die Ausstellung aufzunehmen. Matysik kommt dafür am 1. Oktober nach Hagen.

Der in Duisburg geborene Künstler, der als Gastprofessor an der Fachhochschule Kunst in Arnstadt lehrte, sieht sein Kunstwerk in der Hagenring-Galerie als „Intervention in den Raum“. Er beschreibt die Skulptur selbst als „großen, schweren, müden Sack“, der sich nach oben öffnet. „Diese Öffnung verweist auf etwas Organisches“, sagt Reiner Maria Matysik, „das Werk ist die Neuerfindung eines sackartigen Organismus.“

Mit Knete habe er länger nicht mehr gearbeitet. „Das war Wunsch der Hagenring-Galerie“, sagt Matysik, der in Berlin und Braunschweig lebt, „bei einer Finissage in Brühl, wo ich filigrane Glasarbeiten gezeigt habe, ist dieses Anliegen an mich herangetragen worden.“

Kinderknete ist einfaches Material

Kinderknete sei das einfachste technische Material. „Ich bin durchaus imstande, die ganze Palette bildhauerischer Materialien zu verarbeiten“, sagt Matysik, „Kinderknete aber ist sehr direkt und ungekünstelt. Das reizt mich. Im Martin-Gropius-Bau in Berlin habe ich zur Ausstellung ,50 Jahre BRD’ mal eine Skulptur aus Plastinin erschaffen, die so groß wie ein Traktor war.“

So habe er angefangene Arbeiten mit nach Hagen gebracht. „Ich habe zunächst den Raum geklärt“, sagt Matysik, „der war unaufgeräumt und durcheinander.“ Sodann habe er Material und Raum auf sich wirken lassen und schließlich das Kunstwerk „Die Blumen sind krank“ geschaffen.

Dieses Werk will er keinesfalls auf die Skulptur reduziert wissen. „Die Arbeit besteht aus drei Teilen“, erklärt Reiner Maria Matysik, „zum einen aus der Skulptur am Boden. Dann aus den drei Stühlen im Kreis, die einen Dialog hervorrufen. Und zuletzt aus dem Katalog, der auf einem kleinen Tischchen ausgelegt ist.“

Nur durchs Fenster

Im Hagenring ist die Ausstellung noch bis zum 6. September zu sehen. Allerdings nur durchs Fenster. Denn der Raum kann nicht betreten werden. Ausstellungsleiter Uwe Will hatte erklärt, dass niemand der Ehrenamtlichen bereit sei, in der Galerie Dienst zu schieben und den Besuchern solch ein Kunstwerk zu erklären.

 
 

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