Klimagipfel im Kleinen für das globale Desaster

Im Freibad wird ein Bergahorn für die Klimapartnerschaft gepflanzt: Fabian Haas, Dumangas Bürgermeister Ronaldo Golez, Herdecke Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster, Eugenio Decastillo Jr., Michael Rösner und Flosel Piad-Almirante. Foto: Stadt Herdecke.
Im Freibad wird ein Bergahorn für die Klimapartnerschaft gepflanzt: Fabian Haas, Dumangas Bürgermeister Ronaldo Golez, Herdecke Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster, Eugenio Decastillo Jr., Michael Rösner und Flosel Piad-Almirante. Foto: Stadt Herdecke.
Foto: Stadt Herdecke
  • Herdecke und Dumangas auf den Philippinen sind Klimapartner
  • Taifune, Überflutungen und Dürren zeigen den Klimawandel in Dumangas
  • Die Herdecker wollen helfen, aber auch vom Partner lernen

Herdecke.  Die Philippinen bestehen aus über 7000 Inseln. Seit der letzten Zählung sind es ein paar Hundert mehr geworden. Der höhere Meeresspiegel hat die Inseln überspült und geteilt. Folge der Erderwärmung. Dumangas, Herdeckes Klimapartnerstadt auf den Philippinen, hat auf den Klimawandel reagiert und beispielsweise die ausgesäten Reissorten den geänderten Bedingungen angepasst. Die Herdecker kennen das: Seit Kyrill haben Baumsorten Konjunktur, die sich auch bei harten Stürmen widerstandsfähig zeigen. Die Philippinen mögen weit weg sein. Ihre Probleme sind es nicht so ganz.

Eine knappe Woche dauerte jetzt der erste Besuch einer Delegation aus Dumangas. Es war ein Gegenbesuch. Bürgermeister Ronaldo Golez war gekommen – an seiner Seite zwei Mitarbeiter, die dabei helfen, „das Beste aus dem Klimawandel zu machen und in der Landwirtschaft und beim Fischfang den Lebensraum der Menschen zu sichern.“ So hat es Ronaldo Golez im Umweltausschuss gesagt. Drei Feinde haben die Menschen auf den Inseln, alle nicht neu, in diesen Extremen aber unbekannt. Flosel Piad-Almirate, Mitarbeiterin für Umweltfragen in Dumangas, zählte sie in bestem Englisch auf: Taifune, Überschwemmungen, Dürren.

Gemeinsames Handlungsprogramm

Im Englischen waren auch die Mitarbeiter der Herdecker Stadtverwaltung bei einem Workshop mit den Gästen aus Dumangas gefordert, dem zentralen Programmpunkt bei dem knapp einwöchigen Klima-Gipfel der kommunalen Art. Bis Ende nächsten Jahres soll es nämlich eine gemeinsames Handlungsprogramm geben. Nach dem Besuch der Herdecker und dem Gegenbesuch jetzt nimmt es langsam konkrete Formen an. Beide Städte wollen stark in Bildung investieren. In Dumangas heißt das zunächst, Aufklärung der Fischer und der Bauern. Was bedeuten die Vorhersagen, die die neue Meteorologische Station auf der Insel liefert? Welche Sorten Reis sollte man pflanzen, dass sie in den Zeiten zwischen den Stürmen schneller gedeihen? Wieso sollen Menschen von den Küsten weiter ins Landesinnere ziehen?

Mit Wissenstransfer bei den Lehrern soll es los gehen. Deshalb waren die Besucher aus Dumangas auch an der Werner-Richard-Grundschule. Zunächst werden wohl ein paar Mails hin und her gehen. Aber auch an den gegenseitigen Besuch von Lehrkräften ist gedacht. Und vielleicht schauen sich auch einmal Schüler aus Herdecke an, wie Kinder in Dumangas lernen, mit dem Klimawandel zu leben. Und Schüler aus Dumangas gehen zu den Nachpflanzungen auf den von Kyrill gefällten Flächen oder lassen sich zeigen, was denn Wissenswertes in den Energiekisten steckt, die gerade für die Herdecker Schüler angeschafft werden. Dabei könnte sich herausstellen, dass die Aufgabenstellungen ziemlich verschieden sind: „Wir hier müssen unsere Schüler erziehen, zurückzufahren mit dem Konsum“, sagt Jörg Piontek-Möller, Herdeckes erster Klimaschutzbeauftragter, und fährt fort: „und die dort arbeiten daran, dass gar nicht erst so viele Luxus gewünscht wird.“

Besuche in Unternehmen

In Dortmund bei Wilo haben sich Gastgeber und Gäste über Pumpen informiert. Denn ein Bewässerungsprojekt soll in Dumangas breiten Raum bekommen. Wilo ist Weltmarktführer, hat aber nicht nur ein Interesse am direkten Verkauf. Für deutsche Technologen kann es von Interesse sein, das Andere der fernen Absatzmärkte zu erfahren. Das wurde auch beim Besuch von Kostal in Hagen deutlich. Kostal liefert Solaranlagen, und mit solchen lassen sich auch Wasserpumpen betreiben. „Aber auf den Philippinen ist längst nicht alles so eng geregelt wie bei uns“, hat Fabian Haas aus dem Bürgermeisterbüro gelernt, der selbst mit in Dumangas war. In Deutschland muss Solarstrom eingespeist werden, auf den Philippinen könnten die Pumpen jede für sich von der Sonne geladen werden. Und wenn es draußen dunkel ist, macht das auch nichts, weil dann die Pumpleistung nicht gebraucht wird.

Besonders beeindruckt hat die Gäste der jüngste Test der Sirenen im Kreis. „Sie wissen mittlerweile, wann die Überflutungen kommen“, sagt Fabian Haas, „aber ein Warnsystem fehlt“. Und statt einem Dutzend Feuerwehrfahrzeugen wie in Herdecke stehen für die Stadt, die drei Mal so viele Einwohner hat, nur drei Fahrzeuge zur Verfügung, „und das bei ganz anderen Desastern vor Ort“, so Piontek Möller.

Klimawandel als Herausforderung

Mit Stolz und Zuversicht haben der Bürgermeister und seine Mitarbeiter im Umweltausschuss deutlich gemacht, dass sie den Klimawandel als Herausforderung begriffen haben. Darüber lässt sich auf jeden Fall schon mal auf Augenhöhe reden. Und so sieht Umweltausschussvorsitzende Karin Striepen den Besuch der Klimapartner aus Südostasien als eine deutliche Bereicherung: „Sie geben uns Einblick in unsere Verantwortung.“

 
 

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