Kirchenschätze aus Wetter stapeln sich in 150 Kisten

Die ersten Archivkisten sind eingeräumt: Kirchmeister Klaus Unbereit, Archivarin Anna Warkentin (hinten) und Gemeindesekretärin Petra Hermann.
Die ersten Archivkisten sind eingeräumt: Kirchmeister Klaus Unbereit, Archivarin Anna Warkentin (hinten) und Gemeindesekretärin Petra Hermann.
Foto: WP
Die evangelisch-lutherische Gemeinde hat ihr Archiv überarbeiten lassen. Findbuch ist jetzt digital

Wetter..  Für seine Predigten hat Pfarrer Karsten Malz auch das alte Gemeindearchiv nie gebraucht. Bei Presbyteriumssitzungen waren die Unterlagen dagegen schon häufiger hilfreich. Jetzt sind Kirchenbücher und Protokolle aufs Feinste geordnet. Und sogar ein Findbuch in digitaler Form hat Diplom-Archivarin Anna Warkentin mit zurück ins Gemeindehaus an der Bismarckstraße gebracht.

Mit Stapeln alter Bücher, Urkunden und Bauzeichnungen war die Archivarin in Diensten der Evangelischen Landeskirche vor Monaten abgezogen. Jetzt kehrte sie mit exakt 150 Archivkartons zurück, alle in Einheitsgröße und an der Stirnseite durchnummeriert. So haben sie jetzt fleißige Hände aus der Gemeinde in einen Archivraum im Gemeindehaus gebracht, während der Pfarrer noch die letzten Schrauben für eines der Regale festgedreht hat.

Allerley gedenkwürdige Sachen

In Bielefeld ist das alte Gemeindearchiv völlig neu sortiert und in die übergroßen Schuhkartons gebettet worden. Wer künftig einen Bauplan oder Presbyteriumsbeschluss sucht, kann weiter in einem ausgedruckten Findbuch nachschlagen. Er kann aber auch in die Suchmaske seines Computer einen Begriff eingeben, und schon blinkt auf, welches Kästchen die gewünschte Archivalie enthält.

Bei fast 1000 Archivstücken ist die elektronische Suche schon eine erhebliche Erleichterung. Die ältesten Fundstücke stammen aus dem Jahr 1350, die jüngsten Unterlagen aus dem laufenden Jahr. Der letzte Weltkrieg hat keine Lücken in die Dokumentation des offiziellen Gemeindelebens geschlagen, was durchaus nicht selbstverständlich ist. So aber ist das umfangreiche Archiv „eine bemerkenswerte, höchst bedeutsame Quelle für die Geschichte der Kirchengemeinde“, sagt Anna Warkentin nach der Sichtung. Es biete einen guten Einblick in alle Bereiche der Verwaltung und des kirchlichen Lebens.

Ein Buch hat es ihr besonders angetan. Vorsichtig schlägt sie die erste Seite des „Protokollum Ecclesiae Wetterensis“ auf. Anno Christi 1638 ist das „Verzeichnis allerley gedenkwürdiger Sache, so sich in der Gemeinde zu Wetter zugetragen haben“, angelegt worden. Es verzeichnet die Namen all derer, „die sich in den h. Ehestand begeben, und daselbst copuliert, getauft, und gestorben seyn.“ Das Chronik- und Protokollbuch ist zudem das älteste Buch, das die Vermögensverhältnisse der Kirchengemeinde festhält. Und es berichtet über das wichtigste Ereignis in der Geschichte der Gemeinde: die Einführung der Reformation in Wetter um das Jahr 1550 durch den Kaplan Everhardt Blanckenagel.

Wasser fußhoch in der Kirche

Einen Schwerpunkt der Überlieferung bilden die Bauakten, aber auch die erzählen, verständig gelesen, ihre Geschichten. Dokumentiert wird beispielsweise die Reparatur der alten Kirche Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts. Sie musste schließlich aufgegeben werden, zu erbarmungswürdig war ihr Zustand: „Wenn regnet, steht das Wasser Fus hoch in der Kirche. Wir müssen den sonst angenemen Gottes-Dienst mit Angst halten, aus Furcht, man mögte alle Augenblick unter Schutt und Steinen vergraben werden.“ Die Gemeinde hat ihre Schätze nun zurück, und sogar in dem kleinen Kämmerchen waren sie vorher schon gelagert. Aber nun ist der Zugriff auf sie so leicht wie nie, sei es nun ein Presbyter, der in einem alten Sitzungsprotokoll nachschlagen mag, ein Wissenschaftler, der zur Kirchengeschichte forscht oder auch ein Gemeindemitglied, das wissen will, wie aufgeräumt die Gemeinde jetzt ihre eigene Geschichte präsentiert.

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