Kindergarten trifft Altenheim

Im GVS Altenzentrum Kirchende gibt es einmal im Monat Besuch vom Kindergarten Westende.Foto: Theo Schmettkamp
Im GVS Altenzentrum Kirchende gibt es einmal im Monat Besuch vom Kindergarten Westende.Foto: Theo Schmettkamp
Foto: WR Theo Schmettkamp

Ende. Sie reicht mit ihren Händchen kaum an die Griffe des Rollstuhls. Und ganz allein schafft die zweijährige Luise es auch nicht, den Rollstuhl zu schieben, in dem die 98-jährige Luise Hennig sitzt. 95 Lebensjahre trennen Kindergartenkind und Altenheimbewohnerin. Eine Begegnung, die heutzutage selten geschieht.

Dass Omas oder Uromas manchmal schlecht hören und nicht mehr so gut zu Fuß sind, das wissen auch schon Kindergartenkinder. Aber mit alten Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder auch gar nichts mehr behalten können, haben nur die allerwenigsten von ihnen Kontakt. Das will die GVS-Kindertageseinrichtung Westende ändern. Deswegen besucht schon seit Februar regelmäßig einmal im Monat eine Gruppe von bis zu zehn Kindern das GVS-Altenzentrum in Kirchende.

„Anfangs waren die Kinder zurückhaltend, haben gestaunt und viel geguckt“, erinnert sich Kita-Leiterin Gudrun Rieboldt-Porsche. Am Montagnachmittag aber stehen die Kinder bereits recht offen und unbekümmert inmitten des Stuhlkreises aus alten und kranken Menschen. „Lasst uns jetzt erst einmal gemeinsam singen“, wendet Regina Schäkermann vom GVS-Altenzentrum sich an die kleinen Besucher und die Heimbewohner gleichermaßen. Und dann schallt es auch schon laut durch den Raum: „Der Kuckuck und der Esel, die hatten einen Streit . . .“

Füße wippen, Hände klatschen

Füße wippen, Hände klatschen und die Mundwinkel vieler Senioren verziehen sich zu einem Lächeln – egal ob sie nun mitsingen oder nicht. „Die Gedanken sind frei“, wirft kurz darauf ein älterer Herr in die Runde. Regina Schäkermann versteht sofort und erwidert: „Ja, das ist auch ein Lied, aber das können die Kinder hier noch nicht singen.“ Stattdessen löst sie ihr Versprechen vom letzten Treffen ein und führt die Kinder durch eine der oberen Etagen. Dort dürfen sie in die Zimmer einiger Senioren schauen und auch in die Abstell-, Putz- und Reinigungsräume. „Und jetzt alle mal die Nase zuhalten“, fordert Regina Schäkermann ihre kleinen Besucher auf, als sie ihnen einen Blick in den Raum gewährt, in dem Bettpfannen und andere Toilettenartikel gereinigt ­werden.

Danach geht es wieder zurück zum Stuhlkreis und den gemeinsamen Liedern. Ziel der Treffen ist es, Kindern und alten Menschen ein generationsübergreifendes Erlebnis zu ermöglichen und Schwellenängste abzubauen. „Schon jetzt können wir erkennen, dass die Besuche die Kinder und auch die alten Menschen sehr bereichern“, sind sich Gudrun Rieboldt-Porsche und Regina Schäkermann einig. „Die Senioren werden an ihre Kinder erinnert. Gemeinsames Singen, Geschichten und kleine Bastelarbeiten sorgen für Unterhaltung, trainieren das Gehirn und wecken die Heimbewohner regelrecht auf.“

Umgang mit Hochbetagten

Auf der anderen Seite bekommen die Kindergartenkinder im Altenheim ein Bild davon, wie sich Menschen im Laufe eines Lebens verändern und lernen den Umgang mit Hochbetagten. Gudrun Rieboldt-Porsche: „Sie sehen, dass ein älterer Mensch krank werden kann, nicht mehr so beweglich ist, die Konzentration nachlässt und – was uns ganz besonders wichtig ist – dass man alten Menschen mit Achtung begegnet.“

 
 

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