Kindergärten verzichten auf Bilder im Netz

Kinder der Kita Abenteuerland räumen auf. Bereits zum zweiten Mal beteiligt sich die Einrichtung des Trägervereins für soziale Einrichtungen (TSE) an der stadtweiten Aktion.
Kinder der Kita Abenteuerland räumen auf. Bereits zum zweiten Mal beteiligt sich die Einrichtung des Trägervereins für soziale Einrichtungen (TSE) an der stadtweiten Aktion.
Foto: Susanne Schlenga
  • Viele Evangelische Kindergärten im Kirchenkreis verzichten auf Bilder im Netz
  • Datenschutz-Information aus Kiel hat Nachdenken angestoßen
  • Andere Einrichtungen wollen ihre Arbeit weiter mit Fotos dokumentieren

Wetter/Herdecke.  Mit weißen Kitteln sitzen die Kleinen da und experimentieren. Die Bilder der Laborfüchse im GVS-Kindergarten am Nacken kann sehen wer will und einen Internet-Zugang hat. Auf den Seiten des Evangelischen Kindergartens in der Spinngasse stellt sich die Blumengruppe mit einem Bild von einer Blumenwiese vor, und vier Vogeleier in einem Nest stehen für die Nestgruppe. Kinderfotos: Fehlanzeige! Aufnahmen von Kindern in Kindergärten werden zunehmend als heikle Daten gesehen. Und verschwinden mitunter ganz.

Beim GVS in Herdecke gehören Fotos im Netz ganz selbstverständlich zur Darstellung der Arbeit in den Einrichtungen. Am Nacken sind es die Laborfüchse. In der Kindertagesstätte Vinkenberg präsentieren sich die Kinder beim Schlittenspaß, die Villa Kunterbunt des Trägervereins Soziale Einrichtungen (TSE) in Wetter hat ebenso eine Bilderstrecke. Die Kindergärten haben sich in der Regel schon bei der Anmeldung von den Eltern unterschreiben lassen, dass sie nichts gegen eine Veröffentlichung im Internet haben. Kinder, deren Eltern nicht zustimmen, sind auf den Fotos im Netz nicht zu sehen.

Allerdings: Ob die Eltern unterschrieben haben oder nicht, macht keinen Unterschied. Das lässt sich aus einer aktuellen Veröffentlichung über Kinder-Fotos auf Kindergarten-Webseiten herauslesen. Demnach „ist es fraglich, ob die KiTa oder der Träger überhaupt befugt sind, für diesen Zweck um eine solche Einwilligung zu bitten, um die Übermittlung dieser personenbezogenen Daten (Bilder) zu legitimieren.“ Im Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein ist das formuliert worden. Das Fazit ist eindeutig: Kinderfotos auf den Webseiten sind „nicht zur Erfüllung der Aufgaben einer KiTa erforderlich. Mit der Veröffentlichung verstößt die KiTa oder deren Träger gegen die gesetzlich definierten besonderen Obhutspflichten gegenüber den betreuten Kindern.“

Thema Datenschutz

Yvonne Wiesemann hat das dreiseitige Papier auf dem Schreibtisch. Wiesemann ist Leiterin des Evangelischen Kindergartens an der Herdecker Spinngasse. Und wohl allen Kindergärten im Evangelischen Kirchenkreis ist die Kinderfoto-Bewertung zugegangen. Sie sieht die Dinge strenger als bisherige Positionsbestimmungen von Landesbeauftragten für den Datenschutz. Wiesemann muss trotzdem nicht hektisch werden: Der Kindergarten an der Spinngasse hat lange schon Internetseiten, „aber wir sind von vorneherein sehr sensibel gewesen.“ Daher die Bilder von der Blumenwiese und den Vogeleiern. „Klar, die schönen Kinderbilder fehlen“, bedauert Wiesemann. Aber das hat ja auch unschöne Gründe. Es gibt Menschen, die ein Kinderfoto dazu anstachelt, nach Namen und Adressen der Kinder zu fahnden. Und spezielle Programme helfen ihnen beim Abgleich im Internet. Für die Sozialen Medien hat 2015 die Hagener Polizei an alle Eltern appelliert, auf Fotos ihrer Kinder doch am besten zu verzichten.

Arbeit wird dokumentiert

Kindergärten dokumentieren zunehmend ihre Arbeit mit dem Fotoapparat. Die Kinder können dann noch einmal sehen, wie viel Spaß es gemacht hat beim Wasserprojekt oder wie schwierig es doch war, die Laternenmotive auszuschneiden. Und auch die Eltern dürfen schauen. An der Spinngasse aber wirklich nur auf die Ausdrucke an der Wand. Aufnahmen der Aufnahmen mit dem Handy sind nicht erlaubt. Ohne damit Eltern verdächtigen zu wollen, fragt die Leiterin: „Was weiß ich, was Menschen mit den Bildern machen?“

Auf den Internet-Seiten des Waldorfkindergartens in Ende gibt es eine eigene Rubrik für Fotos. Wer sie aufruft, findet aktuell kein einziges. Mit einer neuen Vorsicht bei Kinderbildern im Netz hat das nichts zu tun. Die Homepage des Kindergartens ist in der Überarbeitung, sagt Kornelia Theyson, die Leiterin der Einrichtung. Später sollen auch wieder Fotos eingestellt werden. Aber die Diskussion über das Recht am eigenen Bild auch der Kinder und den Datenschutz bei Bilddateien scheint auch in Ende angekommen. „Gesichter werden auf jeden Fall nicht zu erkennen sein.“

 
 

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