Kinderfotos zeigen Träume, Sorgen und Wünsche

Die Wetteranerin erklärt den Jungen in Indien, wie eine Kamera funktioniert.
Die Wetteranerin erklärt den Jungen in Indien, wie eine Kamera funktioniert.
Foto: Privat
In einer Schule in Indien hat die Wetteranerin Myriam Pechan Kinder mit dem Fotografieren vertraut gemacht. Die bunten Fotos der Kinder, die deren Alltag und Träume zeigen, hat sie mitgebracht. und daraus einen Kalender gemacht.

Wetter/Chiraigaon..  Myriam Pechan mag es bunt. Zum Gespräch in unsere Redaktion kommt sie in einer orangefarbenen Pluderhose, einem türkisen Pullover und mit pinken Quadraten in den Ohren. Bunte Geschichten erzählen auch die Fotos, die sie mitbringt und die nun als Kalender in der Bücherstube Draht zu kaufen sind. Sie zeigen die Lebenswelt von Kindern einer Schule im Norden Indiens, an der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Doch nicht sie hat diese Fotos geschossen, sondern die Kinder selbst.

Sie haben ihren Alltag, ihre Heimat, Sorgen, Hoffnungen, Wünsche und Träume abgelichtet. Frauen in Saris tauchen immer wieder auf den Fotos auf, kleine Kinder mit großen Augen, Kühe, Märkte.

Dieser Gedanke steckt hinter dem Projekt „Kamerakidz“, das von Nana Ziesche, einer Pädagogin, Fotografin und Reiseveranstalterin aus Hamburg, ins Leben gerufen wurde. Die Wetteranerin Myriam Pechan hat davon erfahren und war augenblicklich Feuer und Flamme. „Ich bin durch Zufall auf dieses Projekt gestoßen und habe Nana Ziesche kontaktiert. Dann haben wir gesucht und die Premjyoti Integrated School in Chiraigaon, Uttar Pradesh, für mich gefunden.“

Also ist die 27-Jährige losgezogen - mit vermeintlich alten, dem Projekt gespendeten Digitalkameras im Rucksack. Zunächst hat sie mehrere Monate die Menschen und die Kultur Indiens kennengelernt. „Ich wollte erst noch etwas über das Land erfahren, bevor ich in das Projekt starte. Mir war es wichtig, nicht direkt damit einzusteigen.“ Auf diesem Wege habe sie festgestellt, wie unterschiedlich ein- und dasselbe Land sein könnte.

Uttar Pradesh, Indiens bevölkerungsreichster Bundestaat, und schließlich Chiraigaon, ein kleiner Ort in dessen Südwesten, waren die letzten Stationen ihrer Reise. Drei Wochen hat sie das Gästezimmer in der Schule bewohnt, jeden Tag ihren 15 Schützlingen eine Stunde Unterricht im Fotografieren gegeben. „Englisch hat kaum je-


mand gesprochen, also mussten wir uns mit Händen und Füßen verständigen.“ Einige Bilder zeigen Myriam vor einer Tafel; eine große Kamera hat sie in die Mitte gemalt, drum herum weitere schnelle Zeichnungen von Porträts, Licht, so gut man das eben mit Kreide darstellen kann.

Was ein gutes Bild ausmacht, wie eine Kamera bedient wird und worauf es hinter der Knipse zu achten gilt, all das hat die Studentin den Kindern beigebracht. „Für viele war es das erste Mal überhaupt, das sie eine Kamera in der Hand hielten. Da wurden die Augen ganz groß und glänzend“.

Vor allem in diesen Momenten habe sie gemerkt, dass es genau das Richtige sei, was sie da tue.

Erlös für Kinder-Fotografen

Und dann, als sie die Fotos am Ende durchgesehen habe, sei sie begeistert gewesen, wie schön und intim die Bilder geworden sind. „Manche Aufnahmen hätte ich mich selbst nicht getraut zu machen, aber die Kinder hatten da weniger Beruhigungsängste.“ Die bunten Fotos tauchen nun auf Postkarten und in einem Kalender auf, der ab sofort in der Bücherstube Draht für zehn Euro zu kaufen ist. Das Geld kommt zu einem großen Teil den Kinder-Fotografen zugute, ein kleinerer Teil fließt in das Projekt „KameraKidz“.

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