Kinder brauchen Schutz in der Smartphone-Welt

Beim Info-Abend „Firewall Live“ in der Friedrich Harkort Schule in Herdecke
Beim Info-Abend „Firewall Live“ in der Friedrich Harkort Schule in Herdecke
Foto: WP
  • Kinder kennen sich aus mit den Anwendungen
  • Eltern machen sich Sorgen über Gefahren im Netz
  • An der FHS wurden Schüler und Eltern fit gemacht

Herdecke.  Whatsapp und Snapchat, Cybermobbing und Datenschutz: Zu diesen Themen standen jetzt zwei medienpädagogische Fachkräfte des Präventionsprojekts „Firewall Live” sowie drei Schüler der Friedrich Harkort Schule (FHS) knapp drei Dutzend besorgter Eltern Rede und Antwort.

Der Hintergrund: An der FHS gilt, bis auf das Café, Handyverbot. Für Oberstufenschüler gibt es eine Ausnahme in der Aula. Nachdem das Verbot für einige Zeit aufgehoben wurde, „haben die Kinder nur noch auf die Pause gewartet, um dort das Smartphone nutzen zu können”, sagte Kristine Schmidt, Informatiklehrerin der FHS. Zudem würden die Kinder, die Smartphones nutzen, immer jünger werden.

Krankenkasse und Kinderschutzbund

Um ihre Schüler über den sicheren, bewussten und kritischen Umgang mit sozialen Netzwerken aufzuklären, bewarb sich die Schule für das bundesweite Projekt „Firewall Live”. Dieser Medienkurs richtet sich vor allem an Jugendliche zwischen zwölf und vierzehn Jahren, aber auch an deren Eltern und Lehrkräfte.

Ins Leben gerufen wurde das aus zwei Schulungsmaßnahmen bestehende Projekt 2012 gemeinsam vom Deutschen Kinderschutzbund und der Knappschaft Krankenkasse. Letztere finanziert das Projekt auch.

Zunächst führte Reiner Reuss, Diplom Sozialarbeiter des „Firewall Live“, zwei sechste Klassen spielerisch an die Themen Privatsphäre und Datenschutz, sowie Urheber- und Persönlichkeitsrechte heran. „Kinder wissen oft einwandfrei Technik zu bedienen, aber der rechtliche Hintergrund ist ihnen nicht klar.” Sein Fazit am Abend: „Die Sechstklässler hatten erstaunlich viel Ahnung.“ Medienpädagoge Ansgar Sporkmann behandelte am zweiten Tag in einer weiteren Doppelstunde richtiges Verhalten bei Cybermobbing.

Schüler mit eingebunden

In der zweiten Schulungsmaßnahme wurden dann Eltern eingeladen, um zu erfahren, worauf sie mit ihren Kindern achten können, wie sie Hilfestellungen und Unterstützung bieten. Dabei wurden die Medienexperten von den siebzehnjährigen Oberstufenschülern Joy Brummel, Enric Tange und Oliver Weitenkamp, unterstützt.

Bereits einige der Apps und Netzwerke, die von der „Internetgeneration“ täglich genutzt werden, waren anwesenden Eltern unbekannt. „Eltern sind Kindern oft unterlegen was den Gebrauch angeht“, sagte Sporkmann. Auch das mit den Apps verbundene, neue Verständnis der Kommunikation warf bei manchem Rätsel auf. Dass Enric Tange und Oliver Weitenkamp teilweise hunderte Whatsapp Nachrichten am Tag bekämen– verwunderlich für die Generation, die sich damals am Schnurtelefon verabredete. „Wie kriegt ihr das alles auf die Reihe?“, fragte ein Vater.

Doch vor allem Cybermobbing spielte an dem Abend eine große Rolle. Mobbing hätte es zwar immer gegeben, aber im Netz seien Täter anonymer, die Hemmschwelle sinke, befürchteten Anwesende. Kontrolle oder Vertrauen – diese Frage stand im Raum. Medienpädagogen und Schüler empfahlen, vor allem das Vertrauensverhältnis zum Kind zu pflegen. Zudem könnten Jugendschutzprogramme genutzt werden, Sicherheitseinstellungen im Betriebssystem aktiviert werden. Auf Mobbing sollten Kinder am Besten nicht reagieren, stattdessen mit den Eltern Beweise sichern und die Schule kontaktieren. „In meinen fünf Jahren an der FHS“, bemerkte Kristine Schmidt, „habe ich jedoch nur einen Vorfall erlebt.“ Durch ein direktes Gespräch mit der Schule sei die Situation geklärt worden.

Medienkurs für Fünftklässler

Da nur zwei der insgesamt vier sechsten Klassen an dem Projekt teilnehmen konnten, berichteten diese in den darauffolgenden Stunden ihren Mitschülern, was sie gelernt hatten. Die FHS plant, im zweiten Quartal dieses Schuljahrs einen Medienkurs für die Fünftklässler einzurichten, in dem es auch um Kompetenztraining im Medienumgang gehen soll. „Die älteren Schüler gehen ganz souverän mit den Netzwerken um“, sagte Kristine Schmidt. „Je älter man wird, desto mehr Aufgaben hat man, und lernt es zu schätzen, von Auge zu Auge zu reden“, fügte Joy Brummel hinzu, die auch schon mal das Internet ausschaltet.

 
 

EURE FAVORITEN