Katzen im Kreis müssen kastriert werden

Katzen vermehren sich sehr schnell. Der Ennepe-Ruhr-Kreis will die Populationen durch Kastration verringern.
Katzen vermehren sich sehr schnell. Der Ennepe-Ruhr-Kreis will die Populationen durch Kastration verringern.
Foto: Archiv
  • Katzen, die das Haus verlassen, müssen ab Januar kastriert und gechipt werden
  • Der Ennepe-Ruhr-Kreis will damit die Populationen wilder Katzen eindämmen
  • Übergangsfrist von drei Monaten geplant

Wetter/Herdecke..  Jetzt ist es amtlich. Der Kreistag hat am Montagabend die Katzenschutzverordnung für den Ennepe-Ruhr-Kreis beschlossen. Freilaufende Katzen müssen ab 2017 gechipt, registriert und kastriert sein.

Die Katzenschutzverordnung dient dem Kampf gegen die explodierende Population wildlebender Katzen und das damit verbundene Leid für die Tiere. Eine Abfrage ergab, dass Tierschutzorganisationen, Tierärzte und Städte im Kreis pro Jahr mindestens 380 Kastrationen freilebender, verwilderter Katzen vornehmen. Ohne diese Kastrationsaktionen wäre der Bestand bei dieser Zahl schon nach drei Jahren auf 120 000 Tiere angewachsen (bei vier Welpen pro Jahr und geschlechtsreifer Katze). In den allermeisten Fällen sind die eingefangenen Tiere in einem erbärmlichen Zustand.

Was gut gemeint ist und viel Sinn macht, hat einen Haken: Tierfreunde können nicht immer zwischen wildlebenden Katzen ohne Besitzer und Freiläufern privater Tierhalter unterscheiden, was bei Zwangskastrationen zu zivilrechtlichen Ansprüchen bis hin zu Straftatbeständen führen kann. Die Neuregelung dient daher auch dem Zweck, Kastrationsaktionen eine rechtliche Grundlage zu geben.

Konkret sieht die Katzenschutzverordnung folgendes vor: Jede freilaufende Hauskatze muss ab 1. Januar 2017 gechipt, registriert und kastriert sein. Dafür verantwortlich ist der Halter, der die Kosten dafür zu tragen hat. Im Haus lebende Katzen sind von der Verordnung nicht betroffen. Halter, deren Katzen nicht kastriert sind und freilaufend gefangen werden, können zu der Maßnahme gezwungen werden. Bei halterlosen Katzen trägt die öffentliche Hand die Kosten, im Schnitt 110 Euro.

Die Katzenschutzverordnung tritt am 1. Januar 2017 in Kraft. Auf Antrag der Partei Die Linke im Kreistag wurde die Übergangszeit auf drei Monate festgelegt, um „möglichst viele Besitzer von Katzen zu informieren“. Dazu soll es eine Informationskampagne geben, mit der der Kreis die Tierhalter über die neuen Regelungen aufklärt.

Größere Kosten werden verhindert

Chris J. Demmer, stellv. Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler EN/Piraten, die die Katzenschutzverordnung auf den Weg brachten, hob die Bedeutung des Beschlusses hervor: „Dadurch wird ein großes Tierleid verringert. Wir haben überschaubare Kosten, die größere Kosten verhindern.“ Halter würden in die Pflicht genommen, sich um ihre Katzen zu kümmern.

Der Tierschutzverein Herdecke/Wetter hat maßgeblich zur Verordnung beigetragen, Kastrationsdaten und Anzahl der Tiere aus der Region geliefert. „Gerade an den Futterstellen beobachten wir die Problematik“, sagt Dominique Raupert, 2. Vorsitzende des Vereins. Viele Tiere ohne ärztliche Versorgung müssten eingeschläfert werden. Die Verordnung helfe, chronische und Infektionskrankheiten in den Griff zu bekommen. Immer wieder tauchten aber Katzen auf, die niemand vermisst, die scheinbar ausgesetzt wurden. „Letzte Woche erst haben wir ein Kitten im Schöntal in Wetter gefunden“, berichtet Raupert. Grade das Schöntal war vor Jahren „noch ein Fass ohne Boden“ – bis der Tierschutzverein reagiert und Kastrationen durchgeführt hat. „Irgendwann werden durch hohe Populationen – wie wir sie hier haben – auch die Vögel in Mitleidenschaft gezogen.“

Dieses Bewusstsein sei aber längst nicht bei jedem Halter angekommen. „Unvernünftige Menschen lassen ihre Kater noch immer ohne Kastration raus, weil sie sich denken: ,Ich hab das Problem ja nicht’.“ Anders als bei Hunden ist das Ganze jedoch eine versteckte Problematik. „Katzen leben eher im Untergrund, sind scheu oder verziehen sich.“ Durch die Unterstützung des Kreises erhofft sich Raupert Hilfe, um die Not der Tiere ohne Halter zu verringern.

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