Junger Japaner am Klavier hofft auf den Durchbruch

Hausmusik der besonderen Art: Kerstin Reinhardt aus Wetter gibt Yu Nitahara aus Japan in ihrem Wohnzimmer Gelegenheit zum Üben.
Hausmusik der besonderen Art: Kerstin Reinhardt aus Wetter gibt Yu Nitahara aus Japan in ihrem Wohnzimmer Gelegenheit zum Üben.
Foto: WP
  • In Dortmund läuft gerade der Schubert-Klavierwettbewerb
  • Zum dritten Mal ist Kerstin Reinhardt aus Wetter Gastgeberin
  • Bei ihr wohnt ein junger Japaner, der vom Titel träumt

Wetter..  Seit Samstag wohnt Yu Nitahara bei Familie Reinhardt in Wetter. So viel steht fest. Wann der 25-Jährige wieder die Koffer packt? Das liegt ganz an seinem Erfolg. Schafft er es beim Schubert-Wettbewerb in Dortmund bis in die letzte Runde, wird er sich am Sonntag ein letztes Mal ans Klavier im Wohnzimmer der Reinhardts setzen und seinem Spiel den nötigen Schliff geben. Dann aber für das Preisträgerkonzert zum Abschluss. Der Schubert-Wettbewerb geht nach dem KO-System. Bisher hat Yu Nitahara niemand ausgeknockt.

Aus Salzburg ist er nach Wetter gekommen. Hier studiert der junge Japaner Klavier. Ein paar Brocken Deutsch hat er in Österreich auch schon gelernt. Das liegt mit an seiner Freundin. Sie studiert in Essen an der Folkwang-Hochschule, ebenfalls Musik. Zu ihr wollte er für die Wettbewerbstage nicht ziehen. „Das ist nicht deutsch, das ist japanisch“, lacht Kerstin Reinhardt. In den vier Wänden ihrer Familie kann der Gast ungestörter üben.

Sprungbrett für Karrieren

Vor drei Jahren war Kerstin Reinhardt schon einmal Gastgeber für Teilnehmer des Schubert-Wettbewerbs in Dortmund. Eine deutsche Sängerin und ein Pianist aus Japan übten bei ihr für den gemeinsamen Auftritt. 2011 war es ein Gast ebenfalls aus Japan, der einen respektablen vierten Platz schaffte. „Die letzten drei Preisträger haben alle Weltkarriere gemacht“, freut sich Kerstin Reinhardt über das Niveau des Wettbewerbs und das Sprungbrett, das so ein Vergleichstest für eine Musikerkarriere sein kann.

Auch Yu Nitahara möchte gewinnen. 65 Teilnehmer waren es zu Beginn des Wettbewerbs am letzten Samstag, in die Runde der letzten 20 hat er es geschafft. Gerade probt er für das Vorspielen der letzten Zehn. Der erste Preis ist mit 10 000 Euro dotiert, ausgelobt von der Werner-Richard - Dr. Carl Dörken-Stiftung aus Herdecke. Die Kunststiftung NRW gibt dem Preisträger Gelegenheit zur Produktion einer CD.

Für Yu Nitahara wäre es die ersten Scheibe. Musik von Franz Schubert würde er dafür gerne einüben. Aber auch sonst hat er es mit den deutschen Meistern. Bach zählt er auf und Beethoven und Brahms. Aber auch an Komponisten aus Russland oder Frankreich findet der Pianist aus Japan Freude.

Eine Bereicherung für die Familie

Während am Gartentörchen Vierbeiner Pepper den Gast mit dem Schreibblock in Empfang nimmt, dringen Schubert-Klänge aus dem Wohnzimmer nach draußen. „Ich finde es toll, Gäste zu haben, vor allem auswärtige“, erklärt Kerstin Reinhardt, warum sie schon zum wiederholten Mal als Gastgeberin für die Musiktalente eingesprungen ist. „Ich habe extra Urlaub genommen“, unterstreicht sie das besondere Gefühl, vielleicht einen Piano-Star von morgen auf ihrem Klavierhocker sitzen zu haben.

„Mir ist es wichtig, ein offenes Haus zu haben“, sagt sie, und ergänzt: „Das ist eine Bereicherung für die ganze Familie.“ Schon aus erzieherischen Gründen. Die eigene Tochter spielt Geige und Querflöte. Aber es könnte noch öfter sein. Und klappt das mit der Motivation, wenn so ein Piano-Profi für die Hausmusik sorgt? „Zumindest lernt die Tochter, was Gastfreundschaft ist“, sagt Kerstin Reinhardt und zieht sich aus dem Wohnzimmer wieder zurück. Damit der Gast weiter daran arbeiten kann, auch am Sonntag noch in Wetter zu sein.

 
 

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