Investor plant in Herdecke „Wohnen wie im Hotel“

Viel Grün und viel Komfort: So sehen die Vorstellungen des Investors aus Holzwickede für  den Umbau des GVS an der Goethestraße aus.
Viel Grün und viel Komfort: So sehen die Vorstellungen des Investors aus Holzwickede für den Umbau des GVS an der Goethestraße aus.
Foto: Architekturbüro Deterding
  • Der GVS hat sich unter einen Schutzschirm gestellt, um die Gehälter zu sichern
  • Auslöser sei der Investor gewesen, der plötzlich nicht mehr alles habe kaufen wollen
  • Stimmt nicht, sagt der Investor. Er wolle weiter den Komplex an der Goethestraße kaufen

Herdecke..  Am liebsten würde er lieber heute als morgen den ganzen GVS-Komplex an der Goethestraße kaufen, sagt Norbert Schramm von der Wohnungsbaugesellschaft Reale Werte in Holzwickede. Dabei hat sich der Gemeinnützige Verein für Sozialeinrichtungen gerade in ein Schutzschirmverfahren begeben, um eine Insolvenz abzuwenden. Der Grund, den der GVS dafür genannt hat: Der Investor sei kurzfristig nur noch an einem Teilerwerb der GVS-Gebäude an Goethestraße und Umgebung interessiert gewesen, dabei käme nur ein Komplettverkauf in Frage.

„Wenn die pleite sind, sollen sie das nicht auf Andere schieben“, sagt Norbert Schramm nach der Berichterstattung über das vom GVS angestrengte Verfahren, durch einen Schutzschirm drei Monatsgehälter und das Weihnachtsgeld für die rund 400 Beschäftigten sicher zu stellen. Die Idee mit dem Teilkauf stamme aber nicht von ihm und sei auch nicht überraschend vorgebracht worden. Schon im August sei das vom GVS ins Gespräch gebracht worden, unter Hinweis auf das im November fällig werdende Weihnachtsgeld. Der GVS widerspricht auf Anfrage der Redaktion: „Es ging um eine vorläufige Kaufpreis-Teilfälligkeit und ausdrücklich nicht um einen Teilverkauf.“

Noch in einem anderen wichtigen Punkt gehen die Darstellungen auseinander. Der Bewerber habe kurz vor Vertragsabschluss „die Voraussetzungen für den Erwerb nicht mehr erfüllt“, hieß es in einer Pressemitteilung des GVS aus der Vorwoche. Gestern ist er präziser geworden. Der GVS habe den Investor „schriftlich per Frist aufgefordert, einen Finanzierungsnachweis zu erbringen. Diese Frist verstrich, ohne dass der Nachweis vorgelegt wurde.“ Ganz anders Norbert Schramm. Vereinbart gewesen sei, dass er bis Ende Januar den Finanzierungsnachweis über den gesamten Verkauf erbringen solle.

Um 22 Millionen Euro Investitionssumme geht es insgesamt für die geplanten 75 Einheiten für Betreutes Wohnen und Wohngruppen. Bereits im Sommer hat es ein Abstimmungsgespräch zwischen Stadt, GVS und Investor gegeben. Aktuell sieht der Bebauungsplan auf dem Gelände zwischen Goethestraße und Bahnhofstraße ein Altenheim vor. Für eine Nutzungsänderung muss der Bebauungsplan geändert werden. Das Verfahren braucht nach Auskunft der Stadt knapp ein Jahr.

Noch zu Zeiten von Ewa Kohut als Geschäftsführerin des GVS haben die Gespräche zwischen GVS und Wohnungsbaugesellschaft Reale Werte begonnen, so Norbert Schramm. Als sich überraschend ein Finanzloch in Höhe von knapp zwei Millionen Euro aus zwei Jahren beim GVS auftat, musste Ewa Kohut gehen. Dann gab es andere Ansprechpartner für den Investor aus Holzwickede. „Wir eiern seit November 2015 mit dem GVS herum“, stellt Schramm nun fest.

Gespräche auch über Kindergarten

Ein Wohnprojekt in dieser Größenordnung „haben wir noch nicht gebaut“, sagt Schramm. Dafür aber Kindergärten. Und einen solchen hätte sich der Jugendhilfeausschuss in Herdecke gerne als Anbau an das frühere Heim an der Goethestraße gewünscht, um den Bedarf an Kindergartenplätzen in der Stadt zu decken. Auch dazu gab es Gespräche mit dem Investor. Der möchte weiter das Ganze kaufen, hat er die GVS-Führung wissen lassen. Kühle Reaktion beim GVS: „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass der bisherige Investor mit heutigem Schreiben auch weiterhin Interesse am Erwerb der gesamten Immobilie bekundet hat.“

 
 

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