In Herdecke sind zwei Kindergartengruppen mehr nötig

Vielleicht kommt noch ein Gruppenraum dran: Der evangelische Kindergarten an der Spinngasse in Herdecke
Vielleicht kommt noch ein Gruppenraum dran: Der evangelische Kindergarten an der Spinngasse in Herdecke
Foto: WP
Die Stadt Herdecke hat den Bedarf überschlagen. Sie reagiert damit auf Flüchtlingskinder und geänderte Wünsche der Eltern. Aber wer baut?

Herdecke.  In Herdecke gibt es einen zusätzlichen Bedarf von 40 bis 50 Kindergartenplätzen. Das entspricht zwei Kindergartengruppen. Von diesen Zahlen geht die Stadt Herdecke für die nächsten Jahre aus, so Jugend- und Sozialdezernent Dieter Joachimi jetzt im Jugendhilfeausschuss. Grund seien die Flüchtlingsfamilien mit kleinen Kindern, aber auch geänderte Wünsche der Eltern. Diese würden zunehmend eine frühere Betreuung ihres Nachwuchses buchen.

Im Gespräch mit GVS und Kirche

In Herdecke geht nahezu jedes Kind zwischen drei und sechs Jahren in den Kindergarten. Bei den Flüchtlingskindern ist noch Luft nach oben. Aktuell haben zwei von drei Kindern in dieser Altersgruppe einen Kita-Platz. Der Besuch gilt als wichtig für die Integration. Im frühen Kindesalter lässt sich die deutsche Sprache beinahe spielerisch lernen. 21 Flüchtlingskinder sind es derzeit in der Altersgruppe drei bis sechs Jahre, ebenso viele im Alter bis zu drei Jahren. Wie viele dazu kommen, weiß derzeit niemand, was die Planung der Stadt nicht einfacher macht. Für Dieter Joachimi ist dennoch klar: „In Zukunft wird sich die Situation sicher verschärfen.“

Um entsprechend vorbereitet zu sein, führt die Stadt aktuell Gespräche mit Kindergartenträgern. Laut Joachimi kann sich die Kindergartengemeinschaft im Evangelischen Kirchenkreis vorstellen, den Kindergarten an der Spinngasse auszubauen. 180 000 Euro Fördergelder kann die Stadt Herdecke dafür bis in den August abrufen, die Baumaßnahme der Kirche würde sich aber wohl auf insgesamt rund 600 000 Euro belaufen. Auch mit dem Gemeinnützigen Verein für Soziale Einrichtungen (GVS) werden aktuell Gespräche geführt. Und überlegt wird auch, in der früheren Vinkenberg-Grundschule Kindergartenkinder unterzubringen. Dafür müsste sich nur die frisch eingezogene städtische Musikschule etwas kleiner machen.

Zuwachs schwer zu berechnen

In anderen Städten finden sich derzeit häufig Investoren, die zusätzliche Kindergärten errichten. In Großstädten seien solche Finanzierungsmodelle sehr beliebt. „Dazu ist unser Bedarf allerdings zu klein“, erklärte Joachimi, warum in Herdecke nicht weiter in diese Richtung gedacht würde. „Die treten erst ab vier Gruppen an.“ Zur Situation der Flüchtlingskinder in Herdecke hatte die SPD eine Reihe von Fragen mit den in den Jugendhilfeausschuss gebracht. Nach den Antworten der Verwaltung führte für die Ausschussvorsitzende Karin Striepen „kein Weg daran vorbei, mehr Plätze zu schaffen, um das Problem der Integration gut zu lösen.“

Bisher haben die Planzahlen ganz gut zur Nachfrage gepasst, selbst wenn es nicht immer der Wunschkindergarten geworden ist. Auch zum 1. August diesen Jahres, dem Start des neuen Kindergartenjahres, konnten noch einmal alle Kinder untergebracht werden. Allerdings ist der Stadt auch seit Februar kein einziger Flüchtling mehr zugewiesen worden. Zunächst einmal waren größere Städte dran, die ihre Aufnahmequote noch nicht erfüllt hatten. In absehbarer Zeit werden aber wieder Menschen auf der Flucht mit ihren Kindern nach Herdecke kommen, auch Jungen und Mädchen noch vor dem Grundschulalter. Auch so wächst der Bedarf wie etwa am Ufer der Ruhr, wo die ersten Familien auf dem ehemaligen Westfalia-Gelände eingezogen sind und bald auch das Lachen und Toben der Kinder dazu gehört.

 
 

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