Hospizverein sucht Sterbebegleiter

Wetter.  Ein wichtiges, aber kein populäres Thema: Am 9. Juni 2011 gründete sich der bis heute einzige Hospizverein in Wetter. Erste Erfolgsmeldung dann im Dezember des letzten Jahres: 13 engagierte Mitglieder von „Das mobile Hospiz“ nahmen nach einem Jahr Ausbildung als Sterbehelfer ihre Zertifikate entgegen. Und ein Hospizhelfer, der türkisch spricht, hatte direkt danach seinen ersten „Auftrag“: Aus Haspe kam eine Anfrage zur Sterbebegleitung.

Seither ist auch noch eine zweite Kraft im Einsatz. Dementsprechend sind noch Kapazitäten frei. Zudem möchte der Vorstand weitere Mitglieder zu den aktuell 38 anwerben und bietet ab Januar 2014 einen zweiten Vorbereitungskurs (Dauer: ein Jahr) für ehrenamtliche Hospizhelfer an. „Wir haben am Anfang viel getrommelt, wollten uns dann im letzten Jahr etwas zurücknehmen und uns mehr nach innen wenden“, erklärt Vorsitzende Barbara Tasli, dass es 2012 mehr um Schulungen und den Aufbau einer Infrastruktur ging.

Diese steht nun weitgehend: Mit Geschäftsführerin Ursula Reschke ist eine Koordinatorin für Anfragen aller Art erreichbar. Sie übernimmt den ersten Kontakt mit den Sterbenden, macht sich ein Bild von der Situation, filtert dann den vermeintlich richtigen Begleiter aus dem Hospizverein heraus und stellt sich mit dieser oder diesem dann erneut vor. „Wichtig ist, dass es auf beiden Seiten erste positive Erfahrungen gibt“, so Reschke.

Der Verein betont, dass er sich nicht ausschließlich um konkrete Sterbehilfe kümmert. Er sei auch Ansprechpartner für Angehörige, Hilfsanbieter und Bürger, die Fragen zu dem Thema haben. Zu Patientenverfügungen, Fortbildungen und Pflege gibt es Antworten. „Wichtig dabei ist: Wir übernehmen keine Pflege und im Prinzip keine hauswirtschaftlichen Arbeiten wie putzen oder ähnliches“, so der Vorstand. Das große Ziel: „Wir wollen Hemmungen abbauen und das Thema Tod enttabuisieren.“

Netzwerk aufbauen

Neben der Suche nach neuen Mitgliedern („Wir brauchen mehr Manpower, um in Gemeinden, Altenheime oder zu Seniorentreffen zu gehen“) strebt das Vorstands-Trio über Kooperationen ein Netzwerk an. Mit Ärzten, ambulanten Diensten und Seniorenresidenzen will sich der Verein abstimmen, ohne in deren Tätigkeitsfelder einzudringen. „Bei denen fehlt es ja oft an Zeit, wir können dann bis zum Schluss am Krankenbett des Sterbenden sitzen“, sieht Tasli ihren Verein als Mittler. „Wir betonen die menschliche Komponente“, ergänzt Ümmahan Akbulut.

Es gebe also noch genug zu tun: Zwar ist der Hospizverein dankbar über viele Spenden, doch würden weitere Mitgliedsbeiträge die ehrenamtliche und vor allem kostenlose Sterbegleitung besser abfedern. Zudem würden sich die Frauen über weitere männliche Hospizhelfer freuen. „Was den Altersdurchschnitt angeht, sind wir gut durchmischt“, meint Tasli und berichtet von Anfragen zweier Schülerinnen. „Allerdings eignet sich auch nicht jeder für diese emotional belastende Arbeit.“ In weiteren Schulungen und mit regelmäßigen Supervisions-Besprechungen unterstützen sich die Sterbegleiter während ihrer Tätigkeit.

2013 sollen regelmäßige Sprechstunden auch für Bürger im WSG-Treffpunkt „1898“ im Bismarck-Quartier stattfinden (ab Juni immer am ersten Montag im Monat). Am 9. Oktober lädt der Verein zum 2. Forum zum Welthospiztag ein, zuvor gibt es am 14. September einen Info-Tag. Tasli: „Der Start ist gelungen, jetzt soll der Kick erfolgen.“

 
 

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