Hospizhelferinnen bleiben bis zum Ende

Die Hospizhelferinnen Maria Fischer (66) (links) und Gabi Beckmann (60) aus Wetter
Die Hospizhelferinnen Maria Fischer (66) (links) und Gabi Beckmann (60) aus Wetter
Foto: WP
Die Hospizhelfer des Vereins „das mobile Hospiz Wetter“ begleiten schwerstkranke und sterbende Menschen in Wetter und naher Umgebung ambulant in häuslicher Umgebung, in Seniorenheimen und in Krankenhäusern.

Wetter.  Maria Fischer ist schon oft gefragt worden, warum sie ausgerechnet „sowas“ macht. Wo es doch auch andere ehrenamtliche Aufgaben gibt. Solche, die einen nicht runterziehen oder traurig machen. Dabei macht es Maria Fischer überhaupt nicht traurig, Menschen auf ihrer letzten Reise zu begleiten. Traurig macht sie nur das Wissen, dass viele Menschen in den letzten Wochen oder gar Monaten ihres Lebens niemanden haben, dem sie Fragen stellen oder mit dem sie über ihre Ängste reden können. Sei es, weil sie einfach keinen Angehörigen oder Freunde haben, oder weil derjenige nicht bereit oder in der Lage ist, mit ihnen zu sprechen.

Personal gibt sein Bestes

Maria Fischer (66) ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin beim „mobilen Hospiz Wetter“ - ebenso wie Gabi Beckmann (60). Die Wege und Gründe, die die beiden Frauen zu ihrem Ehrenamt führten, sind ganz unterschiedlich. Maria Fischer versucht nach über 40 Berufsjahren als Krankenschwester nun ganz privat, die Lücken zu füllen, die durch dünne Personaldecken in Kliniken und Heimen herrschen: „Wenn man mit vier Leuten 30 Patienten versorgen muss, von denen zwei sterben, dann kann man sich vorstellen, wie groß das Defizit ist. Von Sterbebegleitung kann da keine Rede sein, obwohl das Personal sein Bestes gibt.“

Bei Gabi Beckmann waren es der persönliche Lebensweg und ihr ausgeprägtes Einfühlungsvermögen, die sie zum „Mobilen Hospiz brachten. „Ich war eigentlich in meinem Leben schon immer diejenige, die für andere ein offenes Ohr hatte. Dass ich meine Zeit im Alter Menschen widmen möchte, die niemanden mehr haben, wurde mir aber erst bewusst, als ich 2010 Gerhard Klein in Wengern kennenlernte. Er hatte damals die Idee zur Gründung eines mobilen Hospizes.“ Die Situation der eigenen Mutter, die 90 Jahre alt und dement ist, öffnete ihr schließlich die Augen für die allgemeine Situation alter Menschen in Wetter.

Für Maria Fischer und Gabi Beckmann gehört der Tod als Teil des Lebens auch zu ihrem Alltag. Wie man das emotional schafft? „Es ist gar nicht so schlimm, wie man sich das vorstellt“, versichert Maria Fischer. Natürlich habe es auch im Job Patienten gegeben, die sie über Jahre kennen und schätzen gelernt hatte: „Wenn die gestorben sind, musste ich mich auch mal verziehen, weil ich geheult habe. Es gibt Patienten, die vergisst man nie.“ Wie die süße alte Dame, die gelähmt war und Maria Fischer gebeten hatte, bei ihr zu sein, wenn sie stirbt: „Die ist so friedlich gestorben; daran erinnere ich mich heute noch gerne. Wenn man das hinbekommt, dass der Tod nicht angsteinflößend war, dann gibt es nichts Besseres.“ Das Gefühl, jemandem geholfen zu haben und für ihn dagewesen zu sein, sei immer größer als die Trauer.

Und noch etwas sei ganz wichtig, sagt die ehemalige Krankenschwester: Im Angesicht des Todes dürfe ruhig auch gelacht werden. Dann erzählt sie die Geschichte von dem Patienten, der in seinem Hochzeitsanzug beerdigt werden wollte: „Die Frau hatte den Anzug vergessen, der Mann starb. Also habe ich ihn in Wärmflaschen eingepackt, um den Eintritt der Totenstarre zu verzögern und der Frau Zeit zu geben, den Anzug noch zu holen. Das hat die Frau völlig glücklich gemacht.“ Maria Fischer: „Das entbehrt natürlich nicht einer gewissen Komik.“

Ausbildung liefert Rüstzeug

Wie ansonsten das „Da sein“ aussieht, ob geredet oder geschwiegen wird, das entscheide allein der Sterbende, weiß Gabi Beckmann: „Er ist der Bestimmer.“ Sie erinnert sich an einen Patienten, der nicht mehr sprechen konnte: „Er drehte einfach den Kopf weg und schloss die Augen, um mir zu sagen, jetzt ist gut, ich möchte allein sein.“ Natürlich weiß auch sie, „dass es Menschen gibt, die sogar ihr Kaninchen zum Einschläfern beim Arzt abgeben, weil sie selbst nicht dabei sein können oder wollen“. Aber die einjährige Ausbildung habe ihr das Rüstzeug gegeben, ein nötiges und wichtiges Maß zwischen Nähe und Distanz zu wahren. Ansonsten ist ja auch die Familie noch da, die voll hinter ihr und mit ihr mitten im Leben steht. Ehemann, Kinder, die 90-jährige Mutter sowie zwei Enkelkinder, um die sich Gabi Beckmann regelmäßig nach Schulschluss kümmert.

Ob das Engagement als Sterbebegleiterin die Frauen verändert hat? „Mich schon ein bisschen“, sagt Gabi Beckmann. „Ich bin in vielem ruhiger und gelassener geworden. Und ich weiß, es gibt immer eine Lösung.“ Maria Fischer schmunzelt, schüttelt den Kopf und sagt: „Ich bin ohnehin ziemlich friedlich und rege mich eher selten auf.“ Die Frage nach dem eigenen Tod erübrigt sich - beide haben eine Patientenverfügung und „alles geregelt“.

 
 

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