Herdecker schützt Wale auf den Färöer-Inseln

Felix Kurten versucht die Wal-Jagd auf den Färöer-Inseln zu verhindern. Hier hält er Ausschau nach den Säugetieren.
Felix Kurten versucht die Wal-Jagd auf den Färöer-Inseln zu verhindern. Hier hält er Ausschau nach den Säugetieren.
Foto: WP
Felix Kurten war zwei Wochen im Norden von Europa, um die traditionelle Wal-Jagd auf den Färöer-Inseln zu verhindern: „Ich hätte mich auch auf die Wale draufgelegt.“ Die Eindrücke beschäftigen den 25-Jährigen auch im Herdecker Alltag.

Wetter..  Es ist ein langsamer Tod. Ein Hacken im Luftloch nimmt dem Grindwal die Möglichkeit der Flucht, ein Messer schneidet seine Wirbelsäule durch. Für viele Einwohner der Färöer-Inseln eine Tradition, Felix Kurten nennt diese Waljagd „grausames Schlachten in einer wunderschönen Landschaft“. Deswegen engagiert sich der 25-jährige Herdecker bei der Umweltorganisation Sea Shepherd und reiste zwei Wochen auf die Färöer. Sein Ziel: die Säugetiere zu retten. „Ich hätte mich auf die Wale auch draufgelegt.“

Seit etwa zweieinhalb Jahren arbeitet der Erzieher bei Sea Shepherd freiwillig mit. Kurten: „Mir gefällt, dass wir direkte Aktion planen und nicht nur protestieren.“ Bedeutet: Sea Shepherd versucht Tiere aktiv zu schützen. Anfang des Jahres reiste Kurten dafür bereits nach Japan, um die dortige Delfinjagd zu stoppen (wir berichteten). Nun ging es für ihn auf die Färöer-Inseln nach Nordeuropa.

Den Flug zahlte Kurten aus der eigenen Tasche, „die Autos und Häuser werden von Sea Shepherd gestellt.“ Der 25-Jährige war in einem Haus mit fünf anderen Mitgliedern im nordöstlichen Teil der Inselgruppe untergebracht. Die Aufgabe: Patrouille fahren und beobachten. „Die Gefahr besteht darin, dass die Wale in eine der gefährlichen Buchten schwimmen, in denen sie getötet werden können“, erklärt Kurten, was mit so genannten Killing-Buchten gemeint ist. Dies versucht Sea Shepherd mit eigenen Boote zu verhindern, mit denen die Umweltschützer die Wale wieder aufs Meer hinaus treiben. „Wir wären auch bereit gewesen ins Wasser zu springen, auch wenn es da oben eiskalt ist“, sagt Kurten.

Bei Bewohnern nicht beliebt

Das Problem: die traditionelle Wal-Jagd ist auf den Färöer-Inseln erlaubt, das Verhindern nicht. Kurten kennt diese Gesetzgebung, „doch die hätte mich auf keinen Fall von einer Rettungsaktion abgehalten.“ Der Herdecker weiß, dass die Umweltschützer von Sea Shepherd bei vielen Färöer-Bewohnern nicht beliebt sind. „Wir mussten aufpassen, wurden teilweise auch angegangen“, so Kurten: „Die Waljagd ist da nun mal Tradition.“

Kinder bekommen oft schon von ihren Vätern ein Messer zur Jagd geschenkt, in den Killing-Buchten beobachten viele Menschen das Töten der Wale. „Es hat einen Volksfest-Charakter“, sagt Kurten.

Doch der Umweltschützer berichtet auch von Fähringern, die ihn für sein Engagement gelobt hätten oder „uns gesagt haben, dass es in 20 Jahren eh keine Waljagd mehr geben wird.“

Diese Eindrücke begleiten Felix Kurten nun durch den Herdecker Alltag. Ruhen möchte er nicht, für ihn soll es möglichst bald wieder nach Japan gehen.

Auf Problem hinweisen

Zu so viel Engagement ist natürlich nicht jeder bereit oder in der Lage. „Aber mir ist wichtig, dass sich Menschen bewusst machen, dass dieses Abschlachten nur drei Flugstunden von uns entfernt stattfindet“, so Kurten. Die Konsequenzen daraus müsse jeder selbst ziehen. „Ich werde nicht mehr nach Dänemark reisen“, erklärt er und ergänzt: „Das dänische Militär versucht nämlich, uns an den Protesten zu hindern.“

 
 

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