Herdecker Heinz Goevert zeigt Kunst in New York

Die 53 in der oberen Bildecke verweist auf seinen Geburtsjahrgang: Heinz Goevert blättert im Atelier durch einige seiner Arbeiten. Mal schichtet HEGO Farben, oft finden sich Kreise. Der Künstler aus Ende liebt das Abstrakte, weil „da noch etwas Überraschendes passiert“.
Die 53 in der oberen Bildecke verweist auf seinen Geburtsjahrgang: Heinz Goevert blättert im Atelier durch einige seiner Arbeiten. Mal schichtet HEGO Farben, oft finden sich Kreise. Der Künstler aus Ende liebt das Abstrakte, weil „da noch etwas Überraschendes passiert“.
Foto: WP
Der Herdecker Künstler Heinz Goevert stellt seine Werke in der in der Galery 66 NY in New York aus. Auch ein Künstler aus der Nachbarstadt Wetter schaut gebannt Richtung "Big Apple".

Herdecke/Wetter.. Unter dem großen Zeiger hat die Uhr in Heinz ­Goeverts Wohnzimmer noch drei kleinere Ziffernblätter. Sie zeigen die Zeit in New York, London und Tokyo. New York ist aktuell wichtig. Hier ist gerade eine Ausstellung angelaufen mit Arbeiten des Künstlers aus Herdecke.

Und London und Tokyo? Bisher noch ohne eine Ausstellung von ihm. Aber das kann sich schnell ändern. Die Kunst von HEGO, wie sich Heinz Goevert nennt, findet international Anerkennung – und auch Käufer. Das Internet lässt die weltweite Kunstszene eng zusammen rücken. Und mittendrin der ehemalige Realschullehrer aus Ende, aber auch sein Künstlerkollege Manfred Holtkamp aus Wetter.

Kreise, Linien und Striche

Er sei ein Kind des Ruhrgebietes, sagt Heinz Goevert und schaut über den Balkon auf das satte Grün im Ender Wald. Damals, bei seiner Oma in Herne, war das anders. Da standen zu Goeverts Kinderzeit noch Fördertürme. Und die Förderräder finden sich jetzt wieder in seiner Kunst. Kreise prägen seine Arbeiten, Linien und Striche. Die Orte der Kindheit prägen auch die Farbwahl von heute. Viel Schwarz gibt es wie die Kohle an der aufgehängten Wäsche in Herne. Auch sein Blau hat einen besonderen Bezug zum Ruhrgebiet. Die Farbe des Himmels war es, die SPD-Ikone Willy Brandt dem Revier verhieß, als es noch verrußt und dreckig war.

Heinz Goeverts Bilder zeigen den Zerfall. Oder sie laden zur Meditation ein. Oder sie haben einen besonderen „Blues“. Viele Titel seiner Bilder könnten auch die Titel von Rock’n-Roll-Songs sein, hat eine Kunstkritikerin über ihn geschrieben. Ja, mit der Musik hat er angefangen. Jahrelang Schlagzeug gespielt in einer Band. Auch hier die Kreise wie bei den Becken, auf die er zu schlagen hatte. Als es mit der Stelle als Leiter der Realschule in Hohenlimburg zeitlich zu knapp wurde, wechselte Goevert zur Kunst. „Irgendetwas ist in mir drin, das nach Ausdruck sucht“, wirft er einen Blick ins eigene Seelenleben.

Die Kunst! „Ich könnte jederzeit figürlich malen oder eine Landschaft“, sagt Heinz Goevert. Hat er auch gemacht, früher. Heute will er nicht mehr gegenständlich sein. In ein paar Tagen wird er 63 und „will die Zeit, die noch bleibt, mit Leidenschaft füllen.“ Und das heißt für ihn: mit abstrakter Kunst. „Das ist mein Ding“, sagt er, „weil da passiert noch etwas Überraschendes“. Meist geht er in der Nacht und am frühen Morgen zu Werke. Und manchmal reicht ein Impuls aus einem Traum, und Heinz Goevert greift zu Pinsel und Farbe.

60 Bilder in 60 Tagen

Nicht immer wird auch etwas aus einer Idee. Manchmal kommt die Schaffens-Maschinerie ins Stottern. Manchmal aber dreht sie sich rund und rund. Wie vor vier Jahren. Sechzig Bilder entstanden da in zwei Monaten. Im Schnitt an jedem Tag eins. Sechs von den 60 haben jetzt gut verpackt die Reise nach New York angetreten.

2008 hat Heinz Goevert Carla Goldberg kennengelernt, auf einer Kunstplattform im Internet. Ein Jahr später haben sie dann gemeinsam das Projekt „Freedom and Art“ gemacht. Künstler aus vielen Ländern waren daran beteiligt. Erst gab’s ein Buch, dann eine richtige Ausstellung. In New York, wo Carla Goldberg Geschäftsführerin einer Galerie war. Im Gegenzug dazu organisierte Heinz Goevert eine Ausstellung in Köln. Später verschob sich die Achse geografisch leicht. Eine Galerie in Berlin und eine andere in New York sind jetzt Schwester-Galerien für die transatlantischen Projekte wie die jüngste Ausstellung, die seit dem frühen Freitagabend zu sehen ist. Jedenfalls nach New Yorker Zeit.

Viel Geld geht für den Transport der Kunstwerke

In Deutschland mussten Heinz Goevert und Manfred Holtkamp bis Mitternacht warten. Sechs Stunden Zeitverzögerung – und dann war die Ausstellung in der Galery 66 NY endlich eröffnet. Auch für Manfred Holtkamp aus Wetter ist es nicht die erste Schau mit Arbeiten von ihm in der internationalen Kunstmetropole. Schon bei einem früheren Projekt von Goevert war er dabei, jetzt wird seine Kunst in New York ständig geführt. Für einen Trip zur Vernissage hat es auch bei ihm nicht gereicht. Viel Geld geht für den Transport der Kunstwerke drauf, weiß Heinz Goevert. „Seit dem 11. September 2001 sind die Amerikaner traumatisiert“, stellt er fest und muss damit leben, dass die Kisten vom Zoll gleich mehrfach und gebührenpflichtig aufgemacht werden, um Sprengstoff als Zugabe auszuschließen.

Besonders aufgeregt sei er nicht mehr, sagt Heinz Goevert. Ein bisschen ist er es aber doch noch. Er hat auf Bilder über Facebook von der Eröffnung gehofft. Noch während in New York Kunst-Party ist. Am Ende wurde gar ein kleines Filmchen hochgeladen. New York, London, Tokyo und Ende – die Welt der Kunst ist nun mal ein globales Dorf.

 
 

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