Herdecke stärkt Pflegenden den Rücken

Beruf und Pflege zu vereinen, das fällt Arbeitnehmern häufig schwer. Der Kreis setzt darauf, möglichst viele Unternehmen in die Initiative zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege einzubinden.
Beruf und Pflege zu vereinen, das fällt Arbeitnehmern häufig schwer. Der Kreis setzt darauf, möglichst viele Unternehmen in die Initiative zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege einzubinden.
Foto: Susanne Schlenga
  • Die Stadt Herdecke will die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege verbessern
  • Als sechste Kommune im Kreis schließt sich die Stadt einer entsprechenden Initiative an
  • Insgesamt 27 Unternehmen und Organisationen sind bereits dabei

Herdecke.  Das Thema Pflege rückt immer mehr in den Fokus. Weil es politisch diskutiert wird, aber auch, weil immer mehr Menschen persönlich betroffen sind. Als Pflegende. Mit dem Beitritt zur Initiative für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege will die Stadt Herdecke ein deutliches Zeichen setzen, dass sie ihren Mitarbeitern bei diesem Thema den Rücken stärken will. „Die Menschen sind nicht nur mit Zeit und Kraft gefordert, sondern oft auch emotional in einer Ausnahmesituation“, sagt Bürgermeisterin Katja Strauss-Köster. „Das müssen und wollen wir als Arbeitgeber berücksichtigen.“

Ein Ansatz, der sich rechnet, wie die Demografiebeauftragte des Ennepe-Ruhr-Kreises, Christa Beermann betont. Viele Unternehmen fürchteten enorme Kosten, wenn sie sich offensiv mit dem Thema Pflege auseinandersetzen würden. „Dabei helfen auch viele kleine Maßnahmen, um Beruf und Pflege zu vereinbaren“, so Beermann. Allein die Anerkennung, dass sich ein Mitarbeiter neben seinem Job auch noch um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmert, mache es den Betroffenen leichter. „Wir müssen mit dem Thema raus aus der Tabu-Zone“, sagt Beermann. Dass sich seit 2012 inzwischen 27 Unternehmen und Institutionen der Initiative angeschlossen haben, helfe dabei. „Wir brauchen bei diesem Thema ein öffentliches Bewusstsein.“ Dass mit Herdecke die sechste Kommune im Kreis der Initiative beigetreten ist, freut Christa Beermann ganz besonders, denn die Städte erfüllten eine doppelte Funktion: als Arbeitgeber und als Mittler in die Öffentlichkeit.

Was konkret bietet ein Arbeitgeber, der die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege verbessern will, seinen Mitarbeitern? Fünf Punkte listet die Vereinbarung auf, „alles was darüber hinaus geht, ist natürlich auch willkommen“, so Beermann.
Der Arbeitgeber stellt fest, wie viele Beschäftigte beim Thema Pflege und Beruf aktuell und in absehbarer Zukunft Unterstützung benötigen.
Der Arbeitgeber informiert sich über den rechtlichen Rahmen und bewährte Informations- und Unterstützungsmodelle.
Diese Informationen müssen im Betrieb bekannt gemacht werden.
Das Unternehmen bestimmt einen Ansprechpartner zum Thema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.
Zu guter Letzt sollen geeignete Unterstützungsangebote entwickelt und erprobt werden.

Erprobt wird in der Herdecker Verwaltung in diesem Bereich auch jetzt schon einiges. Flexible Arbeitszeiten, Arbeit von zu Hause aus, Beratung bei Anträgen zur Pflegeversicherung. „Die Pflegeberatung gibt es bei der Stadt seit 2008, für alle Bürger“, sagt Katja Strauss-Köster und weiß, dass auch viele Mitarbeiter schon den Kontakt zu den Pflegeberatern gesucht haben. Grundsätzlich sei man bemüht, immer eine Lösung zu finden. Aber, so schränkt die Bürgermeisterin ein, „die Verwaltung muss auch funktionieren“.

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