Herdecke hat Zukunft als Wohnstandort

Die Menschen in Herdecke werden älter – darauf muss sich die Stadt einstellen. Der erste Rollatortag gab dafür ein gutes Beispiel.
Die Menschen in Herdecke werden älter – darauf muss sich die Stadt einstellen. Der erste Rollatortag gab dafür ein gutes Beispiel.
Foto: WP
Die sinkende Bevölkerungszahl wird Herdecke verändern. Aber die Veränderung lässt sich gestalten, wie Andrea Dittrich-Wesbuer vom Institut für Landes- und Stadtentwicklung (ILS) deutlich machte.

Herdecke..  Die Herdecker sollten davon ausgehen, dass die Bevölkerungszahl weiter schrumpft. Schon über zehn Prozent sind im letzten Vierteljahrhundert verloren gegangen, „ohne dass wir es großartig bemerkt haben“, stellt Klaus Reuter fest. Er ist Mitglied des Rates, stand jetzt aber als einer von drei Experten zum Demografischen Wandel am Rednerpult. Herdecke wird sich weiter verändern, so seine Botschaft. Die Veränderungen lassen sich gestalten, machte Andrea Dittrich-Wesbuer vom Institut für Landes- und Stadtentwicklung (ILS) den Politikern Mut. Die Flüchtlinge werden dabei eine Rolle spielen, auch wenn diese noch nicht klar zu berechnen ist, so Uwe Tietz vom Ennepe-Ruhr-Kreis.

Lange Zeit zogen die Menschen aus den Städten aufs Land. Doch der Trend hat sich umgekehrt. „Hauptsächlich wachsen die Städte“, sagt Andrea Dittrich-Wesbuer. Die richtig großen alle. Bonn, Düsseldorf oder Köln können sich über mehr Einwohner freuen, auch Dortmund. Bei den Städten zwischen 50 000 und 500 000 Einwohnern ist das Bild nicht einheitlich. Siegen und Wuppertal verlieren, vor allem aber Hagen. Als kleine Stadt muss Herdecke damit rechnen, weiter an die Metropolen abzugeben.

„Wir werden immer weniger, die immer mehr bezahlen müssen“, stellt Klaus Reuter fest. Auf höhere Geburtenraten setzt er wenig Hoffnung. Das Gegensteuern ist nicht einfach. Auch andere Städte wollen sich mit dem Bürgerschwund nicht abfinden. „Wir müssen von 20 000 aus denken“, sagt Reuter, das sind noch mal zehn Prozent weniger als jetzt. „Was sollen wir sein als Stadt?“, fragt er als Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW die Damen und Herren im Rat und hat auch eine Antwort parat: „Herdecke ist ein idealer Wohnstandort“.

Andere Waren, andere Geschäfte

Wenn es weniger Menschen in der Stadt geben wird und diese dazu im Schnitt auch noch älter werden, wird sich auch das Bild der Stadt verändern, ist Reuter überzeugt. Andere Dienstleistungen sind gefragt, andere Geschäfte werden eröffnen, andere Waren angeboten werden. Und doch will er dem Aderlass nicht einfach zusehen. Schon jetzt kehren viele Menschen relativ früh ihrer Heimatstadt den Rücken zu - wenn sie gerade mal zehn sind und sich für eine weiterführende Schule entscheiden müssen. Natürlich wohnen sie weiter in Herdecke, aber der starke Wechsel zu Schulen in Nachbarstädten zeigt, dass Herdecke hier nicht so verlockend ist. „Ein gutes Bildungsangebot ist wichtig, um junge Menschen zu binden“, sagt Klaus Reuter. Das gilt für die Schulzeit, das gilt aber auch für die Jahre nach dem Abitur, wenn die Söhne und Töchter Herdeckes mit Ausbildung und Beruf fertig sind und überlegen, wo sie sesshaft werden wollen.

Vielfach treiben die Flüchtlinge die Einwohnerzahl wieder etwas nach oben. Auch in Herdecke macht sich das aktuell bemerkbar. „Ob die alle hier bleiben, wird man sehen“, dämpft Uwe Tietz vom Ennepe-Ruhr-Kreis die Erwartungen und zeigt Verständnis. Die Flüchtlinge sind dankbar für die Aufnahme, streben aber auf Dauer an die Orte, wo mehr von ihren Landsleuten sind - also auch wieder in die größeren Städte. Für die Herdecker hat Tietz Lob mitgebracht. Ihre Innenstadt habe sich wie höchstens noch die von Gevelsberg gewandelt. Und auch in einem anderen wichtigen Punkt sind die Herdecker auf dem richtigen Weg. Sie fahren Bürgerbus und haben den Brotkorb auf gemacht. „Bürgerschaftliches Engagement muss gestärkt werden“, so Tietz, „nur so ist die demografische Entwicklung zu bewältigen.“

Weichen sind gestellt

Und wie sonst noch? Zwei bis drei Handlungsempfehlungen wünschte sich SPD-Fraktionschefin Nadja Büteführ schon. „Nichtstun ist das Allerschlimmste“, sagt Andrea Dittrich-Wesbuer. Ihre Erfahrung: „Die Städte, die etwas gemacht haben, die ein Signal gesetzt haben, stehen besser da.“

Herdecke hat immerhin schon einen Demografiebericht und diesen sogar in einer aktualisierten Fassung. Und die Weichen für Workshops mit der Bevölkerung sind auch schon gestellt.

 
 

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