Grünen-Vorstoß für Erdkabel in Herdecke wohl ohne Erfolg

Diese Kunststoffrohre für Erdkabel liegen auf der Amprion-Baustelle im nordrhein-westfälischen Raesfeld. Während hier rund 3,5 Gigawatt Windstrom von der Nordsee transportiert werden soll,  ist für Herdecke keine Gleich-, sondern eine Wechselstromtrasse vorgesehen.
Diese Kunststoffrohre für Erdkabel liegen auf der Amprion-Baustelle im nordrhein-westfälischen Raesfeld. Während hier rund 3,5 Gigawatt Windstrom von der Nordsee transportiert werden soll, ist für Herdecke keine Gleich-, sondern eine Wechselstromtrasse vorgesehen.
Foto: dpa
Die Grünen fordern nach den Signalen aus Berlin Erdkabel für die neue Stromtrasse in Herdecke. Die Bezirksregierung und Amprions sind skeptisch.

Herdecke..  Die Fraktion von Bündnis90/Grüne will im nächsten Ausschuss für Umwelt und Klima am 12. November und bei der Ratssitzung am 3. Dezember die vermeintlich gestiegenen Chancen von Erdkabeln für die 380-kV-Höchstspannungsleitung durch Herdecke thematisieren. Aufgrund der Beschlüsse des Bundeskabinetts vom 7. Oktober soll darüber beraten werden, ob diese Auswirkungen auf die Freileitungs-Planungen mit bis zu 87 Meter hohen Masten der Firma Amprion haben könnten.

Die Bundesregierung will mehr Erdkabel vor allem bei den Gleichstromtrassen fördern, schreiben Peter Gerigk und Andreas Disselnkötter von den Grünen. Wechselstromtrassen – wie in Herdecke vorgesehen – sollen wohl weiter in der Regel als Freileitungen gebaut werden können, jedoch soll die Anzahl der Pilotvorhaben in diesem Bereich erheblich erhöht werden. Gleichzeitig hat das Kabinett in Berlin eine so genannte „Formulierungshilfe“ für die Regierungsfraktionen von CDU und SPD beschlossen.

Einfluss auf Verfahren nehmen

„Direkte Folgen für die Planung der durch Herdecke geplanten 380-kV-Höchstspannungsfreileitung ergeben sich durch diese Beschlüsse aber zunächst – leider – nicht“, heißt es in dem Antrag der Grünen. „Das genau ist aber in keiner Weise einzusehen. Warum sollen in weiten Teilen der Republik Erdkabel gelegt werden, während die durch Herdecke geplante Freileitung aber unverändert gebaut werden (nach den Kabinettsunterlagen bis Ende 2017)?“

Angesichts dessen fragt sich die Fraktion, welche Schlussfolgerungen für die Planungen in Herdecke abzuleiten sind. „So ist jetzt zu prüfen, ob nicht durch entsprechende Beschlüsse der Stadt Einfluss auf das weitere Gesetzgebungsverfahren genommen werden kann, um auch für Herdecke das zu erreichen, was andere Regionen im Land mit diesen Beschlüssen und dem zu erwartenden Gesetz bekommen, nämlich Erdkabel bzw. alternative Trassen.“ Zudem sollte die Bezirksregierung Arnsberg jetzt aufgefordert werden, auf den Netzbetreiber Amprion einzuwirken, um die Aufnahme der durch Herdecke gehenden Leitung in eines der neuen Pilotprojekte für Erdkabel zu fordern.

Eingeleitete Verfahren nicht berührt

Auf Anfrage teilte Werner Isermann als zuständiger Fachdezernent der Bezirksregierung mit, dass er über das laufende Verfahren zur Trasse Kruckel-Garenfeld (mit Herdecker Gebiet) derzeit keine Stellungnahme abgeben kann. Er verweist auf das Gesetzgebungsverfahren, wobei nach dem letzten bekannten Entwurf des Energiewirtschaftsgesetzes sowie des Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG) die eingeleiteten Verfahren vom Geltungsbereich ausgenommen seien. Anders gesagt: Da die Leitungspläne für das Herdecker Gebiet vor dem jüngsten Bundesregierungs-Beschluss eingereicht wurden, komme der Vorstoß aus Berlin für das hiesige Planfeststellungsverfahren zu spät.

Dazu wurden die vier EnLAG-Vorhaben mit Erdverkabelungsmöglichkeit in Teilabschnitten um zwei erweitert, sie liegen aber alle in anderen Bezirken. „Daher ist eine Möglichkeit zur Erdverkabelung für die Freileitung Kruckel-Dauersberg in Drehstrom (Nr. 19 EnLAG) ausgeschlossen“, teilt Isermann mit. Der Antrag der Grünen zur Ausweitung der Erdverkabelungen betreffe die Gleichstromtrassen nach Bundesbedarfsplangesetz. Und diese liegen in anderen Regionen Deutschlands, wie es im Netzentwicklungsplan einzusehen sei.

Claas Hammes als Projekt-Sprecher von Amprion betont mit Blick auf Herdecke, dass „wir für diese Trasse keine Erdverkabelung beantragen können, da die aktuelle Gesetzeslage nur vier Wechselstrom-Erdkabelpilotprojekte vorsieht.“ Das erste Erdkabel der Pilotprojekte hat Amprion in Raesfeld verlegt. Dies ist aber noch nicht in Betrieb. Weltweit gebe es noch keine Erfahrungswerte zu Wechselstrom-Erdkabeln im Höchstspannungsnetz.

EURE FAVORITEN