Geteilte Autos bringen doppelte Freude

Klaus Görzel
Der Verein Statt-Auto Herdecke stellt vier Autos an drei Standorten zur Verfügung.
Der Verein Statt-Auto Herdecke stellt vier Autos an drei Standorten zur Verfügung.
Foto: WP
41 Herdecker machen mit beim Projekt „Statt-Auto“ und teilen sich vier Fahrzeuge. Jüngste Anschaffung ist ein Kombi. Er ist in der Stadt wendig, kann aber auch eine ganze Familie mit Gepäck in den Urlaub bringen.

Herdecke.  Wer teilt, hat weniger. Beim Car-Sharing ist das anders, sagt Michael Ronnefeldt vom „Verein für anders Mobilsein“ in Herdecke. Wer sich ein Auto mit anderen teilt, hat kaum Verzicht beim Komfort, dafür aber einen Gewinn im eigenen Geldbeutel - und bei der persönlichen Klimabilanz.

Ronnefeldt fängt mit dem Energiesparen schon früh an: Gleich nach dem Aufstehen geht’s unter die Dusche, und das Duschwasser fängt ein Putzeimer auf. Was sich in dem Eimer sammelt, steht den Tag über für die WC-Spülung bereit. Für den Kaffee lässt Ronnefeldt das Wasser laufen, bis es heiß aus dem Kran strömt. „Heißes Wasser von der Pellet-Heizung verbraucht weniger Energie als beim Kochen auf der Herdplatte“, weiß Ronnefeldt. Nach dem Frühstück schwingt er sich aufs Rad und braust zu Arbeit.

Ist so viel Klimabewusstsein nicht anstrengend?

Nein, entgegnet der 50-Jährige. „Ich will einen Klimagewinn, ohne dabei Komfort einzubüßen“, sagt er. Wenn er mit dem Rad einen flotten Weg zu seinem Versicherungsbüro nimmt, ist das für ihn ein Gewinn. Und wenn er in den nächsten Jahren nicht in die Mucki-Bude muss, ist das erst recht ein Vorteil. Gewonnene Zeit, behaltenes Geld, erhaltene Gesundheit. „Im Grunde bin ich ein bequemer Typ.“

Ein Kinobesuch - zehn Euro

Klar hat er auch mal ein eigenes Auto gefahren. Als er vor zehn Jahren nach Kirchende gezogen ist, war das ganz praktisch. Beim Bauen, dann beim Umzug. Aber irgendwann war das Auto verzichtbar - und so ist Ronnefeldt zum Teilhaber geworden. Nun steht er nicht ohne Auto da, wenn er mal eins braucht. „Wenn ich tanzen gehe, ist das der Fall“, erzählt Ronnefeldt, „Abzappeln“, schiebt er nach. In Dortmund kann er das gut oder in Bochum oder in Witten. Manchmal ist die Eintrittskarte auch gleich ein Fahrschein für den Bus. Aber wenn für ihn der letzte Bus von Witten um 22.30 Uhr fährt, steigt er doch lieber in ein Auto, das andere gerade nicht brauchen.

Die Rechnung ist einfach. 80 Cent die halbe Stunde plus 21 Cent der gefahrene Kilometer - Benzin inbegriffen. Auf zehn Euro veranschlagt er einen Kinobesuch, was die Fahrtkosten angeht. „Das ist wenigstens transparent. Die meisten Leute zahlen ihr Auto und sehen dann nur noch die Spritkosten“. Für Autofahrer mit einer jährlichen Fahrleistung von rund 10.000 Kilometern ist das eine große Selbsttäuschung. Sie würden bei dem Motto „Fahre und teile“ sparen können, ist Ronnefeldt überzeugt.

Skoda Fabia Kombi im Sortiment

41 Herdecker machen aktuell mit beim Projekt „Statt-Auto Herdecke“. Vier Fahrzeuge stehen ihnen zur Verfügung. Drei Standorte gibt es zum Abholen und Abstellen, zwei davon in Nähe des Krankenhauses, der dritte am Bahnhof. Die jüngste Anschaffung ist ein Skoda Fabia Kombi. Der Preis war der eines Kleinwagens, das Preis-Leistungs-Verhältnis aber besonders gut. Der Wagen ist in der Stadt wendig, er kann aber auch eine ganze Familie mit Gepäck in den Urlaub bringen.

Wissenschaftler geben den Teilungsfreudigen zusätzlichen Auftrieb. Ein einziges Car-Sharing-Auto ersetzt sechs bis acht Autos der ursprünglichen Autobesitzer. Ein Effekt, der auch deshalb besonders im Geldbeutel spürbar wird, wenn die Entscheidung fürs Car-Sharing fällt, „wenn das eigene Auto schrottreif ist“. Das gilt besonders für Zweitwagen. Denn so mancher Auto-Teiler ist durchaus noch ein Autoeigner. „Das sieht man daran, dass in den Ferien unsere Autos weniger gebucht sind. Deshalb machen wir in diesen Zeiten auch immer Sonderaktionen.“

Während die Mitglieder des „Vereins für anderes Mobilsein“ mit dem Erstwagen auf Reisen sind, kann also geschnuppert werden. Auch dabei wird nur nach Zeitverbrauch und gefahrenen Kilometern abgerechnet.

Die Aufnahmegebühr von 50 Euro und fünf Euro Monatsbeitrag muss nur zahlen, wer dauerhaft beim Autofahren sparen möchte

Reserviert für Fahrzeuge der Auto-Teiler.