Fotograf Erik Oettinghaus sucht nach verlorenen Orten

Erik Oettinghaus nimmt mit einigen Fotos an der urbEXPO 2015 teil. In Wetter hat er außergewöhnliche Aufnahmen vom Harkortturm gemacht.
Erik Oettinghaus nimmt mit einigen Fotos an der urbEXPO 2015 teil. In Wetter hat er außergewöhnliche Aufnahmen vom Harkortturm gemacht.
Foto: Erik Oettinghaus
Auf der Suche nach vergessenen Orten: Fotos von Erik Oettinghaus aus Wetter sind ab Ende Juli in der Bochumer Ausstellung „urbEXPO“ zu sehen.

Wetter.. „Take nothing but pictures. Leave nothing but footprints.“ Nimm nichts außer Bilder, hinterlasse nichts außer Fußspuren: Das ist das Credo der Fotografen, die das Unsichtbare sichtbar machen. Die verlorene Orte suchen und fotografieren. Mit der Kamera machen sich Menschen auf, um ihre Stadt zu erkunden. „Urbexer“ nennen sie sich, aus dem englischen Begriff urban Explorer abgeleitet.

Spuren hinterlassen

„Dabei geht es nicht nur um große Städte, sondern um alle Räume, in denen Menschen ihre Spuren hinterlassen haben“, sagt Erik Oettinghaus, der bereits an vielen Orten seine Fußspuren hinterlassen hat. Einige Bilder, die er dort gemacht hat, sind vom 31. Juli bis 30. August bei der „urbEXPO“ in Bochum zu sehen. In den Gärkellern der ehemaligen Schlegel-Brauerei (direkt gegenüber vom Rathaus und der Christuskirche Bochum) zeigen 22 Fotografen und Künstler ihre Arbeiten zu den „Lost Places“ und dem Thema Ästhetik des Verfalls.

Aufgewachsen ist Erik Oettinghaus in Wetter, am Rande des Ruhrgebietes also. Und doch hat der 40-Jährige ein Lebensgefühl für den Pott entwickelt. Pottfotograf nennt er sich, streift mit der Kamera durchs Revier und sucht Dinge an der Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit. „Am liebsten bin ich allein unterwegs“, sagt Oettinghaus. „Dann kann ich mich auf einen Ort wirklich einlassen, mich dort verlieren.“ Dabei weiß der Fotograf aber auch, dass derartige Ausflüge gefährlich werden können. Nicht nur, weil die vergessenen Orte schon von anderen besetzt sind. „Obdachlose, Sprayer oder Jugendliche, die Party machen – es können einem viele begegnen“, sagt der Wetteraner. Mit einer wertvollen Kameraausrüstung im Rucksack muss man also vorsichtig sein.

Helfer in der Not

Auch die Orte selbst sind oft gefährlich, weil baufällig und ungesichert. Festes Schuhwerk und eine starke Taschenlampe gehören also neben dem Stativ und der Canon EOS 60 D zur Ausrüstung. „Und ein Mensch im Hintergrund, der weiß, wo ich bin.“ Nur dieser mögliche Helfer in der Not erhält die Informationen, welche Orte der Fotograf mit seiner Kamera vor dem Vergessen bewahrt. „Würden wir die Plätze preisgeben, wären sie sicher schnell zerstört“, sagt Oettinghaus.

Die große LED-Lampe nutzt Erik Oettinghaus übrigens nur, um sich zu orientieren. Für seine Bilder reicht das Licht, das vorhanden ist. „Das können ein paar Strahlen sein, die durch eine halbgeschlossene Jalousie fallen oder durch eine offene Tür.“ Hier kommt dem Fotografen dann noch ein wenig die moderne Technik entgegen, die ermöglicht, mehrerer Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten miteinander zu kombinieren. „Das Ergebnis entspricht eher der Wirklichkeit, weil das Auge viel mehr Licht wahrnimmt als eine Kamera das kann“, erklärt Oettinghaus.

Perspektive ist das A und O

Wichtiger als die technische Bearbeitung ist dem 40-Jährigen allerdings das Motiv. „Die Perspektive muss stimmen“, sagt er und erinnert sich daran, dass er als Kind schon beim künstlerisch aktiven Vater vieles über Bildaufbau gelernt hat. „Ich habe auch immer gerne gezeichnet und gemalt, doch das braucht viel Zeit. Die Kamera ist erst durchs Studium dazugekommen.“ Im Fach Medienpädagogik hat sich Oettinghaus, der heute als Sozialpädagoge arbeitet, intensiv mit dem Thema Fotografie auseinandergesetzt und so sein Hobby gefunden. Nun sucht er vergessene Orte. Und investiert seine Zeit, sie für andere Menschen sichtbar zu machen.

 
 

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