Enttäuschung über fehlende Alternativ-Trassen

Während des Streitgesprächs ging es auch um die Firma Amprion selbst. Sprecher Preuß zufolge sei diese mit 1100 Mitarbeitern ein mittelständisches Unternehmen und laut eigener Internetseite ein „innovativer Dienstleister“. Das Adjektiv nahm ein Anwohner auf und kritisierte, dass sich Amprion zu sehr hinter Gesetzen verstecke und daher mit Blick auf die Sorgen der Menschen „arrogant“ wirke. Und am Ende würden die Kosten für die neue Trasse über die Netznutzungsentgelte ohnehin auf den Verbraucher umgelegt. „Dabei hat sich die Technik weiter entwickelt, also sollten Sie es sich von Amprion nicht so leicht machen.“

Ein anderer Besucher drückte am Redaktionsmobil seine Enttäuschung darüber aus, dass Amprion in dem Planfeststellungsverfahren zu wenig über alternative Trassenverläufe etwa entlang der A1 und A45 mitgeteilt habe, wobei die Stadt Herdecke diese Prüfung 2011 gefordert habe. „Das wurde im Raumordnungsverfahren verworfen, da der Gesetzgeber sagt, dass wir in der alten Trassenführung bleiben sollen“, antwortete Hammes mit Blick auf eine „rechtssichere Planung“ und die Entscheidungen des Bundesenergieministeriums. Darauf entgegnete Ahlborn von der Bürgerinitiative, dass eine Trasse entlang der Autobahn vorzuziehen sei. „Alles andere ist ein Stück aus dem Tollhaus.“

Preuß verwies darauf, dass nach vielen Prüfungen eine Vorzugstrasse festgelegt wurde. „Wenn die Bezirksregierung eine andere als besser geeignet ansieht, wird unser Vorschlag nicht umgesetzt. Wir planen mit der rechtssicherchsten Variante und gehen davon aus, dass diese genehmigt wird. Wir sind für eine technisch sichere Stromversorgung verantwortlich und müssen neben menschlichen Aspekten auch auf Tiere oder Landschaften Rücksicht nehmen.“ Dazu gebe es vom Gesetzgeber festgelegte Grenzwerte für die elektrischen und elektromagnetischen Felder. „Wir bleiben darunter.“ Preuß kenne keine Studie, wonach von Amprion-Leitungen Gesundheitsgefahren ausgehen. Zudem bezweifle er, dass durch die Trasse die Grundstücke schlechter verkauft werden könnten, da es gesetzliche Vorgaben zu Entschädigungen in Leitungsschutzzonen gebe. „Wir machen keine Geschäfte auf Kosten der Leute.“

Auch Kostenfragen kamen mit Blick auf den knapp elf Kilometer langen Abschnitt zwischen Kruckel und Garenfeld zur Sprache. Für einen Kilometer Freileitung fallen laut Amprion etwa 1,5 Millionen Euro an. „Und eine Erdverkabelung ist keine Kostenfrage, sondern vom Gesetzgeber rechtlich an dieser Trasse bis Dauersberg nicht zulässig“, meinte Preuß, der für den Leitungsbau knapp ein Jahr veranschlagt.

Großes Fundament nötig

Damit zu den Fragen zur Umsetzung. Für einen 87 Meter hohen Masten müsste etwa zwecks Fundament ein 17 mal 17 Meter großes Feld mit einer Tiefe von 26,5 Metern bereitstehen, rechnete ein Bürger vor. Der wollte auch wissen, was mit Landschaftsschutzgebieten sei. Laut Preuß habe Amprion Umweltverträglichkeitsstudien im Blick, und nach den Bauarbeiten müsse man die Umgebung wieder so verlassen, wie sie vorgefunden worden sei. Beispiel: Gefällte Bäume müssten wieder neu gepflanzt werden.

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