Ender Klinik rüstet sich für die Zukunft

Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke.
Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke.
Foto: WP
Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke will mit geplanten Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren neue Bettenhäuser und einen Funktionstrakt bauen. Der Weg ist dahin nicht einfach.

Herdecke..  Mit geplanten Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro will sich das Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus in den kommenden zehn Jahren fit für die Zukunft machen. In vier Bauabschnitten sollen neue Bettenhäuser und ein Funktionstrakt für Ambulanzen, OP-Säle und Kreißsäle gebaut werden. „Dabei gibt es Dinge, die zwingend angegangen werden müssen und solche, wo es schön wäre, sie zu haben“, sagt Geschäftsführer Christian Klodwig.

Wirtschaftlicher Druck

Zwingend ist nach Ansicht der Geschäftsführung der Neubau eines Bettenhauses. Hier passen nicht nur die Standards der Zimmer nicht mehr (Klodwig: „Manche haben keine eigene Sanitäreinrichtungen.“), auch die Größe der Stationen ist nicht mehr wirtschaftlich. „Wir haben Stationen mit 20 Betten, Standard sind heute aber bis zu 60 Patienten, die auf einer Station versorgt werden“, erklärt Klodwig auch den wirtschaftlichen Druck, der auf dem Krankenhaus lastet. In die Dimensionen der privaten Krankenhausbetreiber wollen sich die Herdecker aber nicht vorwagen. „Das passt nicht in unser Konzept.“ Geplant sind nun Stationen mit 30 bis 40 Betten.“

Bevor überhaupt über einen Um- oder Neubau nachgedacht worden ist, hat das Führungsteam des GKH den Bestand analysiert. Jedes Zimmer, jede Kammer wurde mit Größe, Lage und Nutzung dokumentiert. „Dabei haben wir auch manche Überraschung erlebt“, sagt Anette Voigt, eine der Ärztlichen Direktoren am GKH. Vor allem sei aber klar geworden, dass in dem mehr als 40 Jahre alten Haus viele Prozesse nicht mehr rund laufen. „Wir liefern gute Arbeit, aber an manchen Stellen mit viel zu viel Aufwand für die Mitarbeiter“, sagt Anette Voigt. Diese Energie wolle man lieber in die Versorgung der Patienten stecken.

Neben der Bestandsaufnahme im Haus ist für den Weg in die Zukunft auch eine Analyse der künftigen Kunden wichtig. „Welche Patienten leben in der Region, welche anderen Versorger sind mit am Markt“, erklärt Christian Klodwig den analytischen Ansatz. Dabei liefert eine spezielle Software Statistik gestützte Daten, die ermöglichen, künftige Schwerpunkte in der medizinisch notwendigen Versorgung der Bevölkerung zu ermitteln. Für ein Krankenhaus wichtige Daten, um auch in der Konkurrenz zu anderen Kliniken ein eigenes Profil erarbeiten zu können.

Dabei befinden sich die Herdecker hier schon auf einem guten Weg, betont Klodwig. „Das laufende Jahr wird dank der tollen Leistung aller Mitarbeiter voraussichtlich mit einem ausgeglichenen Haushalt abgeschlossen werden können“, so der Geschäftsführer. Mehr Patienten, weniger Kosten – so soll es auch in Zukunft weiter gehen. „Denn sonst können wir unsere Baumaßnahmen nicht bezahlen“, sagt Klodwig. Die vom Land zur Verfügung gestellten Bau-Pauschalen reichten dafür nicht.

Dass das GKH auf einem guten Weg ist, macht die Suche nach Geldgebern einfacher. „Keine Bank finanziert eine Idee, da muss schon ein nachvollziehbarer Plan dahinter stehen“, sagt Klodwig. Dennoch muss auch für die Klinik der Weg in die Zukunft bezahlbar sein. „Wir müssen das Geld erwirtschaften, das wir investieren.“ Ein kompletter Neubau direkt neben der bestehenden, mehr als 40 Jahre alten Klinik, sei darum auch schnell verworfen worden. „Das hätte 170 Millionen Euro gekosten. Und zwar auf einen Schlag.“ So sind die Planungen nun in vier Bauabschnitte gegliedert, die unabhängig voneinander zu finanzieren sind.

Umbau nicht möglich

Neu gebaut werden muss dennoch, denn die bestehenden Gebäude lassen sich kaum für die neuen Anforderungen umbauen. Die in der sogenannten Schottenbauweise errichteten Häuser kann man nicht entkernen. „Alle Wände sind tragend“, so die bittere Erkenntnis. Doch der Zwang, auf freie Fläche auszuweichen, bringt auch Vorteile. „Wir können bei laufendem Betrieb bauen und stören die Patienten wenig“, erklärt Christian Klodwig.

Bevor diese allerdings den ersten Bagger sehen oder hören, wird noch einige Zeit vergehen. „Wir stehen am Anfang des Prozesses. Der erste Spatenstich wird frühestens Ende 2017 vorgenommen.“

EURE FAVORITEN