Eine Tür-auf-Tür-zu-Komödie macht Karriere

Wetter.  Theaterleute sind abergläubisch. Die Premiere am 11.11.11 „war sicherlich ein gutes Omen“, schmunzelt Klaus Mitschke. Vielleicht ist „Zu früh getraut“ aus seiner Feder auch einfach nur ein gutes Stück. Fürs Koffertheater hat der Wetteraner das Stück geschrieben. Ein halbes Dutzend Bühnen denkt momentan daran, die Komödie zu übernehmen.

Anzeichen, dass es mit diesem Stück noch besser laufen würde als mit anderen, gab es schon länger. Wenn 1500 Zuschauer eine Produktion sehen, so wie bei „Arsen und Spitzenhäubchen“, sind die Macher vom Koffertheater meist schon sehr zufrieden. Bei „Zu früh getraut“ waren es am Ende mehr als 2000. Wohl auch deswegen hat Klaus Mitschke das Skript an den Deutschen Theaterverlag geschickt - und hält jetzt die gedruckte Ausgabe in Händen.

Zum Koffertheater ist er Ende der 80er-Jahre gekommen. „Da war was los!“, erinnert Mitschke sich an die Zeit kurz vor der Wende. Kabarett wollte er machen, zusammen mit Stefan Keim, Thomas Klutzny und Lars Hesse. Beinahe täglich wechselte der Staatsratsvorsitzende in der scheidenden DDR. Bei einem Auftritt im Hasper Hammer lief einmal hinter der Bühne das Radio, um auf dem neuesten Stand spotten zu können. Kabarett, das war spielen, vor allem aber auch texten. Sketche waren mit zehn Minuten schon lang. Mittlerweile sind die Stücke abendfüllend. Übung bekam Klaus Mitschke bei den Nummern der legendären „Mitternachtsshows“ des Koffertheaters. Dann traute er sich an große Literatur. Aus dem „Prozess“ von Frank Kafka wurde unter seiner Hand ein Stück für die Bühne. „Alle Leute weigern sich, das zu spielen“, sagt Klaus Mitschke und lacht: „Weil’s Kafka ist“. Sein vollkommen eigenes Stück ist aus einem anderen Holz geschnitzt.

Oberhausen ist vorneweg

Ein junger Mann wacht auf und stellt fest, dass er am Vorabend seiner lange geplanten Hochzeit die Dame in der Torte geheiratet hat. Braut und Schwiegermutter sind wenig amüsiert. „Man denkt sich eine Situation aus, nimmt das Schlimmste, was vorstellbar ist - und setzt noch einen Drauf“, verrät er das Rezept seines Schaffens. Herausgekommen ist eine reine Kömodie, ohne Tiefgang, wie ihr Autor sagt, dafür aber mit Tempo auf die Bühne gebracht. „Tür-auf-Tür-zu-Komödien“ hieß diese Art zu spielen beim Koffertheater. Nun kann mit dem Text Skript-auf-und-Skript-zu gespielt werden.

Eine nachgereichte DVD hat den Deutschen Theaterverlag überzeugt. Jetzt kann der Text des Stücks im Internet herunter geladen werden - aber nur die erste Hälfte. Wer spielen will, wie’s weitergeht, kann das vollständige Buch im Rollensatz bestellen. Tantiemen hat Klaus Mitschke noch nicht gesehen, aber er hat gute Aussichten auf eine Vergütung. Sechs Amateurbühnen wollen sich an das Stück heranmachen. In Oberhausen gibt es bereits einen Premierentermin. Zu den Proben wird Mitschke wohl nicht fahren. „Die Kontaktaufnahme mit Autoren ist eher unüblich“, sagt er und macht sich freudig auf Überraschungen gefasst. Denn am Premierenabend will er unbedingt dabei sein. Auch wenn der 19. Januar 2014 nicht ganz so magiegeladen scheint wie der Termin der Uraufführung.

 
 

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