Ein dreistelliger Euro-Betrag als Entschädigung

Herdecke/Witten..  Beim Blick ins Grüne hat sich Hans Georgi (Name von der Redaktion geändert) an Stromleitungen gewöhnt. Direkt neben seinem Grundstück an der Stadtgrenze Herdecke-Witten verläuft die dreiteilige Trasse der Betreiber RWE, AVU und Deutsche Bahn. 2012 konnte er von seinem Garten aus Mastarbeiten beobachten. Welche Auswirkungen die neue Amprion-Höchstspannungsleitung für ihn habe, sei bis ins vergangene Jahr unklar gewesen. „Es gab ein Anschreiben, das für Vermessungsarbeiten Leute das Grundstück betreten wollen. Es wurde aber nie konkretisiert, ob und wie ich betroffen bin.“ Also habe er das Informationsschreiben erst einmal weggelegt.

Welch massive Beeinträchtigung auf ihn und seine Familie zukomme, sei Georgi dann erst im letzten Jahr bewusst geworden. „Da kam ein Mitglied der jüngst gegründeten Prozessgemeinschaft auf mich zu und sagte mir, dass es ernst werde.“ Der Grundstücksbesitzer an der Stadtgrenze Herdecke-Witten besuchte Informationsveranstaltungen und reichte im Herbst 2015 fristgerecht seine Einwände gegen den Trassenbau bei der Bezirksregierung ein.

Erstaunte Nachfrage

Auf einmal wurde es dann richtig spannend, als die Geodaten-Firma IMP bei Georgi vorbeikam und ihm einen unterschriftsreifen Vereinbarungsvertrag für sein Grundstück mitbrachte. Dieser enthielt ein Angebot für einen unbefristeten Grundbucheintrag, sofern er seine Fläche dienstbar mache. „Einer meiner Vorfahren hat vor knapp 80 Jahren ein paar Reichsmark für den Eintrag einer Leitung bekommen, mir haben sie jetzt einen Euro-Betrag im unteren dreistelligen Bereich angeboten. Das war und ist mir zu wenig“, berichtet er. Er habe dann einen Gegenvorschlag unterbreitet. „Ist das Ihr Ernst?“, habe die Gegenseite gefragt. „Ja“, habe Georgi geantwortet, „ich habe dieses Gespräch als Verhandlung gesehen. Das war vor knapp einem Jahr, seither habe ich nichts mehr gehört.“ Er habe vernommen, dass Amprion Betroffenen einen Euro pro Quadratmeter Fläche zahlen will, wenn eine Leitung ein Grundstück überspannt.

Der konkrete Geldbetrag sei ihm aber auch nicht allzu wichtig. Georgi fürchtet vielmehr einen Zwangseintrag, sollte das Projekt durchgezogen werden und alle Widerstände vergebens bleiben. Rechtlich kann er die Situation nur schwer einschätzen, daher schloss er sich der Prozessgemeinschaft an. „Wir wollen nichts unversucht lassen und haben auch die nachfolgenden Generationen im Blick, die von dieser neuen Trasse betroffen wären.“ Dabei denkt er an gesundheitliche Folgen oder Grundstücks-Entwertungen. Je nach Witterung und Luftfeuchtigkeit hört und spürt er die Leitung auch heute schon. „Es geht ja nicht nur um uns Anwohner, auch die Natur und Tierwelt sind betroffen.“

Andere haben schon eingewilligt

Über Gespräche weiß Georgi, dass mancher Grundstücksbesitzer per Unterschrift der neuen Trasse den Segen erteilt habe. „Es fiel dabei das Argument, dass wir ja eh keine Chance haben, dagegen etwas zu unternehmen.“ Er fordert, die Trasse neu zu planen und dabei Sicherheitsabstände zur Wohnbebauung stärker zu berücksichtigen. „Ich sehe auf der Gegenseite zuvorderst wirtschaftliche Interessen.“

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