Die Wirtschaft braucht mehr Raum in Wetter

Auf das Gewerbegebiet Am Stork kann Wetter nach Ansicht von Christoph Brünger nicht verzichten.
Auf das Gewerbegebiet Am Stork kann Wetter nach Ansicht von Christoph Brünger nicht verzichten.
Foto: Manuela Nossutta
Der SIHK-Unternehmensexperte Christoph Brünger hielt im Fachausschuss in Wetter ein Plädoyer für eine Gewerbeflächen-Vorratspolitik.

Wetter..  „Wirtschaft braucht Raum“, hatte Christoph Brünger seinen Vortrag überschrieben, den er im jüngsten Stadtentwicklungs-, Wirtschaftsförderungs- und Bauausschuss hielt. Anschaulich und faktenreich erläuterte er, warum das so ist.

Dem Leiter des Geschäftsbereichs Standortpolitik, Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der SIHK gelang es, seine Analyse einzubetten in das Gesamtgefüge des heimischen Raums. Die facetten- und kenntnisreiche Darstellung fesselte die Ausschussmitglieder, die mehrfach anregten, noch mal eine Diskussion über dieses Thema in anderem Rahmen zu führen.

Abhängig vom Mittelstand

Brünger lenkte zu Beginn den Blick auf die Region als Industrieregion, die abhängig vom Mittelstand und familiengeführten Betrieben ist: „Das Miteinander von Industrie, Leben, Wohnen, Familie und Natur hat hier immer funktioniert, und das soll auch in Zukunft so bleiben.“ Notwendig sei vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass Wirtschaft Raum braucht, eine vorausschauende Ausweisung verfügbarer Gewerbeflächen. Dabei sei es Fakt, dass Flächenpotenziale abnehmen, während der Anteil an Nutzungseinschränkungen steige: 30,88 Prozent des noch vorhandenen Flächenpotentials im Ennepe-Ruhr-Kreis weisen schwerwiegende Restriktionen auf. Das Flächenpotential in Wetter liege bei 16,68 Hektar, die mittelfristig als Gewerbefläche ausweisbar seien. „Und da ist der Stork schon drin“, betonte Brünger.

Stork wichtig für Wetter

Kurzum bedeute dies: „Das Potenzial in Wetter ist erschöpft“. Die Frage nach der Notwendigkeit von Gewerbeflächen beantwortete Brünger mit einem Blick auf Bevölkerungs- und Arbeitsmarktentwicklung: Trotz Schließung von Reme, Rheinform, Knorr Bremse etc. sei die Arbeitsplatzdichte bei rückläufiger Bevölkerung in Wetter überdurchschnittlich angestiegen.

Hier habe sich gezeigt, dass ein intelligenter Mix aus Flächenreaktivierung und Flächenentwicklung wichtig sei. Deswegen, so Brünger, sei auch das Gewerbegebiet Stork wichtig für Wetter: „Die reflexhafte Forderung: ,Bring erst mal einen Investor, dann sehen wir weiter’ ist der falsche Weg.“ Christoph Brünger: „Es muss eine angebotsorientierte Gewerbeflächenpolitik geben. Unternehmen benötigen manchmal schnell neuen Flächen, deswegen ist es wichtig, für die Industrie ein Angebot an Flächen vorzuhalten.“ Die Vergangenheit habe u.a. am Beispiel von Burg gezeigt, dass allein eine Flächenvorratspolitik der richtige Weg sei, um Unternehmen an den Standort zu binden. „Kommunen ohne Flächenpolitik können sich als Wirtschaftsstandort aufgeben“, so der SIHK-Experte, „sie brauchen dann auch nicht mehr über Wohnen und Kultur nachzudenken. Ich halte das für gefährlich.“ Denn, so argumentierte Brünger, hinter jedem Arbeitsplatz in einem Unternehmen stehe eine lokale Wertschöpfungskette. Unternehmen schafften sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze.

Wirkungsketten kleinräumig

Als abwegig bezeichnete er Gedanken, freie Flächen etwa in Bochum zu nutzen. „Das funktioniert nicht. Man kann Betriebe nicht einfach 30 Kilometer verlegen. Die Wirkungsketten sind kleinräumig. Und Gewerbeflächen muss man auch mit anderen Standortfaktoren gemeinsam diskutieren“, so Brünger. Deswegen halte er es auch nicht für sinnvoll, Flächen gemeinschaftlich zu entwickeln.

Auf die Anregung von Rainer Peitz (AfD), auch eine Universität wie die in Bochum bringe ja Arbeitsplätze, meinte Brünger: „Die Begabung dieser Region liegt in der industriell-gewerblichen Produktion. Man kann doch nicht die Bochumer Uni gegen die heimische Industrie halten und das eine gegen das andere ausspielen.“

Sigrid Haag von den Grünen wollte wissen, welche Möglichkeiten die Reaktivierung von Brachflächen biete. Grundsätzlich sei das zu begrüßen, so Brünger, aber: „Die Problematik der Altlasten darf man nicht vergessen. Denn bei Verdachtsflächen geht das Risiko auf den Erwerber über und die Finanzierung wird schwierig.“

Auf die Frage von Peter Zinn (SPD), wie lange es seiner Einschätzung nach dauere, bis das Gewerbegebiet Am Stork vermarktet sei, antwortete Christoph Brünger: „Es geht nicht um den schnellen Vermarktungserfolg. Aber ich denke, das wird keine fünf Jahre dauern.“

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