Die Sage zur Teufelskanzel in Herdecke

Herdecke..  . . . Schon in frühester Zeit verweilten die Pilger und Wanderer gern auf dem weitläufigen Gelände der alten Syburg, um sich an der Aussicht ins Tal und in die Sauerlandberge zu erfreuen. Und sie blickten auch nach Westen ins Ruhrtal. Dort fällt der Blick zuerst über die bewaldete weite Schlucht auf steil abfallende Felsen, die von Klippen gekrönt sind. Eine von ihnen, die am weitesten hervorragt, heißt die Teufelskanzel, heute wie damals.

Die Sage erzählt, dass zuweilen Wanderer, die um Mitternacht von der Ruhr nach Syburg hinaufstiegen, dort auf der Teufelskanzel einen Reiter auf einem Schimmel gesehen haben. Der Reiter schaute für kurze Zeit zur Burg hinüber, bevor er einen mächtigen Sprung tat und in der Luft wie ein Nebelschwaden zerstob. Immer, wenn man die Erscheinung gesehen hatte, war eine Notzeit in Syburg angebrochen. So kam es, dass die Menschen in der Umgebung diese Klippe als eine Kanzel angesehen haben, von der aus der Teufel ankündigte, dass seine Herrschaft mit Not und Unheil in Syburg anbrechen werde.

Aber warum zeigte sich der Teufel in der Gestalt eines Reiters? Die einen erzählen: Es war der Verräter, der damals dem Feind bei der wochenlangen Belagerung der Sigiburg durch Karl den Großen das Geheimnis der Wasserkunst preisgegeben hat. Dadurch konnte den Verteidigern auf der Burg das Wasser entzogen werden, so dass die Verdurstenden sich ergeben mussten.

Gehetzt bis zur äußersten Kante

Nachher sollen etliche Sachsen in einer stürmischen Nacht heimlich zur Sigiburg zurückgekommen sein, um den Verräter zu fangen und ihn zu richten. Sie spürten ihn zwar auf, doch er entkam ihnen auf seinem schnellen Pferd. Er jagte hinüber zu den Klippen, wo die Rächer ihn bis zur äußersten Kante hetzten . . .

Andere aber erzählen, es sei ein sächsischer Ritter, der da von Zeit zu Zeit um Mitternacht auf der Teufelskanzel wie ein Mahnmal vor dem dunklen Nachthimmel sichtbar werde und dann plötzlich wieder verschwände. Nach der Eroberung der Sigiburg durch die Franken war der sächsische Ritter immer wieder seinen Feinden entkommen.

. . . Doch der Ritter floh zu den Klippen über der Ruhr, wo er in einer der Schluchten zu entkommen trachtete. Aber die Franken kannten inzwischen alle Schleichwege, schnitten sie ihm ab und hetzten ihn die Klippen hinauf. Die Hufe der Pferde knallten auf das harte Felsgestein, dass die Funken stoben. Da sprang das gehetzte Tier des Verfolgten ohne zu zögern auf die Teufelskanzel hinüber und – auf einen verzweifelten Zuruf seines Herrn – schwebte es, als ob es hinüber auf die Sigiburg springen wollte, über dem Abgrund und stürzte mit seinem Reiter in die Gipfel der Bäume, die von der Schlucht aufragten, durchbrach die Äste und landete auf steinigem Grund. Die Verfolger hatten dem Ritter warnend zugerufen: „Spring nicht, sonst bist du des Teufels!“

 
 

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