Die Briten sind out, Schultze und Schröder in

Passend zum Tag des Brexit gastierte das Wallstreet-Theater im Rahmen der 17. Kleinen Kunstreihe in Wetter.
Passend zum Tag des Brexit gastierte das Wallstreet-Theater im Rahmen der 17. Kleinen Kunstreihe in Wetter.
Foto: WP
Das Wallstreet-Theater gastiert zum Schluss der 17. Kleinen Kunstreihe im Stadtsaal in Wetter. An Anlässen für Seitenhiebe gibt es aktuell keinen Mangel.

Wetter..  Es war perfektes Timing. Zum Abschluss der 17. Kleinen Kunstreihe gab sich das Wallstreet-Theater die Ehre im wetterschen Stadtsaal. Briten? Ja. Und die besten Stichwortgeber für Herrn Schultze alias Christian Klömpken und Herrn Schröder alias Andreas Wiegels waren die Briten selbst, die am Vortag für „Out“ gestimmt hatten. „Britain is out, aber wir beide sagen ja“ frotzelten die „very britisch“ daherkommenden Protagonisten. Grauer Nadelstreifenanzug, dicke Brille, das Haar mit Pomade an den Kopf geklebt – lustig ist an diesen Typen erst einmal gar nichts. Und dennoch schaffen sie es, in wenigen Minuten das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Allen voran Wilfried aus der ersten Reihe, der zum offiziellen Übersetzer erklärt wird.

Ein Schleimscheißer

Den braucht es aber gar nicht, auch wenn Schultze und Schröder so manchen Satz im feinsten (D)Englisch formulieren. Für ihr Programm „Simply British“ braucht niemand ein Englisch-Zertifikat oder einen Google-Übesetzer. Das Kompliment von Herrn Schultze ans Publikum – „Wetter ist meine beliebteste Stadt in Germany“ – kontert Schröder mit unmissverständlichem Charme: „You are such a Schleimscheißer!“ Und das bleibt Schultze auch, denn er baut in den anderthalb Stunden Programm immer wieder kleine Spitzen gegen die nächsten Nachbarn ein. Ob Ennepetaler, Hasper oder sogar Volmar­steiner – sie alle müssen zurückstecken, die Gäste aus Old-Wetter sind das beste Publikum, das Schultze und Schröder je hatten.

Und vor allem eines, das sich köstlich amüsiert. Mit einer Mischung aus Jonglage, Zauberei und Klamauk und gleich mehreren „stupid tricks“ bieten die beiden Gentlemen Unterhaltung vom Feinsten. Ganz ohne Hau-drauf-Witze, sondern selbstironisch und weise. Und an mancher Stelle sogar ein wenig politisch. Natürlich, wenn es um die Briten geht. Da liefert ihnen der Brexit nun den Stoff für die nächsten zehn Jahre. Aber auch auf glatteres Parkett wagen sie sich, wenn es um Rashid, den Pakistani geht, der bei der Teller-Jonglage den etwas schlichten Assistenten mimt. Als es ihm zu viel wird, bittet er Herrn Schröder, ihn doch bitte nach Pakistan zurückzuschicken. Doch der hat eine bessere Idee: „I send you to Türkei!“ Gar nicht nett, wie „Rashid“ Schultze findet.

Charmanter Wortwitz

Es sind die kleinen Ideen, die das Programm von Schultze und Schröder groß machen: Die geniale Slow-Motion-Jonglage mit einem halben Dutzend aufgeblasener Müllsäcke, die Hypnose eines Frottee-Hasen oder ihre Verwandlung in gruselige Monster – mit Hilfe einer sauren Gurke unter der Lippe. Und es ist der charmante Wortwitz, der aus der kleinen Kunst geniale Kleinkunst macht.

Truly großartig!

 
 

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