Deutsche Teilung Thema im Onikon

Herdecke..  Der Veranstalter spricht von einem „berührenden Film über die Hinterbliebenen der Mauertoten“. Das Herdecker Onikon zeigt an diesem Freitag, 23. Januar, 20 Uhr, die Dokumentation „Die Familie“ und lädt im Anschluss zu einem Filmgespräch mit Regisseur und Kameramann ein, wobei Letzter ein Heimspiel hat.

„Zwei Jahre auf Bewährung. Für einen Todesschützen. Das ist doch was!?“ Mit diesen Worten werden die Zuschauer von Irmgard B., eine der Protagonistinnen und Mutter des 1986 an der Mauer erschossenen Sohnes aus dem heutigen Berlin, in den laut Mitteilung „eindrucksvollen“ Dokumentarfilm von Stefan Weinert eingeführt. An der ehemaligen deutsch-deutsch Grenze sind zahlreiche Menschen auf DDR-Seite zu Tode gekommen. Die Macher des Films fanden Angehörige, die vor der Kamera ihre leidvollen Geschichten erzählen.

Der Wahlberliner und gebürtige Kölner Stefan Weinert hat seinen zweiten Dokumentarfilm weltweit auf zahlreichen Festivals und Menschenrechtsveranstaltungen vorgestellt, seit November letzten Jahres läuft der Film in deutschen Kinos.

Eine Herzenssache

Erster Kameramann und Herstellungsleiter der Produktion ist der Herdecker Benjamin Greulich, selbst Filmemacher und freiberuflich tätig für Produktionsfirmen und Sendeanstalten. „Es ist eine Herzenssache, diesen wichtigen Film an den Zuschauer heranzutragen. Um so mehr freue ich mich, den Film in meiner Heimatstadt zu präsentieren“, sagt Greulich. „Dokumentarfilme dieser Art haben es in der Medienlandschaft nicht einfach, obwohl unsere Erfahrung gezeigt hat, wie sehr die Zuschauer diese Arbeit schätzen und in den Diskurs darüber gehen“, erklärt er weiter. Hinterbliebene seien in Unrechtstaaten auch Opfer.

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrem Verlust leiden sie noch an dem Trauma. Eine Mutter wisse immer noch nicht, wo die Leiche ihres Sohnes geblieben ist; eine Ehefrau versteht nicht, wie und warum ihr Ehemann damals an der Grenze ertrunken ist; der Sohn eines Maueropfers sieht zum ersten Mal in einer Stasi-Akte die Fotos von der Leiche seines erschossenen Vaters.

Dieser Film sei deshalb so erschütternd, weil hier auf verschiedenen Ebenen Zeugnis abgelegt wird. So werden die Aussagen der Betroffenen oft in Kontrast zu den entsprechenden Formulierungen in den Stasiakten gesetzt, deren kaltes Bürokratendeutsch in diesem Kontext noch unerträglicher als gewöhnlich ist. „Das Herdecker Kino ist ein guter Ort, um ein intensives Gespräch mit den Besuchern zu führen. Die Menschen, die in dem Film zu Wort kommen, hätten einen vollen Saal verdient“, meint Greulich hoffnungsvoll.

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